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Biomechanische Analyse der Kraft-Längen- und Kraft-Geschwindigkeits-Relation bei der mehrgelenkigen Beinstreckung in vivo zur Beurteilung der muskulären Funktion

Wer sich mit der Kraft- und Geschwindigkeitsentwicklung sowie deren Verbesserung bzw. Optimierung im Rahmen menschlicher, insbesondere aber sportlicher Bewegungen, befasst, muss einen interdisziplinären Ansatz verfolgen. Es gilt, sowohl anatomische und physiologische als auch biomechanische und trainingswissenschaftliche Erkenntnisse zu verstehen und in praktisches Handeln von Sportlern im Training und Wettkampf umzusetzen. Grundsätzlich besteht das Ziel darin, durch die Aktivierung und den darauf aufbauenden koordinierten Einsatz der Skelettmuskeln Kraft zu entwickeln und diese auf den passiven Bewegungsapparat des Menschen zu übertragen. Dabei agiert der sich bewegende Körper stets gegen äußere Widerstände wie die Gravitationskraft, Trainings- oder Sportgeräte. Mit zunehmendem Leistungsniveau geht es im Sport darum, die Bewegungsgeschwindigkeit zu maximieren oder einen maximalen Krafteinsatz möglich zu machen. Da in diesem Leistungsbereich von einem hohen Automatisierungsgrad der Bewegungsausführung ausgegangen werden kann, geraten die biomechanischen Aktionseigenschaften der arbeitenden Muskulatur zunehmend in den Fokus des Interesses von Wissenschaftlern, Trainern, Physiotherapeuten oder Sportlern. Der Zugang zu ihren Kennzeichen und Kennwerten erfolgt gegenwärtig primär über Muskel-Skelett-Modelle, wobei noch relativ große Unsicherheiten hinsichtlich ihrer Repräsentation der realen Verhältnisse, oder über invers-dynamische Berechnungsmodelle an der Schnittstelle "innerer" und "äußerer" Belastungen. Die von Daniel Hahn vorgelegte Arbeit setzt hier an und untersucht mehrgelenkige Beinstreckbewegungen, die in nahezu allen Sportarten zum Grundbewegungsrepertoir gehören. Dazu wurden experimentelle Versuchsreihen an einer motorgetriebenen Beinpresse durchgeführt (Messung externer Reaktionskräfte unter Beachtung biomechanischer und physiologischer Einflussfaktoren), um resultierende Netto-Gelenkmomente zu berechnen. Des Weiteren wurde die resultierende muskuläre Aktionsdynamik für mehrgelenkige Beinstreckung in vivo beschrieben, um Informationen über Kraft- und Moment-Längen bzw. Kraft- bzw. Moment-Geschwindigkeitseigenschaften zu erhalten. Diese wiederum stellen die Grundlage für die Entwicklung dreidimensionaler Funktionen zur Beschreibung der resultierenden Aktionsdynamik dar. In der Zusammenschau der eigenen Ergebnisse mit den vorliegenden wissenschaftlichen Erkenntnissen in der Fachliteratur soll ein Beitrag dazu geleistet werden, um die muskulären Mechanismen besser zu verstehen. Damit kann auch ein Beitrag geleistet werden, um (leistungs)diagnostische Verfahren zu verbessern und Trainingsinterventionen entsprechend zu gestalten.
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Bibliographic Details
Subjects:
Notations:training science
Language:German
Published: Göttingen Sierke 2008
Edition:Göttingen: Sierke, 2008. - 303 S.
Pages:303
Document types:book
Level:advanced