"I'm fine thanks, just a bit tired"
(Mir geht's gut - bin nur ein bisschen müde)
Verf. versucht zu ergründen, weshalb Sportler vor einem wichtigen Wettkampf häufig die Frage nach ihrem Befinden mit "Danke, ganz gut, ich fühle mich nur ein bisschen müde." beantworten.
Er bezieht sich dabei auf einen Vortrag des ehemaligen Weltklasse-Eisschnellläufers Harm Kuipers vor internationalen Trainern.
Eingangs wird die Superkompensation erläutert - der Athlet belastet sich im Training mehr, als sein Körper verträgt und erreicht dann bei ausreichender Erholung das angestrebte höhere Niveau. Die Erholung spielt im Prozess der Superkompensation eine entscheidende Rolle.
Einflussfaktoren der Erholung sind:
- der Trainingsumfang (Dauer und Intensität),
- intra- und interindividuelle Unterschiede,
- Trainingsstatus, Alter
- Ernährung (wichtig sind ausreichende Flüssigkeits- und KH-Aufnahme in den ersten Stunden nach dem Training),
- hormonelles Gleichgewicht sowie
- weitere, z.Z. noch unbekannte faktoren.
es sind drei unterschiedliche Stadien des Übertrainings zu unterscheiden:
- die akute Ermüdung (Wiederherstellung innerhalb eines Tages, meist infolge einer harten Trainingseinheit),
- das Overreaching (die Belastung wurde nicht durch entsprechende Erholung ausgeglichen, es entsteht eine Akkumulierung der Ermüdung, bei entsprechender Ruhe vollständig reversibel innerhalb weniger Tage),
- das Übertrainings-Syndrom multiple Symptome, allgemeine Überbelastung, keine Verarbeitung des Stresses durch den Organismus, Wiederherstellung benötigt mindestens Wochen).
Es gibt keine zuverlässigen Bluttest um festzustellen, ob sich ein Athlet in einem Übertrainingsstatus befindet.
Im Anfangsstadium der Übertrainiertheit oder der ersten Ermüdung können folgende Maßnahmen ergriffen werden:
- Verringerung der Trainingsbelastung,
- stärkeren Wert legen auf die Erholung,
- Trainingstag mit Ruhetag abwechseln,
- Relaxationsmaßnahmen ergreifen, Massagen in Anspruch nehmen, auf richtige Ernährung und Flüssigkeitszufuhr achten,
- Vertrauen haben! Einige trainingsfreie Ruhetage schaden der Kondition nicht - im Gegenteil!
Werden o.g. Maßnahmen eingesetzt, benötigt die Erholungsphase lediglich einige wenige Tage.
Tritt nach einigen Tagen trotz Einhaltung aller o.g. Maßnahmen keine Besserung ein und besteht die Ermüdung weiter, ist vom Vorliegen des Übertrainingssyndroms auszugehen.
Merkmale sind:
- jede Trainingseinheit erfordert mehr Anstrengung,
- Leistungsrückgang,
- frühe Ermüdung,
- Motivationsrückgang,
- Stimmungsschwankungen, verstärkte Irritiertheit,
- Unregelmäßigkeiten im menstruationszyklus,
- Überlastungsverletzungen,
- Infektionen (Herpes, Bronchitis, Hautinfektionen).
Da es keinen Bluttest zur Identifikation von Übertraining gibt, können nur mittels Routineuntersuchungen andere Ursachen ausgeschlossen werden. Außerdem kann ein Maximaltest sowie eine POMS-Befragung erfolgen. Danach kann recht eindeutig beurteilt werden, ob ein Übertrainings-Syndrom vorliegt oder es andere Ursachen für die Ermüdung gibt.
Nach der Diagnose des Übertrainings-Syndroms gilt es, entsprechend zu agieren. Dazu bedarf es der Aufklärung der Ursachen. Diese können sein: Infektionen oder allergische Reaktionen, psychologischer oder sozialer Stress, Jetlag, Reisen, zu viele Wettkämpfe, zu viel Training, Trainingsmonotonie u.ä.
Nach der Diagnose sollten folgende Schritte eingeleitet werden:
- Eliminieren der Ursachen bzw. der auslösenden Faktoren,
- Sicherstellen der richtigen Ernährung,
- Akzeptieren des Abschreibens der verbleibenden Saison,
- Setzen eines drastischen Einschnitts in der Trainingsbelastung,
- Eventuell Inanspruchnahme von Beratungen.
Verf. stellt klar:
- Bei Spitzensportlern kommt es häufig zu Übertraining -
die häufigste Form ist das Over-Reaching,
- Die Akkumulation von Stress führt zum Übertrainings-Syndrom.
- Hartes Training ist nicht der alleinige das Syndrom auslösende Faktor.
- Spezielle, sensitive Marker für das Übertrainingssyndrom gibt es noch nicht.
- Athlet und Trainer sollten auf den Körper und Seele hören und die ersten Signale ernst nehmen.
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| Schlagworte: | |
|---|---|
| Notationen: | Biowissenschaften und Sportmedizin Ausdauersportarten |
| Veröffentlicht in: | Speedskating World |
| Sprache: | Englisch |
| Veröffentlicht: |
2003
|
| Ausgabe: | Kesteren 8 (2003) 7, S. 17-19 |
| Dokumentenarten: | Artikel |
| Level: | hoch mittel |