Integration ehemaliger Spitzensportler in die Berufskarriere

(Integration of retired elite athletes into professional career)

Unsere Absicht war es, die Interessen und Bedürfnisse der Sportler zum Zeitpunkt der Neuorientierung denjenigen der Wirtschafts- und Arbeitswelt gegenüber zu stellen. Dank unserem Vorgehen, ausführliche, qualitative Interviews zu führen, konnten wir eine breite Gedankenwelt seitens der ehemaligen Sportler sowie der Wirtschaftsvertreter abdecken. Daraus ziehen wir folgende Schlüsse: Grosses Interesse an der Thematik Äusserst erfreulich war die Tatsache, dass sich jeder angefragte Athlet gerne für unser Projekt zu einem Interview zur Verfügung stellte. Alle Teilnehmer waren ausnahmslos von unserer Idee und Absicht begeistert. Auffallend war auch, dass fast alle Sportler gerne von ihren Erfahrungen aus der Sportwelt berichteten. Homogene Aussagen Unsere Befürchtung, dass wir zu wenig homogene Aussagen seitens der Spitzensportler erhalten würden, hat sich nicht bewahrheitet. Dies ist um so erfreulicher, da wir viele verschiedene Sportarten abdeckten. Dabei befragten wir sowohl Einzel- wie auch Mannschaftssportler, die heute in den verschiedensten Berufen tätig sind. Positive Erfahrungen Bezeichnend ist, dass diese "Aktiv-Phase" im Leben eines ehemaligen Sportlers nachhaltige, im Allgemeinen positive Spuren und Erinnerungen hinterlassen hat. Auf Grund der interessanten Erfahrungen, den sportlichen Erfolgen und der Freude an sportlicher Grenzerfahrung würden mit einer Ausnahme alle interviewten Sportler den selben Weg nochmals einschlagen. Die positiven Aspekte der Sportkarriere überwiegen die Entbehrungen und Einschränkungen während dem Sportlerdasein und die Probleme beim Wiedereinstieg in die Berufskarriere. Die Sportler sind mehrheitlich der Ansicht, dass sie durch ihr jahrelanges Engagement im Spitzensport keine Einbussen in ihrer Berufskarriere hinnehmen mussten. Deshalb sind sie mit ihrem bis heute erreichten beruflichen Status grösstenteils zufrieden. Allerdings könnte man hier einwenden, dass durch die gegebene Situation im Spitzensport nur diejenigen eine sportliche Karriere anstreben, die mit der insgesamt geringen Unterstützung zurecht kommen. Andere, vielleicht Keine Konzepte Enttäuscht wurden wir in unserer Erwartung, dass für ehemalige Sportler als zukünftige Leistungsträger in Unternehmen klare Konzepte für den Berufseinstieg angeboten werden. Die Personalleiter der befragten Unternehmen sehen dafür keinen Grund wegen zu kleiner Anzahl und weil die Sportler keine homogene Gruppe repräsentieren. Vielmehr zielen sie auf individuelle Lösungen, wo den ehemaligen Sportlern durch Teilzeitarbeit, Aus- und Weiterbildungen, Training on the Job, Praktikas und nicht zuletzt auch durch Integration im Team Unterstützung angeboten werden. Ehrlicherweise mussten wir diesem Argument zustimmen, zumal Spitzensportler noch in ihrer Aktivphase normalerweise keinerlei Kompromisse eingehen und immer voll auf den Sport setzen. Zudem stellen diese individuellen Lösungen, die grundsätzlich nur in einem sportinteressierten Umfeld angeboten werden sicher, dass die wichtige moralische Unterstützung des Sportlers im Arbeitsumfeld gewährleistet ist. Rollenwechsel Betrachten wir die Alltagserfahrungen von Menschen so neigen wir dazu, unser Leben innerhalb bestimmter Zeiträume zu planen und zu gestalten. Jeder Zeitraum kann sich dabei durch seine eigene Qualität und Inhalt in der entsprechenden Lebensphase auszeichnen. Unsere Zukunft wird deshalb offener aber auch risikoreicher, indem jedes Individuum sich mit dem schnellen Wandel auseinandersetzen muss. Diese Eigenheit unserer heutigen Zeit zwingt uns dazu, uns laufend auf die neuen Lebens- und Berufssituationen einzustellen. Dieser Umstand wird von der Gesellschaft als selbstverständlich akzeptiert. Die sogenannte Lebensstelle gibt es nicht mehr und zum Beispiel Absolventen früher stabiler Studiengänge, die in der Vergangenheit zu lebenslanger Beschäftigung führte, müssen heute zur Kenntnis nehmen, dass es keine berufliche Gewissheit mehr gibt. Der Arbeitnehmer macht somit in seinem Berufsleben mehrere Veränderungen in seiner beruflichen Ausrichtung durch, die mit der Übergangssituation von Sportlern an der Schwelle zum Berufsleben vergleichbar sind. Solche "Rollenwechsel" sind somit eine alltägliche Realität und der Spitzensportler kann deshalb keine Sonderstellung beanspruchen. Beratung von Sportlern Die Sportler äusserten ein klares Bedürfnis nach mehr Unterstützung in Form von Beratung während der Sportlerkarriere für einen erfolgreichen späteren Berufseinstieg. Dabei wäre z.B. eine unabhängige Vertrauensperson ohne Eigeninteressen eine ideale Unterstützung für eine optimale Karriere- und Berufsplanung. Der Verband dürfte auf Grund von Interessenkonflikten für diese Mentorenrolle nicht in Frage kommen. Grundsätzlich konnten wir feststellen, dass die ehemaligen Spitzensportler wenig Vertrauen in ihre Sportverbände haben. Wir empfehlen deshalb (dies wurde auch von Sportlerseite angeregt), dass ehemalige Spitzensportler eine Beratungsfunktion übernehmen, da sie dank ihrer eigenen Erfahrungen die geeigneten Ansprechpartner sind. Von allen angesprochenen möglichen Hilfestellungen scheint eine kompetente Beratung für Sportler die Wichtigste zu sein. Diese sollte aber möglichst früh einsetzen, damit der Sportler im Wissen von Chancen und Risiken selbstverantwortlich seine Entscheidungen treffen kann. Zum Abschluss nochmals einige Stimmen, die unser Fazit untermauern: "Der Staat müsste eigentlich die Initialzündung geben, damit ein geeignetes System professionell aufgezogen werden könnte (Schule - Beruf - Spitzensport)." "Sportschulen mit Abschluss einer Eidgenössischen Maturität müssten möglich werden." "Wir haben kein konkretes Konzept - dafür ist das Mengengerüst zu klein!" "Ich würde nochmals den selben Weg einschlagen!" "Es wäre wünschenswert, wenn die Sportler- und die Berufskarriere parallel verlaufen könnte."
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Bibliographic Details
Subjects:
Notations:social sciences
Tagging:Karriereende Karriereplanung
Language:German
Published: 2001
Online Access:http://www.a-und-u.ch/fachartikel.pdf
Document types:diploma work / thesis
Level:advanced