Effekte eines systematischen Trittfrequenz-Trainings auf zentralnervale und muskuläre Aktivität sowie Leistungsfähigkeit im Radsport
Eine Adaptation der zentralnervalen oder der peripheren muskulären Aktivität durch die Trainingsintervention konnte weder für das Hochnoch für das Niedrigfrequenztraining eindeutig nachgewiesen werden. Die aus vorhergegangenen Untersuchungen generierte Hypothese eines umgekehrt U-förmigen Verlaufs der zentralnervalen Aktivität konnte nicht eindeutig bestätigt werden. Tendenziell deuteten die Ergebnisse jedoch eher auf ein im Belastungsverlauf frühes Ansteigen der zentralnervalen Aktivität (mit Peak nach bereits 10 min) mit einer anschließend allmählich abflachenden Kurve hin. Dies konnte jedoch nicht statistisch belegt werden. Zwischen den Verläufen der zentralnervalen Aktivität (EEG) und der im EMG gemessenen peripheren Muskelaktivität ergaben sich keine statistischen Zusammenhänge. Es kann damit nicht von einer Synchronizität muskulärer und zentralnervaler Aktivität im Belastungs- und Ermüdungsverlauf ausgegangen werden. Hierzu liegen bisher noch keine Ergebnisse anderer Untersuchungen vor. Eine eindeutige Überlegenheit eines der beiden Trittfrequenzparadigmen konnte an dieser Stelle nicht festgestellt werden. Die ausbleibenden signifikanten Veränderungen der zentralnervalen und muskulären Aktivität könnten möglicherweise damit zusammenhängen, dass die Leistungsunterschiede im Prä-Posttest- Vergleich nicht groß genug bzw. zum Teil nur auf eine Gewichtsreduktion der Probanden - und nicht auf eine tatsächliche Leistungssteigerung - zurück zu führen waren. Ludyga et al. (2016) konnten bei einem mittleren Unterschied der relativen VO2max von 9.2ml/ min/kg einen Unterschied im alpha/beta-Verhältnis nachweisen. In der vorliegenden Untersuchung verbesserte sich die HFG jedoch nur um 2.68ml/min/ kg, während die NFG sogar unverändert blieb. Diese Effekte reichten möglicherweise nicht aus, um zentralnervale Anpassungen zu provozieren. Die geringe Wirksamkeit des angebotenen Trainings könnte auf zwei mögliche Ursachen zurück zu führen sein. Zum einen wurden Probanden mit einem wöchentlichen Trainingspensum von 6-12 Stunden eingeschlossen. Der gute Trainingszustand der Probanden vor der Intervention führte möglicherweise zu abgeschwächten Effekten des Trainingsprogramms. Zum anderen ist ein variables Intervalltrainingsprogramm mit Trittfrequenzen von 60U/min bis zum Maximum unter Vorgabe dezidierter Trainingsbereiche (Herzfrequenz) nur schwer im Feld umsetzbar, da Umwelteinflüsse (u. a. Verkehr, Wind/Wetter, Streckenprofil) unberechenbare Störfaktoren bilden. Des Weiteren unterliegen sowohl EEG- als auch EMG-Daten auch bei hoher Standardisierung traditionell größeren interindividuellen Schwankungen. Diese fielen hier aufgrund der geringen Probandenzahl stärker ins Gewicht und verhinderten möglicherweise das Erkennen tatsächlich vorhandener Zusammenhänge. Zukünftige Untersuchungen mit größeren Stichproben und einem Training unter kontrollierten (Labor-)Bedingungen könnten interindividuelle Schwankungen abpuffern und ggf. für weitere aufschlussreiche Ergebnisse sorgen. (vom Autor übern. gek.)
© Copyright 2018 BISp-Jahrbuch Forschungsförderung 2016/17. Veröffentlicht von Sportverlag Strauß. Alle Rechte vorbehalten.
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| Notationen: | Trainingswissenschaft Ausdauersportarten |
| Veröffentlicht in: | BISp-Jahrbuch Forschungsförderung 2016/17 |
| Sprache: | Deutsch |
| Veröffentlicht: |
Hellenthal
Sportverlag Strauß
2018
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| Online-Zugang: | http://my.page2flip.de/2895682/14185088/14185117/html5.html#/140 |
| Seiten: | 139-145 |
| Dokumentenarten: | Artikel |
| Level: | hoch |