Familie und Leistungssport
Die vorliegende Arbeit wurde im Jahr 2001 als Dissertation an der Universität Heidelberg angenommen. Sie widmet sich in sehr komplexer Weise mit den Bedingungen der Begleitung und Förderung sportlicher Karrieren von Kindern und Jugendlichen durch ihre Familien. Dabei wird das Wechselspiel zwischen Sport und Familie, die Inanspruchnahme und Gewährung von Leistungen beider Teile kritisch hinterfragt. Es zeigt sich, dass oftmals der leistungsorientierte Sport nicht in der Lage ist, ohne die Unterstützung der Eltern die sportlichen Aktivitäten der Kinder und Jugendlichen zu realisieren. Die Familien sind bereit, ihre "interne Organisation" sehr stark auf die Belange des Sports abzustellen und gegebenenfalls auch umzustellen. Die durch den Sport für die Familien angebotenen und erbrachten "Gegenleistungen" sind dahingegen eher überschaubar. Daraus entwickelt sich in vielen Fällen ein Ungleichgewicht an Unterstützungsleistungen, von dem primär der Sport profitiert.
Deutlich wird aber auch, dass es nicht ausschließlich positive Aspekte des Engagements von Familien für den Sport gibt. Die Kinder und Jugendlichen können sich einem, entweder durch die Familien entwickelten oder auch durch sie selbst empfundenen, Leistungsdruck ausgesetzt sehen, der negative Auswirkungen auf die sportliche Leistungsentwicklung haben kann. Außerdem kann ein für die Persönlichkeitsentwicklung der Kinder hilfreiches Gegengewicht ohne intensiven Bezug zum Sport verloren gehen, wenn sich im Familienleben alles nur noch um den Sport dreht.
Die Autorin verdeutlicht ebenfalls, dass bestimmte Mechanismen, mit denen Eltern Druck auf den Sport ausüben könnten, um Veränderungen zu provozieren, nicht funktionieren, da sich Familien dafür nur in Einzelfällen entscheiden. Der Sport weicht in diesen Fällen oftmals aus und orientiert sich in seinen Aktivitäten auf andere Kinder und Jugendliche.
Insgesamt entwirft die Autorin auf der Grundlage eines umfassenden Quellenstudiums zu den Teilfragen der Familie insgesamt in der Gesellschaft sowie der Position des Leistungssports in der Gesellschaft ein sehr facettenreiches Bild, das sich auf Befragungen von Familien und Sportlern aus den Sportarten Tennis, Gewichtheben, Leichtathletik und Rhythmische Sportgymnastik stützt..
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| Schlagworte: | |
|---|---|
| Notationen: | Sozial- und Geisteswissenschaften |
| Sprache: | Deutsch |
| Veröffentlicht: |
Schorndorf
2003
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| Ausgabe: | Schorndorf: Verlag Karl Hofmann, 2003.-347 S. (Reihe Sportsoziologie) |
| Schriftenreihe: | Reihe Sportsoziologie |
| Seiten: | 347 |
| Dokumentenarten: | Buch |
| Level: | mittel |