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Radfahrsportliche Fahrtechnik bei unterschiedlichen technomotorischen Belastungen

(Cycling technique with varying techno-motor load)

Die untersuchten Radsportler unterscheiden sich von Nicht-Radsportlern nicht nur dadurch, daß bei gleicher laktazider Belastung etwa 30% mehr Leistung erbracht werden, sondern sie erreichen hierbei mit einer Gesamteffektivität von 50% einen um 10% höheren Wert als die Untrainierten (Abb. 1). Zu anderen Ergebnissen kam Sanderson bei einer Untersuchung, bei der auf den Belastungsstufen 100 W und 235 W, die bei jeweils 60 U/min, 80 U/min und 100 U/min geleistet wurden, keine Unterschiede in der Effektivität der Tretbewegung von Radsportlern und Nicht-Radsportlern festgestellt wurde. Als mögliche Gründe hierfür werden dort eine zu unspezifische Probandenauswahl und eine möglicherweise nur unterschwellige und damit radsportunspezifische Belastung der Radsportler genannt. Nach den vorliegenden Ergebnissen unterscheidet sich die Fahrtechnik von Radsport-lern und Nicht-Radsportlern vor allem dadurch, daß in der sog. Zugphase der Tretbewegung, also der Phase, in der das Pedal sich aufwärts bewegt, bei Radsportlern eine stärkere Entlastung des Pedals stattfindet und hier weniger aktive Kraft bzw. Gewichtskraft entgegen der Kurbeldrehrichtung einwirkt. Bei hoher Leistung ist der Effekt einer besseren Pedalentlastung in der Zugphase zu verzeichnen, was auch von anderen Untersuchern beschrieben wird. Die Einflüsse von Tretfrequenz und zu erbringender Leistung auf die Gesamteffektivität können nicht unabhängig voneinander gesehen werden. Zudem verhalten sich bei unterschiedlichen Tretfrequenzen verschiedene biomechanische Parameter der radsportlichen Fahrtechnik gegensinnig. Bei höheren Belastungen wird eine steigende, bei höheren Tretfrequenzen eine sinkende Gesamteffektivität beobachtet, was von anderen Untersuchern ebenfalls beschrieben wurde. Überdies läßt sich aufgrund der vorgestellten Ergebnisse festhalten, daß der vermindernde Einfluß hoher Tretfrequenzen auf die Gesamteffektivität geringer ausfällt, falls eine hohe Leistung zu erbringen ist. Hohe Tretfrequenzen und hohe Leistungen führen grundsätzlich zu größeren Lenker- und Rahmenbewegungen (Abb. 2, Abb. 3). Hohe Tretfrequenzen führen aber im Vergleich mit niedrigen Tretfrequenzen bei hoher Belastung zu relativ geringeren Rahmenneigungen und Lenkbewegungen, d. h., die "Unruhe" innerhalb des Systems Rennrad-Radsportler ist geringer. Unter Umständen ist auch hierin ein Grund für die Akzeptanz hoher Tretfrequenzen mit vergleichsweise geringerem Wirkungsgrad bei Radsportlern zu sehen. Große Rahmenneigungen und Lenkbewegungen, verursacht durch niedrige Tretfrequenzen, die den Normalradfahrer bei seinen Kurzstreckenfahrten außer unter verkehrssicherheitstechnischer Sicht nicht beeinträchtigen, könnten beim hochtrainierten Radsportler auf seinen oft über Stunden währenden Trainings- und Wettkampffahrten durchaus irritabel wirken.
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Bibliographic Details
Subjects:
Notations:technical and natural sciences endurance sports
Language:German
Published: 1997
Online Access:http://134.147.225.46/spomed/biomechanik/technomotorik/index.htm
Document types:research paper
Level:advanced