Rund um gesund? Die gynäkologische Gesundheit - ein nicht ausreichend berücksichtigter Aspekt in der Unterstützung von Leistungssportlerinnen

(All around healthy? Gynaecological health - an insufficiently considered aspect in the support of competitive athletes)

Hintergrund: Menstruationszyklusstörungen können bei Leistungssportlerinnen durch hohe körperliche Belastungen, mangelnde Regeneration, unzureichende Kalorienzufuhr und psychischen Stress oder Erfolgsdruck ausgelöst werden. Neben Blutungsstörungen berichten Leistungssportlerinnen oft unterschiedliche Symptomatik im Verlauf ihres Menstruationszyklus. Um Menstruationsschmerzen zu lindern, nutzen Leistungssportlerinnen unter anderem hormonelle Verhütungsmittel. Bislang liegen keine ausführlichen Daten über die gynäkologische Gesundheit von Leistungssportlerinnen in Deutschland vor. Methode: Insgesamt nahmen 332 Leistungssportlerinnen (19,7 ± 4,3 Jahre, 170,4 ± 4,3 cm, 60,8 ± 5,2 kg, 17,6 ± 6,3 Trainingsstunden/Woche, 9,0 ± 3,6 Einheiten/Woche) an einer umfassenden Online-Befragung zur gynäkologischen Gesundheit teil. Mithilfe der Befragung wurden medizinische Angaben zum Menstruationszyklus und der Nutzung hormoneller Verhütung erfasst. Ergebnis: Das durchschnittliche Menarchealter der Leistungssportlerinnen liegt bei 13,2 ± 1,5 Jahren. Davon leiden 46 % der Leistungssportlerinnen unter Dysmenorrhoe. Ein hormonelles Verhütungsmittel nutzen 35 % der Leistungssportlerinnen. Die häufigsten angegebenen Nutzungsgründe sind Verhütung (75 %), Planbarkeit der Regelblutung (34 %) und Linderung von Menstruationsschmerzen (15 %). Lediglich 13 % der Leistungssportlerinnen sehen keinen Nachteil in der Anwendung hormoneller Verhütungsmittel, während die hormonelle Belastung (48 %) und psychischen Nebenwirkungen (20 %) als häufigste Nachteile genannt werden. Bei Leistungssportlerinnen, die aktuell keine hormonelle Verhütung verwenden, blieb bei 70 % die Regelblutung mehr als fünf Wochen aus. Davon berichten sogar 46 % ein Ausbleiben der Regelblutung über mindestens drei Monate. In 47 % der Fälle war das während der Wettkampf- oder Trainingsphase. ›Schlussfolgerungen: Insgesamt haben 70 % der Leistungssportlerinnen verlängerte Menstruationszyklen. Besonders häufig treten Störungen des Menstruationszyklus in der Wettkampf- und Trainingsphase auf, die meist eine besondere hohe sportliche Belastung auszeichnet. Von den Leistungssportlerinnen nehmen 35 % ein hormonelles Verhütungsmittel aus Gründen der Verhütung, Planbarkeit der Regelblutung und Linderung von Menstruationsschmerzen. Insbesondere die Prävalenz der Menstruationszyklusstörungen deutet darauf hin, dass bei Leistungssportlerinnen die gynäkologische Gesundheit besonders berücksichtigt werden sollte und daher eine wichtige Rolle in der sportmedizinischen Betreuung spielen sollte.
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Bibliographic Details
Subjects:
Notations:biological and medical sciences
Published in:Deutsche Zeitschrift für Sportmedizin
Language:German
Published: 2023
Online Access:https://www.germanjournalsportsmedicine.com/archive/archive-2023/issue-4/scientific-abstracts/
Volume:74
Issue:4
Pages:109 Nr. 57
Document types:article
Level:advanced