Perspektiven und Grenzen der Beitragsfinanzierung von Sportvereinen - Eine Analyse zur Theorie und Empirie der Beitragselastizität im Sportverein
(Perspectives and limits of the contribution financing of sports clubs - An analysis of the theory and empiricism of contribution elasticity in sports clubs)
Verschiedene Entwicklungen (z. B. Rückgang der öffentlichen Sportförderung, demografischer Wandel, veränderte Sportnachfrage) können zu einem Rückgang der Einnahmen der Sportvereine führen, welche durch eine Erhöhung der Mitgliedsbeiträge kompensiert werden könnten. Die Mitgliedsbeiträge in deutschen Sportvereinen können bislang als moderat bezeichnet werden. Mögliche Reaktionen von Vereinsmitgliedern auf Beitragsänderungen sind bislang nahezu unerforscht. Das Ziel der Arbeit lag in der Prognose der Reaktionen von Mitgliedern auf Beitragserhöhungen mithilfe der Simulation von Beitragselastizitäten sowie in der Ermittlung von Determinanten der (relativen) Zahlungsbereitschaft. Hierfür wurde zunächst ein theoretisches Modell der Beitragselastizität im Sportverein entwickelt, welches auf der Haushaltstheorie von Becker (1965) und dem Konstrukt des Konsumkapitals basiert. Im Rahmen einer schriftlichen und elektronischen Befragung wurden aktive, erwachsene Vereinsmitglieder aus insgesamt 21 Sportarten (N=10.013) nach ihrer Zahlungsbereitschaft für den Mitgliedsbeitrag befragt, mit deren Hilfe Beitragselastizitäten simuliert wurden. Gemäß den sportartübergreifenden Befunden bezahlt das durchschnittliche Vereinsmitglied einen Mitgliedsbeitrag von durchschnittlich gut 148 € pro Jahr, wobei seine Zahlungsbereitschaft hierfür gut 100 % höher ist. Den ermittelten Beitragselastizitäten zufolge würden Vereinsmitglieder sportartübergreifend auf Erhöhungen des Mitgliedsbeitrags um bis zu 13 % elastisch (empfindlich) reagieren. Bei einer Erhöhung des Mitgliedsbeitrags um 14 % liegt eine isoelastische Nachfrage vor, welche bei Erhöhungen ab einschließlich 15 % in eine unelastische Nachfrage übergeht. Hierbei sind erhebliche sportartspezifische Differenzen zu beachten. Insgesamt betrachtet liegt die kritische Schwelle für Beitragserhöhungen zwischen 10 % und 25 %. Die regressionsanalytische Prüfung des theoretischen Modells zeigt, dass über alle Sportarten hinweg die Zahlungsbereitschaft signifikant von den Faktoren Einkommen, Sportausgaben, Anteil des Mitgliedsbeitrags an den gesamten Sportausgaben, Aktivenjahre, Leistungsniveau, Partizipationsumfang, Zufriedenheit und Identifikation bestimmt wird, wobei der Einkommenseffekt am stärksten ausfällt. Hier liegen ebenfalls sportartspezifische Unterschiede vor. Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass Vereinsmitglieder im Hinblick auf die entrichteten Mitgliedsbeiträge und geäußerten Zahlungsbereitschaften sehr heterogen sind. Sportvereine sollten mögliche Beitragserhöhungen angemessen kommunizieren und sportartspezifische Unterschiede berücksichtigen.
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| Notationen: | Organisationen und Veranstaltungen Sportgeschichte und Sportpolitik |
| Sprache: | Deutsch |
| Veröffentlicht: |
Köln
Deutsche Sporthochschule Köln
2009
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| Online-Zugang: | http://esport.dshs-koeln.de/115/ |
| Seiten: | 444 |
| Dokumentenarten: | Dissertation |
| Level: | hoch |