Sportwissenschaft als Kirche der Vernunft und ihre Gläubigen - die normativen Grundlagen wissenschaftlicher Rationalität

(Sports Science as the Church of Reason and its Believers - the Normative Foundations of Scientific Rationality)

In einer wissenschaftlichen Disziplin, die als angewandte Wissenschaft im kalten Krieg die Überlegenheit des jeweiligen Blocks symbolisch auf dem Felde des Sports ermöglichen und stützen sollte, war es von jeher schwierig, den Grundsätzen des Ethos der Forschung uneinge-schränkt und bedingungslos zu folgen. Diese Erwartungen der sogenannten Praxis an die universitäre Sportwissenschaft erhöhen im Konzert mit den zunehmenden Außensteuerungen der Universität die Chance, dass affirmative Befunde geliefert werden. In diesem Spannungsgeflecht reduziert eine strenge Orientierung an den CUDOS-Normen Mertons (1985) die Chancen auf affirmative Befunde, gleichzeitig aber ist auch die Chance auf innerwissenschaftliche Anerkennung im Verhältnis zu vielen anderen universitären Wissenschaftsdisziplinen reduziert. So existiert Sportwissenschaft in der Deutschen Forschungsgemeinschaft als eigene zu fördernde Disziplin gar nicht. Insofern ist eher die Verwendung der Zeit für den Konsum medialer Anerkennung bzw. der Anerkennung der sportlichen Praxis zu erwarten als vergleichsweise der Konsum von Zeit für die Produktion wissenschaftsinterner Anerkennung. Zwei Gründe begünstigen diesen Sachverhalt. Erstens entwickelt sich die universitäre Wissenschaft so, dass der Konsum externer Anerkennung zunehmend bedeutsamer wird, und zweitens haben Sportwissenschaftler häufig eine gewisse Nähe zum Gegenstand Sport, geraten also in der Balancierung von Nähe und Distanz tendenziell in Richtung Nähe, was wiederum durch die in der Disziplin als angewandter Wissenschaft angelegte Orientierung an der Praxis verstärkt wird.
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Bibliographic Details
Subjects:
Notations:sport history and sport politics social sciences theory and social foundations
Language:German
Published: Saarbrücken Europäisches Institut für Sozioökonomie e.V. 2014
Series:Diskussionspapiere des Europäischen Instituts für Sozioökonomie e. V., 10
Online Access:http://doi.org/10.22028/D291-23446
Pages:22
Document types:research paper
Level:advanced