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Die Betrachtung der Schnelligkeit im Kontext der konditionellen Fähigkeiten und die Notwendigkeit einer neuartigen Sichtweise - ein Modellansatz zur Strukturierung der Schnelligkeit

Measurable conditional and coordinative skills, in context with other components, define the power of sport. Conditional skills such as power, endurance, speed or flexibility, as well as coordinative skills like the processes of the regulation of movement, never appear as isolated single skills; they always appear in combinations. The coherence and the structure of conditions, which define the prerequisites of the power of sport, are thus so comprehensive and interconnected that it seems to be hard to overlook and to understand their complexity. Additionally, the conditional skill speed has such a complex structure integrated within the power of sport. She is together with power, endurance and flexibility one part of the conditional skills. But on the other hand do different facts as well as survey results question that speed is to be considered simply as a conditional skill. KAROß, KÖNIG, SIMSHÄUSER (1994, 122) and also THIENES (1998) and LÜHNENSCHLOß a. O. (1997) criticise that and reference to the coordinative character of speed. This characteristic appears to play the major part in the capacity of speed. The different concepts which say speed is a conditional or a coordinative skill are the foundation of that dissertation. The opinion of a technical-coordinative character of speed is reflected in the major hypothesis. The intention of the sportscientific paper is the characterisation of speed as an technical-coordinative prerequisite for power with the help of descriptive statistics. Basically it is questioned that speed is further a conditional prerequisite. That means that it is necessary to reconsider definitions and declarations of the athletic speed and its classification in existing models of the performance of the sport. There are also two other criteria which have to be awarded as another peculiarity to the speed. On the one hand, there is speed of movement with maximum rate and on the other hand there is a non fatigue process for 5 to 8 seconds after the start (ROTH 1982, BADTKE 1999). Such a course without any fatigue and endurance needs to be questioned also in the opinion of MESTER (1991), LÜHNENSCHLOß (1999) and RÖCKER (2002). Reasons for those doubts are output losses in the level of further jumps (MESTER 1991), the loss of speed during sprints (LÜHNENSCHLOß 1999) as well as the residues in the process of exhalation (RÖCKER 2002). No movement of speed exists without the loss of power. Endurance is everytime a part of the rapidity of movement. Keeping that assumption in mind has the characterisation of speed and the integration in a structure of conditional skills no validity anymore. Furthermore do we have to consider speed as a form of endurance. With the opinion that endurance has a foundational character for every movement, there are propositions to structure and modelling speed. The leading position of endurance of speed during maximum movement has to be specificated and also finds integration within the posted models. The important results and expertises of this paper can be summed up as followed: speed is able to be characterized with the elementary, coordinative, and determined prerequisite of power, as well as through the processes of energy supply. The visual action is the quickness and the accuracy of a movement which is the complex result of steering and energy delivering bodily functions. It is not possible to say speed is only an power factor of condition or co-ordination. The performances of speed presented in form of speed movement are determined with the help of prerequisite performances, which either use one factor (condition, coordination) more than the other. Because of this, they are not able to act independent from each other. The character of co-ordination appears to be leading. For example do the reaction, frequency and sequence belong to the coordinative power. The results of the energy process in the fast movement are power of strength. Therefore they are conditional skills. The power of speed as the tempo of movement has been signed of complex basics. Those basics are facts of the complex of condition and co-ordination. But one of them is leading. So the facts don`t work independent. For example, has the power of speed, the endurance of speed and the process of speeding up a conditional character but the complex reaction and the frequency of steps are more coordinational determinated. Many empirical data from the lateral and the longitudinal research of the school of sport in Magdeburg are only interpretable with the fact of fatigue. With these data it is possible to verify, that next to the conditional loss of power, the coordinational determinated fatigue is taking place first. A pilot study proved such loss of power and fatigues in high frequency motorical moves. The opinion of speed without fatigue and loss of power within the first 5 seconds of movement have been destroyed. Konditionelle und koordinative Fähigkeiten bestimmen neben weiteren Komponenten letztlich die messbare sportliche Leistung. Konditionelle Fähigkeiten wie z. B. Kraft, Ausdauer, Schnelligkeit oder Beweglichkeit und auch koordinative Fähigkeiten, wie sie z. B. Prozesse der Bewegungsregulation darstellen, treten als solche nie isoliert als reine Einzelfähigkeit auf, sondern immer in einer Kombinations- oder Mischform. Die Zusammenhänge und Bedingungsgefüge, die die sportlichen Leistungsvoraussetzungen bestimmen, sind umfassend und ineinander