Auswirkungen verschiedener Dehnmethoden auf die maximale Bewegungsreichweite und die Dehnungsspannung. Messung an der ischiocruralen Muskulatur mit einem computergesteuerten isokinetischen Meßsystem

In einer Längsschnittstudie wurden die Auswirkungen eines vierwöchigen Beweglichkeitstrainings (jeder Proband absolvierte dabei sechzehn Dehneinheiten) auf die maximale Bewegungsreichweite und die Dehnungsspannung der ischiocruralen Muskulatur des linken Beines untersucht. Dafür wurden 36 Studenten in drei Treatmentgruppen (statische, postisometrische und dynamische Dehnmethode) und eine Kontrollgruppe eingeteilt. Zur Standardisierung des Beweglichkeitstrainings wurde der Treatmentablauf über Tonband vorgegeben und von fünf Untersuchungsleitern gleichbleibend durchgeführt. Die Meßwerte wurden in einem Vortest und einem Nachtest mit Hilfe eines computergesteuerten isokinetischen Meßsystems ermittelt, wobei alle Versuchspersonen so fixiert wurden, daß sowohl eine Hüftausweichbewegung als auch eine Beinbeugung des linken Beines, an dem die Messungen vorgenommen wurden, ausgeschlossen werden konnten. Bei der Untersuchung wurde für alle Treatmentgruppen eine signifikante bzw. sehr signifikante Vergrößerung der maximalen Bewegungsreichweite festgestellt. Diese lag für die statische Dehnmethode im Mittel bei 22,00° (VT=84,56 ±11,65°; NT=106,56 °±18,47°), für die postisometrische bei 20,10° (VT=85,45° ±11,13°; NT=105,55° ±14,06°) und für die dynamische Dehnmethode bei 22,85° (VT=85,29° ±14,81°; NT=108,14° ±20,40°). Keine signifikante Veränderung wurde bei der Kontrollgruppe festgestellt (Differenz=0,78°; VT=86,00° ±13,87°; NT=86,78° ±17,38°). Ebenfalls waren beim Vergleich der drei Dehnmethoden keine signifikanten Unterschiede zu finden. Auch zwischen Männern und Frauen zeigte sich bezüglich der maximalen Bewegungsreichweite sowohl im Vortest als auch im Nachtest kein Unterschied. Für die Praxis kann daraus geschlossen werden, daß Intensität und Häufigkeit eines Beweglichkeitstrainings von größerer Bedeutung zu sein scheinen als die Wahl der Dehnmethode. Die Dehnungsspannung nahm von Vortest zu Nachtest in allen Treatmentgruppen tendenziell ab (statische Dehnmethode = 7,66 Nm, VT=57,65 Nm ±18,56 Nm, NT=49,99 Nm ±14,16 Nm; postisometrische Dehnmethode = 3,36 Nm, VT=55,68 Nm ±15,85 Nm, NT=52,32 Nm±13,98 Nm; dynamische Dehnmethode = 0,81 Nm, VT=41,83 Nm ±13,02 Nm, NT=41,02 Nm ±11,90 Nm), für eine signifikante Abnahme waren die Veränderungen jedoch zu gering. Die Kontrollgruppe zeigte mit 1,24 Nm (VT=59,65 Nm ±9,49 Nm; NT=60,89 Nm ±8,46 Nm) einen geringen nicht signifikanten Zuwachs. Nur zwischen Männern und Frauen gab es im Vortest einen sehr signifikanten Unterschied von 20,20 Nm, wobei die Frauen mit durchschnittlich 45,26 Nm eine wesentlich geringere Dehnungsspannung aufwiesen. Ein Beweglichkeitstraining scheint auf den Parameter Dehnungsspannung nur geringfügige Auswirkungen zu haben.
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Bibliographische Detailangaben
Schlagworte:
Notationen:Trainingswissenschaft
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: 1994
Online-Zugang:http://www.uniklinik-saarland.de/med_fak/sport-praev/Publikationen/Diplomarbeiten/Schoenthaler_Ott_Auswirkungen/Text/Diplomarbeit_Schoenthaler_Kap-I-V.htm
Dokumentenarten:Diplomarbeit
Level:hoch