Hockey-spezifische metabolische Beanspruchung, Metabolic Power und Energieumsatz (MetPower-Hockey)
In den vergangenen Jahren wurden in den Spielsportarten zunehmend Bewegungs-Analyse- Systeme (Video-, Radar- oder GPS-basiert) eingesetzt, um die Körperbewegungen von Spielern und Spielerinnen möglichst objektiv zu erfassen, physiologische Reaktionen abzuleiten und letztlich die Leistung zu optimieren. Grundsätzlich kann die detaillierte Analyse von Beanspruchungen in Spielen helfen, Trainingsmaßnahmen entsprechend anzupassen. Die Analyse der Belastungen einzelner Trainingsmaßnahmen individueller Spieler bzw. Spielerinnen wiederum hilft, die Gesamtbeanspruchung zu justieren und Periodisierungen zu adaptieren, um Überbelastungen zu vermeiden und eine optimale Leistungsentwicklung bzw. in hohen Belastungsphasen eine Leistungsstabilisierung zu gewährleisten. Bei derartigen Bewegungsanalysen wurden in verschiedenen Spielsportarten zunächst meist die ausschließliche Beschreibung von Laufgeschwindigkeiten herangezogen und Parameter ermittelt wie gesamte Laufstrecke, Laufen mit hoher und höchster Geschwindigkeit und detailliertere Sprintprofile. Etwas später wurde die Analyse von Beschleunigungen hinzugezogen, da bei vielen maximalen kurzen Bewegungen Zeit und Strecke zu kurz sind, um hohe Geschwindigkeiten zu erreichen, dennoch aber eine sehr hohe metabolische und mechanische Beanspruchung vorliegt (Luig et al., 2008; Gabbett, 2010; Manchado et. al., 2013; Coutts et al., 2015). Seit kurzem steht ein mathematisches Tool zur Verfügung, das erlaubt, aus den Geschwindigkeitsund Beschleunigungsverläufen einzelner Spieler bzw. Spielerinnen weitere enorm wichtige metabolische Kenngrößen, nämlich den Energieumsatz und die sogenannte "Metabolic Power" (in Watt/kg), zu berechnen, ohne dass hierzu direkte Messungen des Energieumsatzes mittels Spirometrie während Spiel- und Trainingsbelastungen notwendig sind (Osgnach et al., 2010; di Prampero et al., 2015). Damit ist es erstmals möglich, die tatsächliche metabolische Beanspruchung während einzelner Spielabschnitte und Trainingsmaßnahmen nahezu zeitgleich allein aus dem Bewegungs- (Geschwindigkeits- und Beschleunigungs-) Profil zu quantifizieren und zu analysieren. Darüber hinaus lassen sich auch individualisierte Kalorienzufuhrempfehlungen ableiten und somit das Leistungsvermögen unter Belastung optimieren.
Im Rahmen des Projektes wurden folgende Teilstudien
realisiert:
1. Vergleichende Analyse des Energieumsatzes mittels MetPower-Analyse und direkter Messung (Spirometrie) bei Geradeausläufen und 360° Shuttleruns mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten und Hockeyschläger in unterschiedlicher Körperhaltung;
2. Analyse des MetPower-Profils aus Bewegungsdaten von Trainingseinheiten im Rahmen eines Nationalmannschafts-Trainingslagers (Zentrallehrgang 2017) und
3. Analyse des MetPower-Profils aus Bewegungsdaten von U21-Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen.
Der Vergleich der gemessenen und anhand der Formel errechneten Energiekosten aller hockeyspezifischen Läufe zeigt eine signifikante Unterschätzung der Energiekosten durch die Formel. Hier fällt auf, dass unabhängig von der Laufgeschwindigkeit alle Shuttle-Runs einen signifikanten Unterschied zwischen beiden Messverfahren aufweisen, wohingegen sich die gemessenen und errechneten Energiekosten bei konstantem Geradeauslaufen nicht unterscheiden. Dies belegt die Korrektheit des in der Formel angegebenen Faktors für das Geradeauslaufen von 3.6. Die Unterschätzung der Formel nach di Prampero et al. (2005) wird bei Shuttle- Runs durch die hockeyspezifische, veränderte und energetisch intensivere Körperposition bei beidhändigem Führen des Schlägers am Boden erwartungsgemäß größer. Die beschriebenen systematischen Unterschätzungen des Energiebedarfs zwischen 15 und 22 % bei den meisten Laufbelastungen mit Richtungswechsel bzw. von 23 bis 31 % bei beidhändigem Führen des Schlägers am Boden muss demnach bei der Anwendung der Formel aus GPS- oder sonstigen Bewegungsdaten berücksichtigt und als Korrektur einbezogen werden. 4.2 Teilstudie 2 Die ermittelte systematische Unterschätzung des Energiebedarfs aus Bewegungsdaten bei hockeyspezifischen Bewegungsabläufen war mit 40-50 % erheblich und muss demnach bei der Anwendung der Formel aus GPS- oder sonstigen Bewegungsdaten bei hockey-spezifischen Belastungsformen berücksichtigt und als Korrektur einbezogen werden. 4.3 Teilstudie 3 Interessanterweise zeigte die Gesamtteam-Analyse der Damenspiele während der Olympischen Spiele in Rio ein deutlich intensiveres Power- Verteilungsmuster verglichen mit in der Literatur publizierten Daten im männlichen Fußball (Osgnach 2010, Abb. 9). Zu berücksichtigen ist hierbei jedoch, dass die Hockeyspiele insgesamt 30 min kürzer sind im Vergleich zu den Fußballspielen und dass die gesamte Spielzeit für jede einzelne Spielerin durch das Inter-Changing nochmals deutlich kürzer ausfällt. Anders ist eine so hohe metabolische Beanspruchung auch gar nicht zu leisten. In der Konsequenz bedeuten die Analysen, dass das metabolische Beanspruchungsprofil zwischen den Spielpositionen deutlich unterschiedlich ist. Dies sollte sich einerseits in athletischen Trainingsmaßnahmen widerspiegeln, die bei Stürmerinnen eher auch hochintensive Belastungen entwickeln sollten, und andererseits möglicherweise bei der Selektion von Spielerinnen für verschiedenen Positionen Berücksichtigung finden.
© Copyright 2018 BISp-Jahrbuch Forschungsförderung 2017/18. Veröffentlicht von Eigenverlag. Alle Rechte vorbehalten.
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| Notationen: | Trainingswissenschaft Spielsportarten Nachwuchssport |
| Veröffentlicht in: | BISp-Jahrbuch Forschungsförderung 2017/18 |
| Sprache: | Deutsch |
| Veröffentlicht: |
Bonn
Eigenverlag
2018
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| Online-Zugang: | https://my.page2flip.de/15646901/16713668/16713670/html5.html#/330 |
| Seiten: | 329-337 |
| Dokumentenarten: | Artikel |
| Level: | hoch |