Zum Einfluss maximaler und submaximaler Trainingsbelastungen auf die Veränderung der Relativkraft und die Wiederholungszahl bei submaximalen Lasten
Die Forschungshypothese ging neben der Veränderung der Relativkraft auch von einer differenzierten Ausprägung dieser Veränderung in Abhängigkeit von der Trainingsmethode aus. Die Überlegung hierbei ging von einer vergleichbaren Absolutkraftzunahme beider Methoden aus, welche in Relation zum Körpergewicht (Relativkraft) durch die Zunahme der Muskelmasse beim Hypertrophie-Training geringer ausfallen müsste. Darüber hinaus wurde eine Veränderung der maximalen Wiederholungszahl auf definierten submaximalen Intensitätsstufen vermutet. Diese Annahme stützt sich auf die Ergebnisse der Studie von ANDERSON/KEARNEY (1982), in der bei einer geringen Intensität (40%) eine Reduktion der Wiederholungszahl bei hohen Lasten festgestellt wurde. Es konnte gezeigt werden, dass beide Trainingmethoden eine Zunahme der relativen Maximalkraft bewirkten. Die Ausprägung des Zuwachses schien zwar methodenspezifisch unterschiedlich zu sein, jedoch ist hierbei zu beachten, dass die Relativkraftwerte der Gruppen im Vortest unterschiedlich waren. Der stärkere Zuwachs bei der IK-Gruppe könnte also auch auf das niedrigere Ausgangsniveau zurückgeführt werden. Darüber hinaus konnte die unterschiedliche Ausprägung nicht mit einer Muskelmassenzunahme in Verbindung gebracht werden, da sich die Körpermasse der Probanden in beiden Gruppen kaum veränderte. Somit unterschieden sich also bereits die Absolutkraftzuwächse der Gruppen voneinander. Die Veränderungen bei den Wiederholungszahlen stehen zwar im Widerspruch zur ursprünglichen Annahme, sie könnten jedoch auf die Bedeutung koordinativer Adaptationen hinweisen. Somit nahm die Wiederholungszahl bei der Intensität 90 % in der IK-Gruppe zu, während sie bei der Hypertrophie-Gruppe abnahm. Hierbei ist festzuhalten, dass 90 % der konzentrischen Maximalkraft in etwa dem Trainingsgewicht der IK-Gruppe entsprach, wohingegen die Hypertrophie-Gruppe mit einer geringeren Intensität trainierte. Diese Intensität wurde in den Tests nicht berücksichtigt, da sie in der ursprünglichen Fragestellung von untergeordneter Bedeutung war. Die vorliegende Studie lässt aufgrund ihrer Ergebnisse Anknüpfungsmöglichkeiten zur weiteren Erforschung des bearbeiteten Themenkomplexes zu. Da sich bisher nur sehr wenige Untersuchungen mit einer Veränderung von Wiederholungszahlen durch Training beschäftigt haben, besteht in dieser Thematik weiterhin Aufklärungsbedarf. Dabei interessieren vor allem auch diejenigen Sachverhalte, die den Abbruch bei Wiederholungstests bewirken (bspw. metabolische, neuromuskuläre, kognitive Faktoren und Persönlichkeitseigenschaften).
Aufgrund der Erkenntnisse bezüglich der intensitätsabhängigen Ausschöpfung unterschiedlicher Energiebereitstellungssysteme im Bereich des Ausdauertrainings, ist auch im Krafttraining zu vermuten, dass ein Abbruch bei derartigen Wiederholungstests in unterschiedlichen submaximalen Intensitätsbereichen auf die Ausschöpfung unterschiedlicher Ressourcen zurückzuführen ist.
Darüber hinaus wäre es interessant, neurophysiologische Aspekte der Ermüdung zu erforschen (vgl. OLIVIER 1996).
Von hohem Interesse sind ebenso weiterführende Untersuchungen zur Bedeutung koordinativer Adaptationen für das Kraftverhalten. Dass Anpassungen auf dieser Ebene erhebliche Auswirkungen haben können, wurde mehrfach nachgewiesen (KIBELE 1998; RUTHERFORD/JONES 1986; SALE 1994). Inwieweit diese Anpassungen allerdings das Verhältnis zwischen Intensität und Wiederholungszahl beeinflussen könnten, wird in den genannten Studien nicht deutlich. In der vorliegenden Untersuchung wäre hinsichtlich dieser Frage ein Vortest-Nachtest-Vergleich zur maximalen Wiederholungszahl im Intensitätsbereich des durchgeführten Hypertrophie-Trainings aufschlussreich gewesen. Im Rahmen einer weiteren Studie könnte dieser Vorschlag berücksichtigt werden.
Beispielsweise könnte das Design der vorliegenden Untersuchung übernommen werden, wobei jedoch bei den Tests zusätzlich der Intensitätsbereich des Hypertrophie-Trainings (etwa 70-75 % der konzentrischen Maximalkraft) überprüft wird. Würde hierbei die maximale Wiederholungszahl in der Hypertrophie-Gruppe zunehmen und in der IK-Gruppe unverändert bleiben bzw. abnehmen, so wäre dies eventuell ein Beleg für eine mögliche koordinative Adaptation. Um diesen Beleg zu erhärten, könnte man in einer solchen Studie eine weitere Experimentalgruppe hinzuziehen, welche ein Kraftausdauer-Training (d.h. deutlich geringere Intensitäten und höhere Wiederholungszahlen) absolviert. Man hätte somit drei Experimentalgruppen (IK-Gruppe, Hypertrophie-Gruppe, Kraftausdauer-Gruppe), die jeweils unterschiedliche Trainingsprogramme absolvieren, die aber denselben Vortest und Nachtest durchliefen. Es würde genügen, wenn in diesen Tests neben der Maximalkraft die Intensitätsbereiche der drei Experimentalgruppen überprüft werden. Das vermutete Ergebnis wäre nun, dass die maximale Wiederholungszahl im trainingsspezifischen Intensitätsbereich zunehmen würde, während in den beiden übrigen Intensitätsbereichen keine nennenswerte Veränderung (möglicherweise sogar eine Abnahme) auftreten würde.
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| Schlagworte: | |
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| Notationen: | Trainingswissenschaft |
| Sprache: | Deutsch |
| Veröffentlicht: |
2000
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| Online-Zugang: | https://docplayer.org/16369526-Zum-einfluss-maximaler-und-submaximaler-trainingsbelastungen-auf-die-veraenderung-der-relativkraft-und-die-wiederholungszahl-bei-submaximalen-lasten.html |
| Seiten: | 102 |
| Dokumentenarten: | Diplomarbeit |
| Level: | hoch |