4005774

Biomechanische und neuromuskuläre Wirkungsmechanismen von Trainingsprogrammen zur Verletzungsprävention des Sprunggelenkes

(Biomechanical and neuro-muscular mechanisms and effects of training programmes to prevent injuries of the ankle joint)

Diese Studie beschäftigte sich mit den Auswirkungen unterschiedlicher Trainingsprogramme (Balance-Pad, Thera-Band, Gelandeparcour) im Hinblick auf eine Sprunggelenksprophylaxe bei gesunden Probanden. Obwohl etliche Gleichgewichts- und Koordinationsubungen in der Rehabilitation von Verletzungen bereits anerkannt sind, ist deren Wirksamkeit bei gesunden Probanden unter praventiven Gesichtspunkten noch nicht wissenschaftlich belegt. Dieser Nachweis ist von besonderem Interesse, wenn ein prophylaktisches Training als fester Bestandteil in die Trainingspraxis integriert werden soll. Ziel dieser Studie war es daher, die Auswirkungen von praventiven Trainingsprogrammen im Umgang mit plotzlich induzierten Supinationsbewegungen zu untersuchen. Zur Auswertung wurden Kraft-, Goniometer- und EMG-Messungen herangezogen. Insgesamt wurden die Daten von 78 Probanden, die drei Trainingsgruppen sowie einer Kontroll- Gruppe randomisiert zugeteilt wurden, ausgewertet. Es wurden zwei Versuchstage benotigt, um die Veranderungen nach der vierwöchigen Trainingsphase beurteilen zu konnen. Das Versuchsprotokoll sah sowohl wahrend der Eingangs- als auch in der Abschlussuntersuchung zwei Versuchsbedingungen ohne und zwei Versuchsbedingungen mit induzierten Supinationsbewegungen sowie einer isometrischen Kraftmessung vor. Die Daten wurden in speziellen, fur diese Untersuchung erstellten Programmen gesammelt und verarbeitet. Fur jede Versuchsperson wurden die Messwerte gemittelt. Die anschliesend durchgefuhrte Zwei-Faktor Repeated-Measures- ANOVA gab Signifikanzen sowohl im Gruppenvergleich als auch zwischen Eingangs- und Abschlussuntersuchung an. Bei vorliegender Signifikanz wurde weiterhin ein t-test durchgefuhrt, um Veranderungen innerhalb der verschiedenen Trainingsgruppen statistisch zu uberprufen. Nach ihrem vierwochigen Training mit dem AirexÆÊ Balance-Pad und dem Thera-BandÆÊ haben die Balance- und die Thera-Band-Gruppe eine isometrische Maximalkraftsteigerung der Peronealmuskulatur, einhergehend mit erhohten Kraftanstiegsraten und erhohten EMG-Aktivitaten, erzielt. Diese Kraftsteigerungen könnten sich im Hinblick auf den Ausgleich einer peronealen Muskelschwäche positiv auswirken und damit zur Vermeidung von Sprunggelenksverletzungen beitragen. Gleichzeitig konnten für beide Trainingsgruppen erhöhte EMG-Aktivitäten der Peronealmuskulatur in statischen und dynamischen Supinationsbewegungen nachgewiesen werden. Diese deuten auf einen möglichen Kompensationsmechanismus zur Vermeidung extremer Supinationsausmaße hin. Die Parcour-Gruppe unterscheidet sich bezüglich des EMG-Aktivitätsmusters der Peronealmuskulatur von diesen beiden Gruppen bei allen plötzlich induzierten Supinationsbewegungen während der Abschlussuntersuchung erheblich. Es wurden keine zusätzlichen Muskelaktivitätssteigerungen des M. peronaeus longus nach der Trainingsphase gefunden. Für alle drei Trainingsgruppen kann jedoch - ungeachtet der unterschiedlichen Muskelaktivitäten in der Peronealmuskulatur - nach der Analyse der Goniometer-Daten eine signifikante Reduktion des Supinationswinkels und der Supinationsgeschwindigkeit in der dynamischen Versuchsbedingung ermittelt werden. Die Ergebnisse deuten auf zwei unterschiedliche Strategien hin, ein unter verletzungsminderndem Aspekt extremes Supinationsausmaß zu verringern: 1. Durch hohe EMG-Aktivitäten vor allem unmittelbar vor Bodenkontakt wird das Fußgelenk versteift, um jede Reizform wie die einer plötzlich induzierten Supinationsbewegung mechanisch zu kompensieren. Diese Strategie scheinen die Balance- und die Thera-Band-Gruppe anzuwenden. 2. Es wird auf eine hohe EMG-Aktivierung wichtiger Muskelgruppen verzichtet. Stattdessen werden induzierte Supinationsbewegungen mit anderen Kompensationsmechanismen wie Körperschwerpunktsverlagerungen, Ausgleichsbewegungen oder der Aktivierung anderer Muskelgruppen bewerkstelligt. Nach dieser Strategie scheint die Parcour-Gruppe Supinationsbewegungen kompensieren zu wollen. In künftigen Studien sollten daher vermehrt kinematische Analysen eingesetzt werden, um den Nachweis derartiger Kompensationsmechanismen zu erbringen.
© Copyright 2000 All rights reserved.

Bibliographic Details
Subjects:
Notations:biological and medical sciences
Tagging:Sprunggelenk
Language:German
Published: 2000
Online Access:http://elib.uni-stuttgart.de/opus/volltexte/2000/622/pdf/Arbeit.pdf
Document types:dissertation
Level:advanced