Analyse der Olympischen Spiele 2012 im Judo

Dezidierte Analysen eines Olympiazyklus spiegeln das Ergebnis eines weltweiten Entwicklungsprozesses in der Sportart wider und sind eine bedeutsame Grundlage für die Erarbeitung künftiger strategischer Akzente. Die vorliegende Abhandlung ist das Ergebnis einer wissenschaftlichen Analyse der Fachgruppe (FG) Judo am Institut für Angewandte Trainingswissenschaft (IAT) und der unmittelbar während des Wettkampfs gesammelten Eindrücke durch die Bundestrainer des Deutschen Judo-Bunds (DJB). Sie basiert auf einer detaillierten Auswertung der Videoaufzeichnungen aller olympischen Judowettkämpfe (Männer: 252, Frauen 233) mit der judospezifischen Version des Wettkampfanalysesystems utilius® vs (Version 4.5.2). Die Ergebnisse werden in den Prozess der mehrjährigen Trendanalysen eingeordnet und die Entwicklung des Judowettkampfsports, die Leistungsfähigkeit der Weltspitze und der deutschen Athletinnen und Athleten wird recherchiert. Die Kämpfe der OS 2012 waren durch eine Erhöhung der Kampfzeit, durch Golden-Score-Entscheidungen bei gleichzeitiger Reduzierung der technischen Wertungen und Wertungspunkte, der Angriffshäufigkeit und der technischen Vielseitigkit gekennzeichnet. Deutlich wurde darüber hinaus eine Bevorzugung von Direktangriffen und der direkten Situationsschaffung sowie eine gesteigerte Aufwertung des Griffkampfs. Die regelbedingten Verschiebungen im Technikprofil setzten sich unvermindert fort (Reduzierung der wirksamen Kampfhandlungen mit Beingriff). Aus den Ergebnissen und Entwicklungstrends sowie den differenzierten Leistungen der deutschen Starter werden trainingspraktische Konsequenzen für den Olympiazyklus 2012-2016 abgeleitet. In-depth analyses of an Olympic cycle reflect the result of a world-wide process of development within one sport and constitute a significant basis to set strategic priorities for the future. This article is both the result of a scientific analysis done by the research group judo of the Institute for Applied Training Science (IAT) and the immediate impressions the head coaches of the German Judo Federation (DJB) could gather during the tournament. It is based on a detailed analysis of the video recordings of all Olympic judo matches (men: 252; women 233) using the judospecific version of the competition analysis system utilius® vs (version 4.5.2). The results are being integrated into the process of trend analyses lasting several years, and the development of competitive judo, the performance capacity of the world`s elite and of the German female and male athletes is researched. The matches of the 2012 Olympic Games were characterised by an increase in match time, goldenscore decisions with simultaneous reduction of technical scores and points, the frequency of attacks and technical versatility. Direct attacks and direct creation of situations as well as an increased revaluation of grip fighting were distinctly preferred. The shifts within the technique profile, caused by the rule modification continued unabatedly because of the decrease in successful fighting actions with leg grabs. Training-practical consequences for the Olympic cycle 2012-2016 have been derived from the analysed current results and from the differentiated performances of the German competitors.
© Copyright 2012 Zeitschrift für Angewandte Trainingswissenschaft. Meyer & Meyer Verlag. Veröffentlicht von Meyer & Meyer. Alle Rechte vorbehalten.

Bibliographische Detailangaben
Schlagworte:
Notationen:Trainingswissenschaft Kampfsportarten
Veröffentlicht in:Zeitschrift für Angewandte Trainingswissenschaft
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Aachen Meyer & Meyer 2012
Online-Zugang:https://open-archive.sport-iat.de/sponet/ZATW_2012_02_121_150_Heinisch.pdf
Jahrgang:19
Heft:2
Seiten:121-150
Dokumentenarten:Artikel
Level:hoch