Wettkampfbetreuung im Goalball

Die erste Frage, die mit dieser Studie beantwortet werden sollte, war, ob Torsektoren unterschiedliche häufig angespielt werden. Hierfür beschreibt SEKTOR den realen Treffpunkt des Balls, während SEKTOR' die Ausbälle Außensektor zuordnet. Wir interpretieren SEKTOR' als den intendierten Treffpunkt, da Athleten bzw. Athletinnen den Ball wahrscheinlich nicht absichtlich ins Aus werfen. Mit dieser Operationalisierung lässt sich feststellen, dass die Verteilung der Würfe auf die einzelnen Sektoren recht ausgeglichen war. Lediglich die Ecken des Tores wurden etwas häufiger angespielt. Dies deutet darauf hin, dass die Erfolgswahrscheinlichkeit von den Athletinnen und Athleten hier höher eingeschätzt wurde. Der höhere Anteil von Würfen ins Aus bei den Männern, lässt sich als taktische Entscheidung für höheres Risiko interpretieren. Bezügliche der Torquote zeigen die Daten, dass Würfe zwischen die Abwehrspieler am erfolgreichsten waren (Sektoren C und D). Dies ist gut begründbar, da Spieler, um diesen Bereich zu verteidigen eine seitliche Rutschbewegung ausführen und der Ball tendenziell durch Hände oder Füße abgewehrt wird. Hierbei ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Ball über die Extremitäten springt, höher als im Bereich des Torsos mit seiner größeren und stabileren Trefferfläche. Mit der gleichen Begründung lässt sich erklären, dass bei den Männern die Trefferquote an den Rändern des Tores ebenfalls höher war. Zusätzlich lässt sich anfügen, dass hier nur ein Spieler die Möglichkeit hat, den Ball abzuwehren. Allerdings bestand die höhere Erfolgswahrscheinlichkeit nur, wenn der Sektor auch wirklich getroffen wird und der Ball nicht ins Aus ging. Rechnet man die Ausbälle mit ein, so war die Trefferquote schlechter als auf den Überschneidungssektoren in der Mitte. Für die Nutzung der Ergebnisse in der Sportpraxis ist zu beachten, dass Wurfquote und Torquote in den einzelnen Sektoren, die hier auf Basis einer großen Stichprobe und mehrerer Mannschaften gewonnen wurden, nur einen Hinweis auf mögliche Strategien liefern. Darüber hinaus spielen bei der Wahl des Wurfbildes weitere Faktoren eine Rolle, wie die Abwehrstärke einzelner Spieler, das Ausnutzen von Kontergelegenheiten oder hohe Variabilität in der Wurfrichtung. Aufgrund der Ergebnisse dieser Studie muss hinterfragt werden, ob die Tendenz der Spieler, in den Randbereich des Tores zu werfen, zielführend ist. Die höhere Torwahrscheinlichkeit bei einem Treffer dieses Sektors besteht nur bei den Herren und rechtfertigt statistisch nicht das Risiko, dass der Ball bei dem Versuch ins Aus geht. Solange keine anderen taktischen Überlegungen dagegensprechen, erscheint es erfolgversprechender, einen höheren Anteil von Würfe in die Überschneidungssektoren in der Mitte des Tores zu spielen. (vom Autor übern. gek.)
© Copyright 2018 BISp-Jahrbuch Forschungsförderung 2016/17. Veröffentlicht von Sportverlag Strauß. Alle Rechte vorbehalten.

Bibliographische Detailangaben
Schlagworte:
Notationen:Trainingswissenschaft Parasport Spielsportarten
Veröffentlicht in:BISp-Jahrbuch Forschungsförderung 2016/17
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Hellenthal Sportverlag Strauß 2018
Online-Zugang:http://my.page2flip.de/2895682/14185088/14185117/html5.html#/175
Seiten:173-176
Dokumentenarten:Artikel
Level:hoch