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Der friedliche Krieger. Budo als Methode der Gewaltprävention

Destruktiv-aggressives Verhalten in verschiedenen Lebensbereichen gehört zunehmend zur Erfahrungswelt von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Dies trifft sowohl auf die passive Rezeption am Fernseher und vor dem Computerbildschirm zu, als auch auf die Bereiche des aktiven Erlebens in der Schule, Freizeit oder im Beruf. Im vorliegenden Sammelband stellen sich die Autoren die Frage, ob der gezielte Einsatz von Budo-Methoden dieses "Gewaltpotential" präventiv reduzieren kann. Auch wenn es vielleicht eingangs als paradox erscheinen kann, mit Kampfkünsten und Kampfsport Gewalt bekämpfen zu wollen, werden doch in den Beiträgen sehr unterschiedliche und erfolgreiche Ansätze vorgestellt, um Judo und Karate in der Gewaltprävention zu nutzen. Dabei wird bewusst der Orientierungsschwerpunkt auf die charakterbildenden Elemente eines Budotrainings ab und die positiven Wirkungen, die das Verstehen und Respektieren von Leitbildern wie Höflichkeit und Selbstdisziplin und des Gegners mit sich bringen. Der Hauptinhalt dieses Weges ist nicht die Bekämpfung eines Gegners, sondern der Versuch, ein "besserer Mensch" dadurch zu werden, dass man den Feind in sich selbst bekämpft. Die Beiträge weisen sehr unterschiedliche Perspektiven auf, verdeutlichen jedoch immer wieder die Potenzen im Rahmen der Gewaltprävention, die von den asiatischen Kampfkünsten ausgehen können. Sie unterstreichen die bedeutsame Rolle, die Trainer oder Sportlehrer (im Verständnis des Budo die Meister) in diesem Prozeß einnehmen, verweisen auch auf manches Problem- bzw. Gefahrenfeld. Interessant ist die thematische Breite, in der kampfsporttypische Fragen unter dem Blickwinkel Gewaltprävention aufgeworfen werden bzw. in der bereits praktische Erfahrungen vorliegen. So befassen sich Beiträge mit dem Berufsfeld der Budo-Pädagogik, werden praktische Projekte aus dem Sound-Karate präsentiert, wird die Frage diskutiert, wie Kampfkunstunterricht in koedukative Konzepte im Schulsport für Mädchen Beachtung finden können oder stellt ein Praxisbeitrag die Erfahrungen mit den asiatischen Kampfkünsten in der Behindertenpädagogik vor.
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Bibliographische Detailangaben
Schlagworte:
Notationen:Kampfsportarten Sozial- und Geisteswissenschaften
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Marburg Schüren 2004
Seiten:208
Dokumentenarten:Buch
Level:hoch