Verletzungen im Karatesport - eine Umfrage während der Weltmeisterschaft 2014
Hintergrund: Modernes Karate als Leistungssport wird in der Literatur fast ausschließlich als Kampfsport mit Verletzungen durch Schlagwirkungen und Gegnerkontakt eingeschätzt. Es fehlen Daten zu Verletzungsfolgen und speziell auch Untersuchungen zur Kata-Sparte (Kampf ohne Gegnerkontakt).
Methoden: Über eine Fragebogenstichprobe wurden Daten zu regelmäßiger medizinischer Behandlung, Operationen am Bewegungsapparat, sowie ärztlicher Betreuung von 300 Teilnehmern (Ø Alter 24,1 Jahre, m=176, w=124) der Karate-Weltmeisterschaft 2014 aus insgesamt 65 Ländern erhoben. 7 Teilnehmer nahmen an beiden Disziplinen teil, 87 nur in der Kata-, 206 nur in der Kumite-Disziplin (Kampf mit Gegnerkontakt). Statistische Auswertung erfolgte mittels zweiseitigem Chi-Quadrat-Test und dem Fisher Test.
Ergebnisse: Regelmäßige medizinische Behandlungen erforderte die Knieregion (Kata 28,7%, Kumite 26,7%). Im Kata folgte dann die Schulterregion mit 22,9%, im Kumite die Sprunggelenksregion mit 21,8%, gefolgt von Hand und Fuß. Unterschiede in der Notwendigkeit medizinischer Behandlung zeigten sich zu Lasten der Kata-Gruppe vornehmlich im Ellenbogenbereich (p=0,033), während im Kumite Hand- (p=0,002) und Fußverletzungen (p=0,007) signifikant vermehrt auftraten. Am häufigsten operiert wurden die Sportler beider Disziplinen in der Knieregion, gefolgt im Kata von der Sprunggelenksregion und im Kumite von der Hand- oder Kopfregion. Statistisch signifikante Unterschiede zwischen beiden Disziplinen finden sich im Bereich des Kopfes (p=0,004), der bei der Kata-Gruppe fast nicht betroffen ist. 56% der Sportler verfügten nicht über eine individuelle medizinische Betreuung im Rahmen der Veranstaltung; bei 24,6% erfolgte keine regelmäßige medizinische heimatnahe Betreuung.
Zusammenfassung: Durch die Regeländerungen mit Zahn,- Faust- und Fußschützern und Punktesystem konnten beim modernen Sportkarate die Verletzungsrisiken im Kumite-Kampf verringert werden, während aber die Dauerschäden im jahrelangen Leistungssport nicht unerheblich sind. Die unwesentlich geringere Rate an Operationen und Verletzungen im Kampf-freien Kata-Sport zeigt, dass das Risiko von körperlichen Schäden im Kumite als Kampfsport relativ gering ist, während Schäden durch jahrelangen Kata-Leistungssport nicht unterschätzt werden sollten. Verbesserungspotenzial ergibt sich hinsichtlich Trainingsmethoden einschließlich Bodenmaterial und bezüglich einer regelmäßigen medizinischen, auch präventiven Betreuung dieser Leistungssportler. Autorreferat
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| Notationen: | Kampfsportarten Biowissenschaften und Sportmedizin |
| Veröffentlicht in: | Sportverletzung Sportschaden |
| Sprache: | Deutsch |
| Veröffentlicht: |
2016
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| Online-Zugang: | http://doi.org/10.1055/s-0042-112689 |
| Jahrgang: | 30 |
| Heft: | 4 |
| Seiten: | 204-210 |
| Dokumentenarten: | Artikel |
| Level: | hoch |