Optimierung der inter- und intramuskulären Koordination bei maximaler Kraftentfaltung durch Imagination von Muskelkontraktionen
Unter leistungssportlicher Perspektive interessiert, ob ein hochintensives Krafttraining (IK) durch IMC (Imagination maximaler Muskelkontraktionen)-Training (zumindest teilweise) ersetzt werden kann. Die Trainingsstudie verfolgte das Ziel, verschiedene Kombinationen von physischem und mentalem KT zu untersuchen und mit "klassischem" KT sowie einer Kontrollbedingung zu vergleichen. Darüber hinaus wurde der Frage nachgegangen, ob hierbei Unterschiede zwischen ein- und mehrgelenkigen Kraftübungen bzw. zwischen den oberen und unteren Extremitäten bestehen.
Methode
An der neunwöchigen Trainingsstudie nahmen insgesamt 44 Versuchspersonen (Vpn; 21 w, 23 m) im Alter zwischen 20 und 30 Jahren (M = 22.7 Jahre, SD = 2.3 Jahre) teil. Die Probanden waren überwiegend Sportstudierende, die in der Mehrzahl mindestens schon einmal über einen längeren Zeitraum ein sportliches Krafttraining durchgeführt hatten. Entsprechend einer leistungssporttypischen Periodisierung wurde dem eigentlichen Treatment eine 4-wöchige Hypertrophiephase vorangestellt. Alle Vpn waren in der Lage, kinästhetische Aspekte von Bewegungshandlungen zuverlässig vorzustellen. Es wurden vier Bedingungen miteinander verglichen, die sich im prozentualen Anteil mentaler Ausführungen (M75, M50, M25, M0) unterschieden. Die Vpn absolvierten über vier Wochen (12 Einheiten) ein Training mit maximalen isometrischen Kontraktionen. Beim physischen Training wurden in jeder Trainingseinheit mit beiden Übungen vier Serien mit zwei maximalen Kontraktionen (5 s Dauer) durchgeführt. Die Pause zwischen den einzelnen Kontraktionen betrug 10 s und zwischen den Serien 90 s. Beim IMC-Training wurden die Kraftentfaltungen mit gleicher Wiederholungszahl aus der Erste-Person-Perspektive (kinästhetische Vorstellung) lebhaft imaginiert. Die Gruppen wurden anhand der Vortestleistung parallelisiert. Als abhängige Variable wurde die isometrische Maximalkraft in einem Vortest und zu zwei Nachtests (nach einem Tag; nach einer Woche) erhoben. Es wurden vier im sportlichen Krafttraining verwendete Übungen getestet, die sich hinsichtlich der trainierten Extremität (oben vs. unten, o/u) und dem Komplexitätsgrad (ein- vs. mehrgelenkig, e/m) unterscheiden: Armstrecken [o,e], Bankdrücken [o,m], Fersenheben [u,e], Beinpresse [u,m]. Jeweils die Hälfte jeder Gruppe trainierte die beiden mehrgelenkigen, die andere Hälfte die beiden eingelenkigen Übungen. Die nicht trainierten Übungen wurden ebenfalls getestet und dienten als Kontrollbedingung (CO). In der Hypertrophiephase wurden die identischen Übungen allerdings mit dynamischen Ausführungen trainiert, wobei mit submaximalen Kontraktionen bis zur Erschöpfung gearbeitet wurde. Das Training und die Erfassung der isometrischen Maximalkraft erfolgten an Standardkraftgeräten, bei denen über ein Zugsystem isometrische Arbeitsbedingungen realisiert Optimierung der inter- und intramuskulären Koordination bei maximaler Kraftentfaltung werden können. Der maximale Kraftwert wurde aus den mit einem Dehnungsmessstreifen aufgezeichneten Kraft-Zeit-Verläufen bestimmt. Zu den Testterminen wurden im Anschluss an ein standardisiertes Aufwärmen bei jeder der vier Übungen zwei maximale Kontraktionen von 5 s Dauer erfasst, wobei die Pause zwischen den Kontraktionen 90 s betrug. Die Reliabilität der Maximalkrafttestungen war sehr gut. Die Korrelationen zwischen den Testzeitpunkten sind allesamt sehr hoch.
Ergebnisse
43 Vpn absolvierten Vortest und ersten Nachtest, von 34 Vpn liegen auch Ergebnisse zum zweiten Nachtest vor. In Abbildung 1 sind die prozentualen Zugewinne der Maximalkraft für die Gruppen sowie die Kontrollbedingung (CO) dargestellt, wobei die Werte für die einfachen und komplexen Testübungen aus Übersichtsgründen zusammengefasst sind. Die Standardabweichungen innerhalb der Gruppen liegen zwischen 8.4 % (M75) und 10.5 % (M0).
Die rein physisch trainierende Gruppe (M0) erreicht zu beiden Nachtests die größten Kraftgewinne. Vom Vor- zu den Nachtests steigert M0 die Maximalkraft um 5.1 % bzw. 9.4 %. Bei den Gruppen mit mentalen Trainingsanteilen (M25, M50, M75) sind die Zugewinne geringer (von 2.6 % bis 4.4 %), jedoch größer als unter der Kontrollbedingung (- 0.2 % bzw. 1.0 %). Einfaktorielle Varianzanalysen (Faktor "Bedingung") werden sowohl bezogen auf die Differenz zwischen Vor- und Nachtest 1 (F(4,168)= 2.66, p = .034) als auch auf die Differenz zwischen Vor- und Nachtest 2 (F(4, 134)= 3.45, p = .010) signifikant. Kontrastiert man die Gruppen mit mentalen Anteilen (M25, M50, M75) gegen die Gruppe M0, so finden sich bezogen auf die Veränderung vom Vortest zum ersten Nachtest keine signifikanten Unterschiede (p > .41). Die entsprechenden Kontraste gegen die Kontrollbedingung werden dagegen für die Gruppen M0, M25 und M50 signifikant (p = .018, p = .038 bzw. p = .050). Bezogen auf den Vergleich zwischen Vortest und zweiter Nachtest zeigen die Kontraste mit der Gruppe M0 signifikante (M25: p = .028) sowie tendenzielle Veränderungen (M50: p = .075; M75: p = .060).
Der Vergleich der Kraftzugewinne zwischen ein- und mehrgelenkigen Übungen zeigt zu keinem der beiden Nachtests bedeutsame Unterschiede (p = .92 bzw. p = .56). Gleiches gilt für die Gegenüberstellung von oberer und unterer Extremität (p = .50 bzw. p = . 92).
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| Schlagworte: | |
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| Notationen: | Trainingswissenschaft Biowissenschaften und Sportmedizin |
| Veröffentlicht in: | BISp-Jahrbuch Forschungsförderung 2005/06 |
| Sprache: | Deutsch |
| Veröffentlicht: |
Bonn
2005
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| Online-Zugang: | http://www.bisp.de/SharedDocs/Downloads/Publikationen/Jahrbuch/Jb_200506_Artikel/Munzert.pdf?__blob=publicationFile |
| Seiten: | 155-159 |
| Dokumentenarten: | Buch |
| Level: | hoch |