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Blickbewegungen und die Lokalisation von stationären und bewegten Reizen

In vielen Lebensbereichen sind die Wahrnehmung und die Lokalisation von Personen und Objekten, Aktionen und Bewegungen von sehr großer Bedeutung für eigene Interaktionen in dieser Umgebung. Im Sport sei zum Beispiel an die Wahrnehmung von Spiel- und Bewegungshandlungen in den großen Ballspielen erinnert, aber auch auf die Orientierung im Raum in solch dynamischen Sportarten wie dem Ski- und Wasserspringen, in einer typischen Ausdauersportart wie dem 3000-m-Hindernislauf muss für die Überquerung von Hürden und Wassergraben deren Position sehr genau wahrgenommen und verarbeitet werden. Ein anderes Beispiel liefern Präzisionssportarten wie das Sportschießen, in denen ein großes Interesse an einem besseren Verständnis der Ziel- und Augenbewegung besteht. Verbunden mit diesen sporttypischen Bezügen steht die Frage, wie aus einem besseren Verständnis heraus auch Trainingsinterventionen entwickelt werden können, mit denen ein positiver Einfluss auf die sportliche Leistung im Wettkampf erreicht werden kann. Auf diesem Hintergrund sind die Untersuchungen von Sonja Stork zum Zusammenhang von Wahrnehmung und Handlung sowohl auf der konzeptionellen als auch der applikativen Ebene sehr interessant, geht es doch darum besser zu verstehen, wie stationäre und bewegte Reize verarbeitet werden. Fragen wie die nach der Beurteilung der aufgenommenen Reize oder nach den Blickbewegungen im Zusammenhang mit der Wahrnehmung und Verarbeitung von Reizen sind auch in der sport- und trainingswissenschaftlichen Forschung in den letzten Jahren gestellt und untersucht worden. In der Beantwortung der allgemeineren Fragen von Sonja Stork liegt deshalb auch ein großes Transferpotenzial für die Sportwissenschaft. Die Untersuchungen zu Sakkadenamplituden und relativen Lokalisationen von kurzzeitig präsentierten Reizen und damit verbunden von Anzeichen für (frühe vs. späte) Dissoziationen oder einer gemeinsamen Verarbeitung ist in diesem Zusammenhang zu nennen wie auch die Analyse der Tendenzen motorischen Blickbewegungsverhaltens im Bezug auf die Wahrnehmung räumlicher Positionen. Genauso interessant sind die Untersuchungen und Ergebnisse des Einflusses von Handlungen auf die Wahrnehmung, und hier insbesondere hinsichtlich der Genauigkeit der Positionslokalisierung (Überschießen der Position des Reizverschwindens). Durch intentionale Kontrolle der Blickbewegungen konnten positive Effekte erzielt werden, d. h. es konnte die Fehllokalisation erkennbar reduziert werden. Insgesamt deuten die Ergebnisse darauf hin, dass es eine gemeinsame visuelle Reizverarbeitung (relative Lokalisation kurzzeitiger Reize, Lokalisation des Bewegungsendes, motorisches Programm) innerhalb eines Informationsaustauschs zwischen Wahrnehmung und Handlung gibt. Die Modulation der Lokalisation durch Blickbewegungen und intentionale Kontrolle lässt sich so als Einfluss von der Handlung auf die Wahrnehmung interpretieren. Die abschließenden Untersuchungen und Interpretationen zur Rolle von Prädikationen wie der Antizipation runden das Bild einer interessanten Grundlagenarbeit zu einem auch für den Sport sehr wichtigen und relevanten Thema ab.
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Bibliographische Detailangaben
Schlagworte:
Notationen:Biowissenschaften und Sportmedizin Trainingswissenschaft
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Berlin Logos Verlag 2003
Ausgabe:Berlin: Logos Verlag, 2003.- 123 S.
Seiten:123
Dokumentenarten:Buch
Level:hoch