Einfluss von logopädischem versus gerätegestütztem Atemtraining auf die Leistungsfähigkeit beim Radfahren
Die primäre und auxilläre Atemmuskulatur unterliegt den gleichen Anpassungserscheinungen wie die übrige quergestreifte Skelettmuskulatur. Somit lassen sich auch die Kraft und Ausdauer der Atemmuskulatur mit einem spezifischen Atemmuskeltraining (RMT, respiratory muscle training) verbessern. Als Transfer ist eine gesteigerte sportliche Ausdauerleistung zu beobachten, sowohl beim Untrainierten als auch beim Trainierten. Das RMT erfolgt in der Regel mittels sogenannten Atemwiderstandsgeräten (RTD, respiratory training device), wobei je nach Modell in- und/oder exspiratorisch gegen einen Widerstand geatmet wird bzw. ein vorgegebenes Atemzugvolumen bei festgelegter Atemfrequenz erreicht werden soll (isokapnische Hyperventilation).
Ziel der vorliegenden Untersuchung war es, den Einfluss eines logopädischen RMTs versus gerätegestütztem RMTs auf die 40 km Zeitfahrleistung (40-km-TT) auf dem Fahrradergometer zu untersuchen. Für die Studie wurden 31 ambitionierte Radsportler (VO2peak 55,9 ± 6,8 ml/min/kg) rekrutiert und randomisiert in eine logopädische (LOGO: n = 10), eine gerätegestützte (RTD: n = 11) Trainingsgruppe und eine Kontrollgruppe (CG: n = 10) eingeteilt. Das RMT erstreckte sich über vier Wochen bei täglich zwei RMT-Einheiten. Die RTD-Gruppe atmete zweimal 25 maximale Atemzüge mit dem Atemtrainingsgerät, LOGO trainierte zweimal 5 min mit logopädischen Übungen. Zur Quantifizierung der Ausdauerleistungsfähigkeit wurden während des 40-km-TT die folgenden Parameter erhoben: Fahrzeit, Wattleistung, ventilatorische Parameter, Blutlaktat, Herzfrequenz und subjektives Belastungsempfinden. Die LOGO-Gruppe verbesserte sich nach der RMT-Intervention im TT um 4,4% bzw. 2,6 ± 2,5 min. Die Ergebnisse unterschieden sich jedoch nicht signifikant von RTD (0,4%) und CG (0,9%). Eine Korrelationsanalyse zeigte, dass die Leistungs- (r = 0,843, p < 0,001) und Trittfrequenzverläufe (r = 0,754; p < 0,001) zwischen Vor- und Nachtest signifikant miteinander korrelieren und keine Gruppenunterschiede bestehen. Somit können große Einflussfaktoren durch Lerneffekte des selbstgesteuerten TT weitestgehend ausgeschlossen werden. Die Leistungszunahme der LOGO-Gruppe konnte weder durch eine Veränderung der ventilatorischen noch der metabolischen Parameter erklärt werden. Deshalb ist davon auszugehen, dass die Verbesserung auf eine Ökonomisierung der Atemmuskulatur und somit eine mögliche verbesserte Sauerstoffversorgung der arbeitenden Muskulatur zurückzuführen ist. Zwei aktuelle Metaanalysen von Illi et al. (2012) und HajGhanbar et al. (2013) belegen, dass Sportler insbesondere in Sportarten mit einer hohen Beanspruchung des ventilatorischen Systems von einem RMT profitieren können. Dieser Benefit in der Leistung war aber nicht in allen Studien durch eine Verbesserung der absoluten VO2max oder anderen metabolischen Parametern wie Laktat erklärbar. Die vorliegende Studie hat zum ersten Mal gezeigt, dass auch ein professionell angeleitetes logopädisches RMT positive Effekte auf die sportliche Leistungsfähigkeit hervorrufen kann und bestätigt die in der Literatur beschriebene Unabhängigkeit von der Sauerstoffaufnahme.
© Copyright 2016 29. & 30. Internationales Triathlon-Symposium Niedernberg 2014/Niedernberg 2015. Veröffentlicht von Feldhaus, Ed. Czwalina. Alle Rechte vorbehalten.
| Schlagworte: | |
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| Notationen: | Ausdauersportarten Biowissenschaften und Sportmedizin |
| Veröffentlicht in: | 29. & 30. Internationales Triathlon-Symposium Niedernberg 2014/Niedernberg 2015 |
| Sprache: | Deutsch |
| Veröffentlicht: |
Hamburg
Feldhaus, Ed. Czwalina
2016
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| Schriftenreihe: | Triathlon und Sportwissenschaft, 26 |
| Seiten: | 83-99 |
| Dokumentenarten: | Artikel |
| Level: | hoch |