Konditionelle Belastungen und Ergebniskonstanz: Zur Wirkung spezifischer Beanspruchungen auf Ausführungs- und Lernleistung bei trefferorientierten Wurfbewegungen
Die vorliegende Arbeit beschäftigte sich mit dem Zusammenhang von konditionellen Belastungen und Ergebniskonstanz. Konkret sollte vor dem Hintergrund des Drei-Faktoren-Modells (Olivier, 1997) zunächst überprüft werden, wie sich einerseits zentralnervöse, andererseits neuromuskuläre Beanspruchungen auf die Bewegungsausführung und das Bewegungsergebnis bei einer trefferorientierten Wurfbewegung auswirken. Die Kriteriumsaufgabe war der virtuelle Dartwurf. Im ersten Hauptexperiment gelang es auf zentralnervöser Ebene nicht, erwartete belastungsbedingte Anstiege des allgemeinen zentralnervösen Aktivierungsniveaus hervorzurufen. Dies wird darauf zurückgeführt, dass die motorische Aufgabe per se bereits Feedforward-Prozesse auszulösen scheint, die zu einem Anstieg des AZAN führen. Die zunächst gewählte Fahrradbelastung konnte dann keinen darüber hinaus gehenden AZAN-Anstieg hervorrufen. Gegenüber unbelasteter Bedingung zeigte sich kein Unterschied im Bewegungsergebnis, einzelne Parameter der Bewegungsausführung waren infolge der Fahrradbelastung tendenziell verändert. Erschöpfende neuromuskuläre Beanspruchungen führten zu erwarteten negativen Auswirkungen auf das Bewegungsergebnis und einzelne ausführungsbezogene Parameter.
Das zweite Experiment beschäftigte sich mit der Frage, welche Auswirkungen die beschriebenen Beanspruchungen auf die Aneignungs- und die Lernleistung bei dieser Bewegungsaufgabe haben. Auch an dieser Stelle wurden sowohl ergebnisbezogene, als auch ausführungsbezogene Parameter zur Beschreibung herangezogen. Bei diesem Experiment konnte auf zentralnervöser Ebene der Effekt einer Feedforward-Regelung des AZAN im Hinblick auf die motorische Aufgabe repliziert werden. Jedoch: Es scheint, dass die Aufgabe bereits einmal in einer entsprechenden Übungsstruktur durchgeführt werden muss, bevor solche Effekte greifen können. Darüber hinaus gehende AZAN-Anstiege infolge einer Fahrradbelastung konnten erst zum Ende eines jeweiligen Übungsprozesses festgestellt werden. Das Aneignen und Lernen der Bewegungsaufgabe ist infolge der Fahrradbelastung und trotz zumindest temporär belastungsbedingt erhöhtem AZAN nicht beeinflusst. Infolge der neuromuskulären Beanspruchungen ist die Aneignungsleistung reduziert (dies gilt für eine Bedingung nur tendenziell). Nur vereinzelt sind auch ausführungsbezogene Parameter verändert. Ein Grund hierfür könnte sein, dass die Verminderung der Aneignungsleistung bei den einzelnen Versuchpersonen über unterschiedliche ausführungsbezogene Kenngrößen beeinträchtigt wird, sodass in der Gesamtheit keine bestimmte Ausführungsgröße für diesen Effekt verantwortlich ist. Dies sollten weitere Untersuchungen prüfen. Die Lernleistung ist jedoch trotz verminderter Aneignungsleistung nicht beeinträchtigt. Dies spricht wiederum dafür, dass das periphere Geschehen vom zentralen Geschehen unabhängig ist. Zuletzt konnte festgestellt werden, dass das Aneignen einer Bewegung unter neuromuskulären Beanspruchungen keine Vorteile bringt, wenn die geforderte Bewegungsaufgabe zu einem späteren Zeitpunkt wieder unter den gleichen Beanspruchungsbedingungen zu absolvieren ist. Dennoch sollte in zukünftigen Untersuchungen überprüft werden, ob es trotz allem vorteilhaft sein kann, wenn die Bewegungsaufgabe eine höhere Anzahl an Freiheitsgraden als die verwendete aufweist. Im Zustand wirkender Belastungseffekte könnten dann möglicherweise andere, in Bezug auf das Bewegungsergebnis motorischäquivalente Techniken, erkundet werden, die dann einen Leistungsvorteil zu einem späteren Reproduktionszeitpunkt unter genau diesen Belastungseffekten plausibel erscheinen lassen.
Interessant erscheint mir gerade die Tatsache, dass auch ein infolge konditioneller Belastungseffekte über die Aneignungsphase erhöhtes motorisches Rauschen durch Übung verringert werden kann, und dies nicht weniger, als unter unbelasteten Bedingungen. Hier, so finde ich, bietet sich ein interessanter Ansatz für die Automatisierungsforschung. Hier wird gerade über extensives Üben versucht, eine Bewegungsausführung gegenüber einer Doppelaufgabe störresistent zu machen, ihre konstante Reproduktion sicherzustellen. Nach den in dieser Arbeit vorliegenden Befunden, sollte es auch unter Belastungseffekten gelingen, die bei hohen Übungsraten auch durch die motorische Aufgabe selbst hervorgerufen werden können. Dies sollten Experimente im Rahmen der Automatisierungsforschung überprüfen. Als Resümee für die Trainingspraxis kann festgehalten werden, dass für das sportliche Techniktraining ein weiterer Befund vorliegt, der die Auffassung stützt, dass Techniktraining im Zustand konditioneller Belastungseffekte durchgeführt werden kann, und dass trotz reduzierter Aneignungsleistung die Lernleistung nicht beeinträchtigt ist. Dies entlastet den Trainer bei der Planung und Organisation des Trainings. Er kann Techniktraining nach Bedarf planen, ohne vorausgegangene Belastungseffekte mit zu berücksichtigen. Allerdings sei an dieser Stelle einschränkend nochmals darauf hingewiesen: Eine erhöhte Verletzungsgefahr durch Techniktraining im Zustand konditioneller Belastungseffekte darf nicht akzeptiert werden.
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| Schlagworte: | |
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| Notationen: | Trainingswissenschaft Spielsportarten technische Sportarten |
| Sprache: | Deutsch |
| Veröffentlicht: |
Saarbrücken
2001
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| Online-Zugang: | https://publikationen.sulb.uni-saarland.de/handle/20.500.11880/23305 |
| Seiten: | 329 |
| Dokumentenarten: | Dissertation |
| Level: | hoch |