Gemeinwohlorientierung und soziale Bedeutung des Sports

Das Selbstverständnis des organisierten Sports in Deutschlands ist sehr stark durch die Erfüllung von Gemeinwohlfunktionen geprägt. In gleicher Weise argumentieren Staat und Politik in der Begründung der staatlichen Sportförderung. Insofern besteht ein weit verbreiteter Konsens, der sich oftmals auf allgemeine Annahmen, Überzeugungen und erlebte und erlernte Verhaltensweisen in der Gesellschaft gründet. Gesicherte wissenschaftliche Erkenntnisse waren über viele Jahre nur in sehr begrenztem Maße zugänglich. Dieses Defizit zu verringern, war eine der Hauptzielstellungen des durch das Bundesinstitut für Sportwissenschaft vergebenen Forschungsprojektes. Die inhaltlichen Schwerpunkte wurden folgerichtig auch in den Bezügen des organisierten Sports zu folgenden Bereichen angesiedelt: - Integrationsfunktionen - Sozialisation und Lebenshilfe - Demokratisierungsfunktionen - gemeinwohlbezogene Organisationsleistung - Gesundheitsfunktionen. Dazu wurden eine Reihe von Methoden eingesetzt, zu denen die Dokumentenanalyse zum Thema ab 1974, die Meta-Evaluation der dazu vorliegenden Fachliteratur, die nochmalige Analyse der "Allgemeinen Bevölkerungsumfrage der Sozialwissenschaften" aus dem Jahr 1998 sowie die umfassende Analyse und Evaluation von Initiativen, Projekten und Programmen des organisierten Sports basierend auf einer Fragebogenaktion gehörten. Entstanden ist dadurch ein sehr facettenreiches, höchst informatives und zur Diskussion anregendes Material, das zu jedem Teilthema den aktuellen Forschungsstand analysiert und kritisch darstellt und, darauf aufbauend, Defizite kennzeichnet, die durch wissenschaftliche Projekte in der Zukunft bearbeitet werden sollten. Stellvertretend für die vielfältigen Teilergebnisse ist auf die Rolle des organisierten Sports als wichtigste Quelle sozialen Kapitals in Deutschland zu verweisen, die durch die Autoren eindrucksvoll belegt wurde. Der hohe Grad ehrenamtlichen Engagements in den Sportorganisationen und die Stabilität dieses Engagements sind beredter Beleg für dieses Verständnis in der Gesellschaft wie auch die unbestrittenen, umfassenden Leistungen zur Integration von Kindern und Jugendlichen. Probleme und perspektivische Potenzen werden diesbezüglich z. B. bei der Integration von unteren sozialen Schichten sowie Migranten offen gelegt. Insgesamt werden in dieser Komplexität erstmals bestehende Ergebnisse zu Teilbereichen der Gemeinwohlorientierung und sozialen Bedeutung des Sports in Deutschland zusammengeführt und interpretiert.
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Bibliographische Detailangaben
Schlagworte:
Notationen:Sozial- und Geisteswissenschaften
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Köln Sport und Buch Strauß 2004
Ausgabe:Köln: Sport & Buch Strauß.- 293 S.
Schriftenreihe:Wissenschaftliche Berichte und Materialien des Bundesinstituts für Sportwissenschaft, 2004, 2
Seiten:293
Dokumentenarten:Buch
Level:mittel