Verletzungen und Überlastungsbeschwerden der deutschen paralympischen Athleten bei den Sommerspielen 2012 in London

Der Bewegungsapparat paralympischer Athleten ist behinderungsbedingt besonderen Belastungen ausgesetzt. Die zunehmende Professionalisierung des paralympischen Sports hat zu stetig wachsenden Trainingsumfängen und Wettkampfbelastungen geführt. Diese Entwicklung beinhaltet das Risiko eines Missverhältnisses zwischen körperlicher Belastung und Regeneration und führt mutmaßlich zu einer Zunahme von Überlastungsbeschwerden insbesondere zum Saisonhöhepunkt. Das Ziel der vorliegenden Arbeit war, die Häufigkeit und Schwere der muskuloskeletalen Erkrankungen deutscher Paralympioniken zu dokumentieren und diese sportart- und behinderungsspezifisch zu analysieren. Während der paralympischen Sommerspiele 2012 wurden alle Erkrankungen und Verletzungen deutscher Athleten standardisiert dokumentiert (Zeitpunkt und Schwere der Erkrankung, Diagnose, Beeinträchtigung der Trainings- und Wettkampffähigkeit und die getroffenen Behandlungsmaßnahmen). Nach Abschluss der In-Competition-Period wurden die Daten anonymisiert in eine Datenbank übertragen und auf mögliche Unterschiede zwischen den Startklassen und Sportarten analysiert. Von den 150 behinderten und 3 nicht-behinderten (Guides) paralympischen Athleten (n = 153, Alter ? 33 Jahre) wurden 140 Athleten (Alter ? 33 Jahre) aufgrund orthopädisch-traumatologischer Krankheitsbilder behandelt. Insgesamt 201 Beschwerden (1,4 / verletzten Sportler) führten zur Konsultation des medizinischen Teams. Die häufigsten Beschwerden waren muskuläre Überlastungen (n = 105), Tendinopathien (n = 14), unspezifische Rückenschmerzen (n = 14), Wirbelblockierungen (n = 11), offene Hautläsionen (n = 10), Prelllungen (n = 6) und Distorsionen (n = 8). Wirbelsäule und obere Extremität waren in 37,6% betroffen, die untere Extremität in 21,5%. Die Sporttauglichkeit war mehrheitlich (77%) erhalten, bei 43 Athleten (20%) eingeschränkt und nur bei 4 Athleten aufgehoben. 12,5% der Beschwerden waren vor der Anreise nach London aufgetreten, 77% während der Paralympics. Die Verletzungshäufigkeit war im Rollstuhlbasketball und Rudern im Vergleich zu den übrigen Sportarten erhöht (1,6 vs. 1,3 Verletzungen/Sportler). Eine erhöhte Verletzungshäufigkeit von sehbehinderten Athleten konnte nicht festgestellt werden. Paralympische Athleten sind durchschnittlich 7 Jahre älter als nicht-behinderte Olympioniken. Ein Altersunterschied der verletzten und unverletzten Athleten ließ sich nicht nachweisen. Deutsche Athleten wurden häufiger medizinisch behandelt als der internationale Durchschnitt. Im Gegensatz zu nicht-behinderten Athleten treten Verletzungen/Beschwerden der Wirbelsäule und der oberen Extremitäten gehäuft auf. Die Verletzungsrate war insbesondere bei Rollstuhlbasketballerinnen erhöht, eine erhöhte Verletzungsanfälligkeit sehbehinderter Athleten ließ sich nicht verzeichnen. Die vorgelegten Daten sollten auch als Grundlage für die Erstellung sportartspezifischer Präventionsprogramme dienen.
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Bibliographische Detailangaben
Schlagworte:
Notationen:Biowissenschaften und Sportmedizin Parasport
Veröffentlicht in:Sport-Orthopädie - Sport-Traumatologie
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: 2014
Online-Zugang:http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0949328X14000027
Jahrgang:30
Heft:1
Seiten:41-46
Dokumentenarten:Artikel
Level:hoch