"Techno-Doping". Leistungssteigerung durch technische Hilfsmittel aus naturwissenschaftlicher und juristischer Perspektive
Die Frage danach, ob es Grenzen der sportlichen Leistungsfähigkeit gibt und ob bzw. wann diese erreicht werden und welche Einflussfaktoren auf diese Leistungen wirken, werden oftmals in engem zeitlichen Bezug zu Weltmeisterschaften oder Olympischen Spielen gestellt. Vergleichbare Fragen, wenn auch aus einem etwas anderen Blickwinkel heraus, werden aber auch zunehmend mit internationalen Wettkämpfen von Behindertensportlern, wie zum Beispiel den Paralympics, diskutiert. Hier haben gerade die Leistungen des südafrikanischen Sprinters Oscar Pistorius und des deutschen Weitspringers Markus Rehm, die sowohl durch ihr sportliches Training, aber eben auch durch den Einsatz von Hightech-Prothesen ihre sportlichen Höchstleistungen erbringen konnten, zu dieser Debatte international wie national beigetragen. Sie sind in der aktuellen Debatte um nicht (nur) durch sportliches Training, sondern durch andere leistungssteigernde Maßnahmen, darunter auch durch verbotene Dopingmittel, erreichte sportliche Höchstleistungen eingebracht worden, insbesondere wenn es um das sogenannte Technodoping geht.
Mit Blick in die Geschichte des modernen Leistungssports sind die Möglichkeiten, mit den Erkenntnissen und Produkten des technologisch-technischen Fortschritts die Leistung zu beeinflussen, bereits seit vielen Jahren und Jahrzehnten genutzt worden. Die Schuhindustrie ist hier genauso tätig geworden, wie es immer wieder Neuentwicklungen im Skisport (aktuelles Stichwort Carvingski), bei den Eissschnelllläufern (Stichwort Klappschlittschuh) oder im Schwimmsport (Stichwort LZR-Racer) gegeben hat und wohl auch in Zukunft geben wird. In vergleichbarer Weise sind auch neueste Erkenntnisse und Methoden unterschiedlicher medizinischer Teildisziplinen (und hier ist nicht die Endokrinologie gemeint) genutzt wurden, um Leistungssportlern bei der Weiterentwicklung ihrer Leistungsfähigkeit zu helfen. Wichtige, die Leistungsentwicklung fördernde Innovationen stammen auch aus dem Sportstättenbau mit neuen Laufbelägen oder Profilen von Sprungschanzen oder aus dem Bau von Sport- und Trainingsgeräten.
Nicht vergessen werden darf dabei auch die Kreativität und Originalität von Sportlern und Trainern, wenn es darum geht, alternative sportliche Techniken wie den Siitonenschritt im Skilanglauf, den V-Sprungstil im Skisprung oder den Fosbury-Flop im Hochsprung zu entwickeln, um der Konkurrenz voraus zu sein.
Wie werden diese Entwicklungen aber aus der Perspektive von Sportwissenschaftlern und Sportmedizinern gesehen, wie positioniert sich das Sportrecht dazu und wie gehen nationale und internationale Sportverbände mit ihnen um. Im vorliegenden Band liefert die Deutsche Vereinigung für Sportrecht mit drei Vorträgen, die auf der Jahrestagung 2012 zum Thema Technodoping gehalten wurden, wichtige Diskussionsbeiträge:
G.-P. Brüggemann: Möglichkeiten und Perspektiven der Leistungssteigerung aus biomechanischer und orthopädischer Sicht
F. Steinle: "Techno-Doping" - Schutzmechanismen zu Gunsten der Athleten durch Regelwerke im Skisport
K. Vieweg: "Techno-Doping" - Regelungs- und Durchsetzungsmöglichkeiten der Sportverbände.
Durch diese drei Vorträge wird ein breites Themenspektrum der aktuellen Entwicklungen im Technodoping abgedeckt und es werden auch die Möglichkeiten der Sportorganisationen analysiert und diskutiert, angemessen zu reagieren. Dabei geht es um Themen, wie die Verantwortung für die Gesundheit der Sportler, es geht aber auch um Chancengleichheit und Fairness. Letztlich ist eine solche Debatte mit Blick auf den Behinderten(leistungs)sport aber auch im Rahmen einer gesellschaftlichen Diskussion um eine zunehmende Bedeutung des Themas Inklusion zu sehen und zu führen.
Insgesamt bietet der Sammelband einen interessanten, informativen und wichtigen Ein- und Überblick und regt zum weiteren Diskurs sowohl unter wissenschaftlichen, juristischen wie auch sportpraktischen Aspekten an.
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| Schlagworte: | |
|---|---|
| Notationen: | Theorie und gesellschaftliche Grundlagen Naturwissenschaften und Technik Parasport |
| Sprache: | Deutsch |
| Veröffentlicht: |
Stuttgart
Richard Boorberg Verlag
2015
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| Schriftenreihe: | Recht und Sport, 44 |
| Seiten: | 65 |
| Dokumentenarten: | Buch |
| Level: | hoch |