Der nationale Leistungssport Südkoreas und dessen Entwicklungsbedingungen
Im Rahmen der Bewerbung um die Olympischen Spiele 1988 in Seoul wurde in Südkorea eine auf den Leistungssport fokussierte Sportpolitik entwickelt. Seit den Olympischen Spielen 1988 ist das Land modernisiert worden, und der Fokus der Sportpolitik hat sich auf lebenslange sportliche Aktivitäten verschoben. Hinter dieser Veränderung liegen Probleme, die sich aus der Betonung des Leistungssports ergaben. Dazu gehörten schwache akademische Bildungsleistungen von Spitzensportlern und Probleme in den Trainingsstätten. Mit Blick auf den Leistungssport wurde eine Politik betrieben, deren Ziele u. a. darin bestanden,
- die Unterstützung für Spitzensportler sowie das Entwicklungssystem für Sportler zu verbessern,
- die Popularität bisher unpopulärer Sportarten zu steigern und
- die Trainingsbedingungen durch die Erweiterung entsprechender Sportstätten zu verbessern. Im August 2013 erließ Präsident Park den Entwurf der Sport Vision 2018. Dieser Fünfjahresplan umfasst vier Strategien:
Die erste betrifft die Durchführung eines "bezahlbaren Sports". Ziel ist, die Beteiligung an sportlichen Aktivitäten in der Bevölkerung auf 60 % zu steigern.
Die zweite Strategie ist eine Reaktion auf die Tatsache, dass Südkoreas Gesellschaft immer älter wird, die Geburtenrate niedrig ist und die Zahl der Sportler geringer wurde. Mit Blick auf das Alter der Bevölkerung gleicht der Bevölkerungsbaum einer auf der Spitze stehenden Pyramide. Deshalb besteht das Ziel darin, einen Sport zu entwickeln, "der auf einem breiten Fundament steht". Ziel ist es, die Zahl der Erfolg versprechenden Sportler und der Nachwuchsleistungssportler von aktuell 2.550 auf 4.200 zu steigern. Innerhalb dieser, auf den Leistungssport ausgerichteten Strategie ist geplant, den Schulsport so aufzustellen, dass durch wissenschaftliche Unterstützung aus einer relativ kleinen Population talentierte Nachwuchssportler entwickelt werden können und dass das vorhandene leistungssportliche Wissen auch Verbreitung unter regionalen Sportlern an höheren Bildungseinrichtungen sowie in Sportvereinen von Wirtschaftsunternehmen findet. Zu diesem Zweck sollen regionale Sportzentren aufgebaut werden.
Die dritte Strategie stellt sich als Reaktion auf die niedrige Wettbewerbsfähigkeit der südkoreanischen Sportindustrie dar. Deshalb konzentriert sich diese Strategie auf "Sportarten, die die Wirtschaft beleben". Das passiert durch die Schaffung von Märkten, durch die Entwicklung von Geschäftsmöglichkeiten und durch andere Maßnahmen. Ziel ist die Steigerung des jährlichen Volumens der Sportindustrie von 27,6 Mio. €.
Die vierte Strategie ist die Reaktion auf aktuelle Korruptionsprobleme im koreanischen Sport. Um die Fairness im Sport systematisch zu gewährleisten, wird eine Fairnesskommission geschaffen.
Im Leistungssport hat Südkorea ein einzigartiges System des Sportrentensystems und der Freistellung vom Armeedienst geschaffen. Im Sportrentensystem ist es möglich, eine lebenslange Rente von bis zu 1 Mio. Won (am 01.10.2014 entsprach diese Summe 747 €) pro Monat zu erhalten. Zur Ermittlung der individuellen Rentensumme werden die Ergebnisse bei Olympischen Spielen, Asienspielen, Asienmeisterschaften und weiteren internationalen Wettkämpfen herangezogen. Hinzu kommt, dass männliche Sportler auch vom Militärdienst teilweise freigestellt werden können. Auch diese Freistellung wird auf der Grundlage von sportlichen Erfolgen bei internationalen Meisterschaften gewährt. Die Prioritäten der südkoreanischen Sportpolitik haben sich mit dem jeweiligen Präsidenten und dessen Vision-Programm verändert. Die aktuelle Periode ist eine Übergangsphase, in der sich ein Wechsel vom Spitzensport hin zu lebenslangen sportlichen Aktivitäten vollzieht. Allerdings bemüht sich das Korean Institute of Sport Science (KISS), eine beratende Einrichtung für die Sportpolitik, durch die Sammlung und Analyse von sportpolitischen Informationen aus verschiedenen Ländern dafür zu sorgen, dass es zu wohlausgewogenen Maßnahmen kommt, die sichern, dass die internationale Konkurrenzfähigkeit des Landes nicht beeinträchtigt wird.
© Copyright 2014 Zeitschrift für Angewandte Trainingswissenschaft. Meyer & Meyer Verlag. Alle Rechte vorbehalten.
| Schlagworte: | |
|---|---|
| Notationen: | Trainingswissenschaft Sportgeschichte und Sportpolitik Organisationen und Veranstaltungen Leitung und Organisation |
| Veröffentlicht in: | Zeitschrift für Angewandte Trainingswissenschaft |
| Sprache: | Deutsch |
| Veröffentlicht: |
2014
|
| Online-Zugang: | https://open-archive.sport-iat.de/sponet/ZATW_2014_02_141-171_Shirai.pdf |
| Jahrgang: | 21 |
| Heft: | 2 |
| Seiten: | 141-171 |
| Dokumentenarten: | Artikel |
| Level: | hoch |