Entwicklung diagnostischer Verfahren zur Raumorientierung bei schnellen Ganzkörperdrehungen
Im vorliegenden Projekt wurden bei intensiv rotationstrainierten Sportler-Kollektiven verschiedene Parameter des okulomotorischen Reflexniveaus gegen nicht trainierte Kontrollgruppen untersucht, sowohl unter monoaxialen klinischen Standardbedingungen als auch während multiaxialer sportartspezifischer Belastungssituationen. Das methodische Vorgehen basiert auf dem Ansatz, dass die menschliche Okulomotorik - zum Zwecke der optimalen Blickstabilisierung - als das Ergebnis sämtlicher Verrechnungsprozesse multifaktorieller Rauminformationen zu verstehen ist. Es sollte geprüft werden, ob anhand der Erfassung der individuellen okulomotorischen Reflexausprägung während und nach Ganzkörperrotationen möglicherweise Rückschlüsse auf unterschiedliche multisensorische Wahrnehmungs- und Verarbeitungsprozesse bei sportartspezifischen Rotationsbelastungen möglich sind und ob diese in einem Zusammenhang mit den individuellen Raumorientierungsfähigkeiten der Probanden stehen.
Folgende Untersuchungen wurden an verschiedenen Messplätzen durchgeführt:
• Rotationstests im computergesteuerten Vestibularisstimulationsgerät Tübingen (VSG),
• Rotationstests im Längsachsen- und im Saltodrehgerät Leipzig,
• Feldtests bei sportartspezifischen multiaxialen Rotationen im freien Flug.
Die klare Identifizierung der durchgeführten multiaxialen Drehungen im VSG nur anhand der okulomotorischen Muster zeigt grundsätzlich eine hohe dreidimensionale Präzision der Okulomotorik bei komplexen Schraubenbewegungen - sowohl bei den Experten als auch in der drehunerfahrenen Kontrollgruppe. Bezüglich des Präzisionsniveaus dieser okulomotorischen Muster (VOR-Gain) konnten allerdings keine deutlichen Gruppenunterschiede gefunden werden. Die große interindividuelle Streuung der Gain-Werte in beiden Gruppen bei hoher intraindividueller Stabilität spricht für ein primär individuell determiniertes Geschehen. Ein Zusammenhang bestimmter Parameter des VOR-Niveaus mit multiaxialen Teilleistungsfähigkeiten scheint allerdings gegeben. Die große Streuung der Werte muss jedoch dahingehend interpretiert werden, dass neben der individuellen okulomotorischen Reflexpräzision auch kognitive Faktoren die subjektive Raumorientierungsfähigkeit wesentlich mit beeinflussen. Resümierend lässt sich somit festhalten, dass die Ergebnisse zwar einen Zusammenhang bestimmter okulomotorischer Parameter mit der individuellen Raumorientierungsfähigkeit belegen, die Chancen zur Entwicklung einer allein auf diesen Zusammenhängen basierenden Raumorientierungsdiagnostik allerdings kritisch einzuschätzen sind. Unter Berücksichtigung sämtlicher Ergebnisse der Studie bei passiven wie auch bei aktiven monoaxialen und multiaxialen Rotationen sowie unter Einbeziehung relevanter neurophysiologischer Literaturstellen konnte aus den Ergebnissen des Projektes erstmals ein integrierendes Gesamtmodell zur Erklärung wesentlicher Orientierungs- und Steuerungsprozesse während der Ausführung sportartspezifischer Ganzkörperrotationen entwickelt werden.
© Copyright 2005 BISp-Jahrbuch Forschungsförderung 2005/06. Alle Rechte vorbehalten.
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| Notationen: | Biowissenschaften und Sportmedizin technische Sportarten |
| Tagging: | Untrainierte räumliche Orientierung |
| Veröffentlicht in: | BISp-Jahrbuch Forschungsförderung 2005/06 |
| Sprache: | Deutsch |
| Veröffentlicht: |
Bonn
2005
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| Online-Zugang: | http://www.bisp.de/SharedDocs/Downloads/Publikationen/Jahrbuch/Jb_200506_Artikel/Krug.pdf?__blob=publicationFile |
| Seiten: | 111-115 |
| Dokumentenarten: | Buch |
| Level: | hoch |