Beidseitiges Training im Sport. Die optimale anfängliche Übungsseite beim motorischen Lernen
Das Wissen um die innere Organisationsstruktur des menschlichen Gehirns und um die Spezialisierung der beiden Hirnhälften auf verschiedene Aufgaben und Anforderungen führt in der Sportwissenschaft zu der Frage, ob sich daraus auch Konsequenzen für ein effektives motorisches Lernen ableiten lassen. Welche Effekte können erzielt werden, wenn das Bewegungslernen (insbesondere bei zunehmender Kompliziertheit und Komplexität von Bewegungsaufgaben) in einer gezielt bestimmten Reihung der Körperseiten abläuft? Können diese Lernprozesse beeinflusst und effektiviert werden, wenn je nach Aufgabenanforderung eine anfängliche Trainingsseite angesprochen wird?
Diese und ähnliche weitere Fragestellungen sind in der jüngeren Vergangenheit stärker in den Fokus bewegungswissenschaftlicher Untersuchungen gerückt. Ziel war und ist es, effektive Lernstrategien zu entwickeln und gleichzeitig noch mehr über mögliche Transfereffekte zwischen den beiden Seiten zu erfahren und diese dann auch bewusst zu nutzen. Die vorliegende Arbeit von Tino Stöckel wendet sich diesem Thema zu und untersucht, welchen Einfluss die initiale Trainingsseite in der motorischen Erlernung von Bewegungsaufgaben mit unterschiedlichen Grundcharakteristika haben. Dabei wurden Aufgaben mit hoher räumlich-motorischer bzw. mit sehr dynamischen Anforderungen gestellt. Untersucht wurde der Einfluss der Seitenreihenfolge des motorischen Fertigkeitserwerbs im Rahmen von drei sportartspezifischen (Handball, Basketball, Volleyball) komplexen Bewegungsaufgaben mit Kindern im Alter von 9-14 Jahren. Innerhalb der Testgruppen wurden bei identischem Übungsinhalt jeweils 50 Prozent der Übungseinheiten von einer Gruppe mit der dominanten Hand und von einer zweiten Gruppe mit der nicht-dominanten Hand begonnen. Nach der Hälfte der Einheiten wurde auf die jeweils andere Hand gewechselt.
Die vorliegenden Befunde deuten, wie angenommen, darauf hin, dass die motorischen Anforderungscharakteristika für die Entscheidung über die effektivste Reihenfolge der zu trainierenden Seite sind. So ergaben sich bei Aufgaben mit räumlich-motorischen Anforderungen Vorteile, wenn anfangs mit der nicht-dominanten Seite trainiert wurde. Während hier die größten Lernfortschritte verzeichnet werden konnten, sah das Bild bei den dynamischen Aufgaben anders aus, hatten die Probanden einen größeren Lernfortschritt, die anfänglich mit der dominanten Hand trainierten.
Basierend auf diesen Erkenntnissen bieten sich vielfältige Ansätze an, wie das Bewegungslernen zukünftig noch effektiver gestaltet werden kann. So ist das anfängliche Trainieren mit der nicht-dominanten Körperseite bei hohen Anforderungen an die räumliche Orientierung, Koordination und Bewegungspräzision zu bevorzugen, während ein hohes Maß an Krafteinsatz vorzugsweise schon von Anfang an mit der dominanten Seite trainiert werden sollte. Die erzielten Vorteile beziehen sich dabei nicht nur auf die Leistungsentwicklung, die von der dominanten Seite vollzogen und nachgewiesen wird, sondern es wurden ebenso positive Transfereffekte hin zur nicht-dominanten Seite festgestellt.
Den Trainingsprozess stets so zu gestalten, dass beide Körperseiten einbezogen werden, ist eine der grundsätzlichen Schlussfolgerungen, die sich aus dieser Arbeitet ergeben.
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| Schlagworte: | |
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| Notationen: | Trainingswissenschaft |
| Sprache: | Deutsch |
| Veröffentlicht: |
Schorndorf
Hofmann Verlag
2010
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| Ausgabe: | Schorndorf: Hofmann, 2010. - 203 S. |
| Schriftenreihe: | Beiträge zur Lehre und Forschung im Sport, 175 |
| Seiten: | 203 |
| Dokumentenarten: | Buch |
| Level: | hoch |