verflochten, dass es schwer fällt, sie in ihrer Komplexität zu überschauen und zu verstehen. Auch die konditionelle Fähigkeit Schnelligkeit besitzt so eine komplexe Struktur und wurde entsprechend ihrer Erscheinungsform und ihres Bedingungsgefüges gleichermaßen in die Modellvorstellungen einer sportlichen Leistungsstruktur eingeordnet. Sie gehört neben der Kraft, der Ausdauer und der Beweglichkeit zu den konditionellen Fähigkeiten. Verschiedene Sachverhalte und auch diverse Untersuchungsergebnisse stellen jedoch die Sichtweise der Schnelligkeit als reine konditionelle Fähigkeit in Frage. KAROß, KÖNIG, SIMSHÄUSER (1994, 122) und auch THIENES (1998) und LÜHNENSCHLOß u. a. (1997) üben erste Kritik und verweisen auf den koordinativen Charakter. Dieser nimmt scheinbar die führende Rolle bei Schnelligkeitsleistungen ein. Auf den unterschiedlichen Auffassungen, Schnelligkeit als konditionell determinierte bzw. als koordinativ determinierte Fähigkeit an zu sehen, begründet sich die vorliegende Dissertationsschrift. Die Auffassung einer technisch-koordinativen Determination der Schnelligkeit spiegelt sich in der Kernhypothese wieder. Das Ziel der sportwissenschaftlichen Arbeit ist es, unter Zuhilfenahme deskriptiver Statistik, die Charakterisierung der Schnelligkeit als eine technisch-koordinativen Leistungsvoraussetzung. Grundsätzlich wird in Frage gestellt, dass Schnelligkeit weiter dem Anspruch einer konditionellen Fähigkeit gerecht wird. Dies bedingt die Notwendigkeit bisherige Definitionen und Erklärungsansätze zur sportlichen Schnelligkeit und deren Einordnung in bestehende Modelle zur sportlichen Leistung zu überdenken. Als weitere Besonderheit werden der Schnelligkeit zwei Kriterien zugesprochen. Das sind zum einen die Ausführung sportlicher Bewegungen mit maximalen Geschwindigkeiten und weiterhin ein ermüdungsfreier Verlauf innerhalb der ersten 5-8 s nach Bewegungsbeginn (ROTH 1982, BADTKE 1999). Ein solcher Verlauf ohne das Auftreten jeglicher Ermüdungs- und Ausdauererscheinungen ist jedoch anzuzweifeln und wird auch durch MESTER (1991), LÜHNENSCHLOß (1999) und RÖCKER (2002) bestritten. Begründung finden diese Zweifel durch auftretende Leistungseinbußen in der Sprunghöhe bei Seriensprüngen (MESTER 1991), durch den Geschwindigkeitseinbruch bei Sprintläufen (LÜHNENSCHLOß 1999) und durch Rückstände in der Ausatemluft (RÖCKER 2002). Keine Schnelligkeitsbewegung verläuft ohne Leistungsverluste. In jedem Fall ist die Ausdauer an der schnellen Bewegung beteiligt. Mit dieser Annahme verliert auch die bisherige ausschließliche Charakterisierung der Schnelligkeit und ihre Einordnung in eine Struktur der konditionellen Fähigkeiten ihre Gültigkeit. Fortan muss eher von einer Form der Schnelligkeitsausdauer ausgegangen werden. Der Auffassung entsprechend, dass Ausdauer im Allgemeinen Grundlagencharakter für alle Bewegungen besitzt, werden Vorschläge für ein Modell zur Strukturierung der Schnelligkeit vorgestellt und erläutert. Die führende Rolle der Schnelligkeitsausdauer bei Bewegungen mit maximal schneller Ausführung wird dabei explizit herausgearbeitet und findet in den angegebenen Modellen Berücksichtigung. Die wesentlichen Ergebnisse und Erkenntnisse dieser Arbeit lassen sich wie folgt zusammenfassen: Schnelligkeit ist durch elementare, koordinativ determinierte Leistungsvoraussetzungen und durch Prozesse der Energiebereitstellung charakterisiert. Ihre äußere Erscheinung sind die Bewegungsgeschwindigkeit und die Genauigkeit der Bewegung, die immer das komplexe Resultat der steuernden und energieliefernden Körperfunktionen darstellen. Eine ausschließliche Zuordnung der Schnelligkeit zum Leistungsfaktor Kondition bzw. zum Leistungsfaktor Koordination kann nicht vertreten werden, weil alle elementaren Leistungsvoraussetzungen für die Schnelligkeit relativ eigenständigen Charakter besitzen und eindeutig entweder der Koordination oder der Kondition zuzuordnen sind. Die koordinative Determination der Schnelligkeit erweist sich jedoch als maßgeblich. So gehören beispielsweise die Reaktions-, Frequenz- und Sequenzleistungen eher zur Struktur der koordinativen Leistungsfähigkeit. Die energetischen Prozesse während des schnellen Bewegungsvollzuges führen zu Kraftleistungen, die eindeutig konditionelle Fähigkeiten darstellen. Die Schnelligkeitsleistungen, ausgedrückt als Bewegungsgeschwindigkeit, werden durch komplexe Leistungsvoraussetzungen bestimmt, die jeweils den einen oder anderen Faktor (Kondition, Koordination) mehr beanspruchen und dann nicht mehr relativ eigenständig und unabhängig voneinander agieren. Z. B. sind Schnellkraft, Schnelligkeitsausdauer und Beschleunigungsfähigkeit mehr konditionell, hingegen die komplexe Reaktion und die Schrittfrequenz mehr koordinativ determiniert. Eine Vielzahl der empirischen Daten aus der Querschnitts- und Langzeitanalyse im Sportschulkomplex Magdeburg sind nur über Ermüdungserscheinungen interpretierbar. Die Daten lassen den Rückschluss zu, dass neben dem konditionellen Leistungsabfall vor allem viel schneller die koordinativ determinierten Ermüdungen eintreten. In einer Pilotstudie konnte ein sofortiges Auftreten von Leistungsverlusten bzw. Ermüdungserscheinungen bei hochfrequenten motorischen Bewegungen aufgezeigt werden. Die Auffassung von der "ermüdungsfreien Schnelligkeit" ohne Leistungsverluste in den ersten 5 s der Bewegung wird demnach widerlegt.
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Bibliographische Detailangaben
Schlagworte:
Notationen:Kraft-Schnellkraft-Sportarten Trainingswissenschaft
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Magdeburg 2006
Online-Zugang:https://doi.org/10.25673/4692
Seiten:237
Dokumentenarten:Dissertation
Level:hoch