Analyse von Fahrlinien, Geschwindigkeiten und Beschleunigungen mittels GPS- und Inertialsensoren im paralympischen Skirennsport
Der Faktor Geschwindigkeit im Skirennsport muss aufgrund seiner Komplexität differenziert betrachtet werden. Auf ihn wirken sich zum einen die Charakteristik des Terrains aus, das nur an bestimmten (steilen) Abschnitten eine Geschwindigkeitszunahme erlaubt. Der zweite Faktor ist die individuell gewählte Fahrlinie, die, je nach fahrtechnischem Können und Kraftfähigkeiten im optimalen Fall so angelegt ist, dass sie eine Beschleunigung ermöglicht oder zumindest mit dem geringsten Geschwindigkeitsverlust einhergeht. Über die Jahre hat durch die zunehmende Professionalisierung die Leistungsdichte in den verschiedenen Klassen stark zugenommen, so dass zwischen den ersten drei Platzierungen nur Hundertstelsekunden liegen. Somit stellt den entscheidenden Faktor für Erfolg in der Sportart Ski alpin die Geschwindigkeit dar. Jedoch wird diese nicht isoliert als Höchstgeschwindigkeit an einer beliebigen Stelle des Kurses betrachtet, sondern muss im Kontext der Einzelkomponenten Beschleunigung, Kurvengeschwindigkeit und Gelände in den verschiedenen Passagen eines Kurses analysiert werden. Die Tatsache, dass derjenige die schnellste Zeit erzielt, der in der Lage ist, durchgehend mit der höchsten Geschwindigkeit und auf dem kürzesten Radius den jeweiligen Kurs zu bewältigen, verdeutlicht die Bedeutung der Analyse des vielschichtigen Begriffs der Geschwindigkeit im alpinen Skirennsport. Ohne die genannte Analyse der Geschwindigkeitskomponenten blieb stets die Frage unbeantwortet, an welchen Stellen im Kurs eine Geschwindigkeitszunahme möglich ist, in welchen Passagen diese eingebüßt wird und durch welche Strategie hinsichtlich der Fahrlinienwahl der bestmögliche Geschwindigkeitserhalt erzielt bzw. das Terrain und die Kurssetzung optimal zur Generierung von Geschwindigkeit ausgenutzt werden können. Aussagen über diese Punkte können durch die Messung mittels GPS-System und des Geschwindigkeitsverlaufs getroffen werden. GPS-Systeme, die bis vor einigen Jahren noch relativ groß und teuer waren und sich an den Teammitgliedern nur zu Lasten ihrer Bewegungsfreiheit unterbringen ließen, sind mittlerweile handliche Einheiten und können über längere Zeit auch im mobilen Modus betrieben werden. Durch verbesserte Prozessorleistung kann zudem gleichzeitig die Beschleunigung mittels Inertialsensoren gemessen werden, die zusammen mit den Ortsdaten des GPS-Systems eine komplette Aussage über die Charakteristik der Fahrlinie und Geschwindigkeit des Athleten bzw. der Athletin liefern. Alles in allem ist die Wissenschaft heute in der Lage, Rennläufer und -läuferinnen mit entsprechender Technik auszurüsten und Daten zu erheben, die Antwort auf die oben genannten Fragen nach dem Geschwindigkeitsverlauf geben. (vom Autor übern. gek.)
© Copyright 2016 BISp-Jahrbuch Forschungsförderung 2015/16. Veröffentlicht von Sportverlag Strauß. Alle Rechte vorbehalten.
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| Notationen: | Trainingswissenschaft Parasport Kraft-Schnellkraft-Sportarten technische Sportarten |
| Veröffentlicht in: | BISp-Jahrbuch Forschungsförderung 2015/16 |
| Sprache: | Deutsch |
| Veröffentlicht: |
Hellenthal
Sportverlag Strauß
2016
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| Online-Zugang: | http://my.page2flip.de/2895682/8822043/8822044/html5.html#/100 |
| Seiten: | 99-103 |
| Dokumentenarten: | Artikel |
| Level: | hoch |