(Das Doping minderjähriger Sportler. Eine straf- und verbandsrechtliche Untersuchung)
Der Einsatz von Dopingsubstanzen und -verfahren widerspricht grundsätzlich dem Leitgedanken es fairen und durch Chancengleichheit geprägten Sports. Dies gilt grundsätzlich und für alle Leistungs- und Altersklassen. Wenn Doping aber an minderjährige Kinder und/oder Jugendliche verabreicht wird, muss davon ausgegangen werden, dass diese durch ihr sportliches oder auch außersportliches Umfeld dazu gedrängt wurden. Die Annahme erscheint mehr als berechtigt, dass sie nicht - wie im Erwachsenenbereich nicht selten argumentiert - selbstbestimmt und die potenziellen Gefahren sowohl für die eigene Gesundheit als auch für eventuelle Sanktionen durch Sportorganisationen kennend und akzeptierend - gehandelt haben. Sowohl aus strafrechtlicher als auch aus verbandsrechtlicher Sicht sind in diesen Fällen Tatbestände zu beachten, zu analysieren und zu bewerten, die nochmals deutlich verschärfend wirken müssen.
Der Autor hat sich in seiner Dissertation dieses düsteren Kapitels des Sports der zurück liegenden gut vierzig Jahre angenommen und stellt die aktuelle Rechtslage sowohl im Strafrecht als auch im Verbandsrecht in Deutschland (und in ergänzenden Betrachtungen in der Schweiz) dar. Als Ausgangspunkt und Grundlage wählt er dabei die Darstellung von Kinder- und Jugenddoping in der DDR wie auch von Hinweisen aus aktuellen Untersuchungen darauf, dass derartige Vergehen auch heute sowohl im Jugend- und Profisport als auch im Breitensport anzutreffen sind. Da eine entsprechende korrekte rechtliche Bewertung von Doping die Kenntnis der entsprechenden leistungssteigernden Substanzen und Verfahren und ihrer Wirkungsweise voraussetzt, findet der Leser auch einen zusammenfassenden Überblick von Stimulanzien oder Anabolika bis zu Maskierungsstoffen, EPO oder Blut- und Gendoping.
Im sich anschließenden inhaltlichen Hauptteil werden die beiden rechtlichen Felder des nationalen Strafrechts und des Sportverbandsrechts eingehend in ihrer aktuellen Ausformung sehr detailliert untersucht. Dabei erfolgt eine differenzierte Analyse und Bewertung des Vorgangs, wie Doping Minderjähriger initiiert und letztlich auch durchgeführt wird und eine entsprechende rechtliche Bewertung. Dabei wird die besondere Situation der Kinder und Jugendlichen, mit einer nicht gegebenen Einwilligungsfähigkeit, da beispielsweise die potenzielle Gefahr der Einnahme von Dopingsubstanzen von ihnen nicht eingeschätzt werden kann, wie auch das Wirken des Umfelds (insbesondere der Eltern) betrachtet. In diesem Zusammenhang geht er auch der Frage nach einer mittelbaren Täterschaft mit Blick auf die Eltern, die Trainer, Übungsleiter, Ärzte und Apotheker nach. In der Folge befasst er sich mit der Abschätzung der Schwere des Vergehens mit Blick auf den existierenden Rechtsrahmen.
Für die Analyse des aktuellen verbandsrechtlichen Zustands befasst sich Adrian Fiedler mit dem verbindlichen nationalen und internationalen Anti-Doping-Regelwerk (WADA- und NADA-Code) unter dem speziellen Gesichtspunkt des Dopings Minderjähriger. Auch hier geht es wieder um die Verschuldensfähigkeit und den Verschuldensmaßstab bei Dopingvergehen, aus denen sich dann letztlich auch die Dauer und die Ausgestaltung von Sperren ableiten. Wobei hier betont wird, dass innerhalb der Sanktionierung auch die erzieherische Wirkung bei Kindern und Jugendlichen eine herausgehobene Bedeutung hat. Die Durchführung von Dopingkontrollmaßnahmen wie auch von Sanktionsverfahren und die Möglichkeiten der Sanktionierung sowohl von minderjährigen Sportlerinnen und Sportlern als auch von ihren Betreuern, stellt den Abschluss des analytischen Teils dar.
In seiner Zusammenfassung acht der Autor sowohl auf einen oftmals geeigneten Rechtsrahmen in der staatlichen und verbandsrechtlichen Verfolgung von Dopingmissbrauch im Kindes- und Jugendalter, aber auch auf noch bestehende rechtliche Defizite sowohl im Straf- als auch im Verbandsrecht aufmerksam. Hier setzt er einen Schwerpunkt im unterschiedlichen Grad der aktiven Beteiligung von Minderjährigen auf der einen Seite und deren sportlichen und medizinischen Betreuerstabs auf der anderen Seite.
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| Schlagworte: | |
|---|---|
| Notationen: | Sozial- und Geisteswissenschaften Sportgeschichte und Sportpolitik |
| Sprache: | Deutsch |
| Veröffentlicht: |
Berlin
Duncker u. Humblot GmbH
2014
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| Schriftenreihe: | Beiträge zum Sportrecht, 41 |
| Seiten: | 316 |
| Dokumentenarten: | Buch |
| Level: | hoch |