Schwarzbuch Doping. Methoden, Mittel, Machenschaften

Das von vier Medizinern verfasste Schwarzbuch Doping stellt heraus, dass Doping nicht nur ein Phänomen des Hochleistungssports, sondern des gesamten Sports ist. Es handelt sich offenbar um ein gesamtgesellschaftliches Problem, dessen vollständige Lösung nicht umsetzbar zu sein scheint. Zu stark sind die Verflechtungen und zu schwach die Nachweismethoden und die Sanktionen. Doping scheint auch gesellschaftliche Prozesse zu spiegeln - je mehr der Leistungsgedanke betont wird, desto leichter fällt der Weg zu illegalen Methoden, Ethik spielt dann keine Rolle mehr. Die Autoren vertreten die Auffassung, dass sich in Anbetracht der derzeitigen Situation der internationale Sport wahrscheinlich im Hinblick auf die Dopingproblematik zwiespältig entwickeln wird. Während die "Industrienationen" wahrscheinlich bestimmte Formen des Dopings in den Griff bekommen können, fehlen in den sogenannten Entwicklungs- und Schwellenländern der Wille und die finanziellen Möglichkeiten für ein engmaschiges Kontrollsystem. Da die Mittel und Methoden des Mißbrauchs allen gleichermaßen zur Verfügung stehen, ist die Größe der aufkommenden Dopingprobleme schwer abzuschätzen. Die Autoren halten es sogar für möglich, dass internationale Sportveranstaltungen wie die Olympischen Spiele vollkommen an Bedeutung verlieren, weil sie zunehmend Ort des politischen Disputs bezüglich Doping werden. Gleichzeitig sehen sie jedoch auch einige positive Ansätze zur erfolgreichen Dopingbekämpfung, wobei sie den vielversprechendsten Ansatzpunkt in der Arbeit mit Kindern sehen. Es sollte im Alter von 10-11 Jahren damit begonnen werden, in Schulen den Kindern und Jugendlichen mit adäquaten Maßnahmen und Methoden zu vermitteln, was Doping ist, welche Wirkungen es hat und wie die Folgen sind. Dabei kann es pädagogisch sinnvoll sein, Dopingopfer/ehemalige Doper als Multiplikatoren einzusetzen. Diese können plastisch von ihren negativen Erfahrungen berichten. Dabei sollten Eltern, Kinder und Trainer gleichermaßen involviert werden. Eltern müssen wieder bereit sein, ihre Kinder, ohne Bedenken in Hinsicht auf Doping, auf Sportschulen zu schicken. Im Literaturverzeichnis werden zahlreiche Quellen angeführt, die in dieser Konzentration durchaus geeignet sind, die pessimistischen Worte des renomierten Sportmediziners Wildor Hollmann, den die Autoren an Stelle eines Schlußwortes zitieren, zu untermauern, für den "der Spitzensport klassischer Art am Ende ist".
© Copyright 2015 Veröffentlicht von Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft. Alle Rechte vorbehalten.

Bibliographische Detailangaben
Schlagworte:
Notationen:Biowissenschaften und Sportmedizin Theorie und gesellschaftliche Grundlagen
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Berlin Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft 2015
Seiten:188
Dokumentenarten:Buch
Level:hoch