Turnunfälle im Schulsport - Ansätze für präventive Maßnahmen

Einleitung: Schulsportunfälle sind mit einer signifikanten Morbidität unter Kindern und Jugendlichen verbunden. Präventive Ansätze können erst nach Analyse der Verletzungsverteilung und -umstände entwickelt werden. Methoden: Während eines Schuljahres wurden an 3993 allgemeinbildenden Schulen in 43 889 Klassen mit insgesamt 993 056 Schülerinnen und Schülern 2234 Schulsportunfälle über das berufsgenossenschaftliche Durchgangsarztverfahren an den Gemeindeunfallverband (GUV) Niedersachsen gemeldet und ausgewertet. Resultate: 60 % der Verletzungen (n = 1330) traten im Rahmen von Ballsportarten auf, hauptsächlich beim Basketball (32 %, n = 431), Fußball (24 %, n = 316) und Volleyball (17 %, n = 232). Turnunfälle folgten mit 18 % (403 Unfälle). Bezüglich der Geräteverteilung im Turnen führte Sprung vor Bock, Kasten und Pferd mit 34 % die Unfallliste an, gefolgt vom Bodenturnen (21 %), Mini- und Wettkampftrampolin (17 %) und Barren (8 %). Die detaillierte Analyse des Verletzungsmusters zeigte Prellungen mit 31 %, gefolgt von Bänderdehnungen und Frakturen (jeweils 15 %). Bodenturnen führte vor allem zu Distorsionen (27 %), Prellungen (19 %), Stauchungen und Muskelfaserverletzungen (jeweils 15 %). Rückenverletzungen, insbesondere der Hals- und Brustwirbelsäule, traten in 40 % aller Unfälle beim Bodenturnen auf. Minitrampolinverletzungen umfassten 30 % Prellungen, 23 % Frakturen und 10 % Stauchungen. Allein 21,8 % Kollisionen mit dem Kasten standen 6,8 % vs. Pferd/Bock gegenüber. Diskussion: Schulsportverletzungen im Turnunterricht sind für einen wesentlichen Teil aller Verletzungen beim Schulsport verantwortlich. Sprung inklusive Minitrampolin und Bodenturnen sind die wesentlichen unfallauslösenden Geräte. Insbesondere die hohe Zahl von HWS- und BWS-Verletzungen im Bodenturnen ist alarmierend. Sicherheitsaspekte beim Aufbau der Geräte und großzügige Landezonen sind wesentlich. Der Kasten sollte durch das Pferd bzw. den Bock ausgetauscht werden, da häufig Kollisionen mit dem Kasten Verletzungen bedingen. Sowohl Umknickverletzungen als auch Muskelverletzungen könnten durch ein propriozeptives Trainingsprogramm möglicherweise auch im Schulsport durch einfach zu implementierendes fünf- bis zehnminütiges Balancetraining im Sinne einer Primärprävention reduziert werden.
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Bibliographische Detailangaben
Schlagworte:
Notationen:Biowissenschaften und Sportmedizin Schulsport
Veröffentlicht in:Sportverletzung Sportschaden
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: 2006
Online-Zugang:http://www.sportpaedagogik-online.de/turnunfaelleimschulsport.pdf
Jahrgang:20
Heft:2
Seiten:81-85
Dokumentenarten:Artikel
Level:hoch