Kognitives Training im Sport
Seit einigen Jahren werden kognitive Prozesse im sportlichen Training und Wettkampf bewusst(er) wahrgenommen. Die Zeit, da das Training in den Sportarten ein rein körperliches, auf motorische, konditionelle und/oder koordinative Fertigkeiten und Fähigkeiten konzentriertes war, ist in einer zunehmenden Zahl von Sportarten und für eine wachsende Zahl von Trainingszielen vorbei. Die Erkenntnis, dass die kognitive Leistungsfähigkeit einerseits zu einem leistungslimitierenden Faktor werden kann, andererseits aber auch, dass es möglich ist, sie zu trainieren, zu verbessern, schlägt sich immer öfter in entsprechenden Trainingskonzeptionen, -methoden und -programmen nieder. Sportler und Trainer, aber auch die sie begleitenden Psychologen wenden sich dem psychologischen Training zu, um wichtige Leistungsfaktoren anzusprechen und mit entsprechenden Trainingsprogrammen auszubilden und schrittweise zu verbessern. Themen wie das Entspannungs- oder Konzentrationstraining gehören inzwischen zum "Allgemeingut" im leistungsorientierten Training, wohingegen aber die praktische Umsetzung von wissenschaftlichen Erkenntnissen zu kognitiven Leistungsanteilen eine solche Akzeptanz und trainingspraktische Umsetzung in gleicher Weise noch nicht gelungen ist. Dabei gehören aber kognitive Themen in nicht wenigen Sportarten zu den leistungsrelevanten, wenn man beispielsweise nur an das Entscheidungsverhalten denkt, an die Ausprägung einer sehr guten Antizipation oder an eine kognitiv gesteuerte Interaktion in Mannschaftssportarten wie Fußball, Handball oder Eishockey. In anderen Sportarten, wie insbesondere den technisch-akrobatischen mit dem Gerätturnen, dem Wasserspringen oder dem Eiskunstlauf oder in den Sportarten, in denen es in starkem Maße auf Bewegungsgenauigkeit ankommt (zum Beispiel im Schießsport, aber auch in den fahrtechnischen Wintersportarten Rennschlitten- und Bobsport) kann die Ausprägung einer sehr guten Bewegungsvorstellung den Sportlerinnen und Sportlern entscheidend helfen, um ihre sportliche Leistung zu entwickeln, neue Schwierigkeiten zu erlernen und unter den Stressbedingungen eines Wettkampfs auch den Kampfrichtern und Zuschauern zu präsentieren.
Für den vorliegenden Sammelband konnten insgesamt 20 Autoren gewonnen werden, die sich aus verschiedenen Blickrichtungen dem kognitiven sportlichen Training mit Blick auf den aktuellen internationalen und nationalen Forschungsstand zuwenden. Dabei folgen die zehn Beiträge einem einheitlichen Muster, das mit der Darstellung der theoretischen Grundlagen des jeweiligen Themas beginnt, dann praktische Konsequenzen skizziert und beispielhaft entsprechende trainingspraktische Interventionen kennzeichnet. Mit einer Zusammenfassung, Kontrollfragen und Hinweisen zu weiterführender Literatur wird der Standardstruktur eines Lehrbuchs gefolgt. Damit wird auch deutlich, wo eine der Zielgruppen des Buchs gesehen wird: In den Studierenden der Sportwissenschaften. Aber auch Trainer, die sich entsprechendes fachliches Rüstzeug für die Nutzung kognitiver Trainingsmethoden aneignen wollen, bietet der Sammelband viele wichtige, relevante und interessante Informationen, aktuelles Wissen zu zentralen Themen des sportpsychologischen Trainings wie dem Training von Bewegungsvorstellungen, der Aufmerksamkeit, der Antizipation, dem Entscheidungsverhalten oder von Augenbewegungen, um die eigene Bewegung und die Bewegungen anderer innerhalb sportlicher Aktivitäten sehr genau, schnell und zum richtigen Zeitpunkt wahrnehmen und diese Informationen in geeigneter Weise verarbeiten zu können.
Inhalt
1 Bewegungsvorstellungstraining im Sport (J. Munzert, M. Reiser, K. Zentgraf)
Grundlagen der Bewegungsvorstellung und des Bewegungsvorstellungstrainings im Sport - Bewegungsvorstellungstraining im Sport
2 Training des Zusammenspiels in Sportspielen (F. Hänsel, S. D. Baumgärtner)
Zusammenspiel und Mannschaftserfolg - Kooperation und Zusammenspiel - Aspekte des Zusammenspiels - Teamkognitionen - Eigenschaften von Teamkognitionen - Training des Zusammenspiels
3 Training kognitiver Anteile des Gruppenhandelns im Sport (R. Seiler)
Modellvorstellungen zum Handeln von Gruppen im Sport - Regulierende Instanzen von Gruppenhandlungen - Training - Diskussion und Ausblick
4 Training von Routinen im Sport (M. Weigelt, Y. Steggemann)
Einsatz von Routinen im Sport - Struktureller Aufbau und Systematik von Routinen im Sport - Routinentraining im Sport
5 Training der Aufmerksamkeitsausrichtung und -lenkung im Sportspiel (D. Memmet)
Aufmerksamkeitstheorien und -paradigmen - Praktische Konsequenzen für das Aufmerksamkeitstraining im Sportspiel
6 Antizipationstraining im Sport (F. Loffing, R. Canal-Bruland, N. Hagemann)
Einleitung - Antizipation - Training der Antizipation - Gezieltes Antizipationstraining in der Sportpraxis -Beispiele
7 Training der Augenbewegungen im Sport (R. Rienhoff, B. Strauß)
Grundlagen - Anwendung
8 Entscheidungstraining im Sport (M. Raab)
Was ist Inhalt eines Entscheidungstrainings im Sport? - Wie ist Entscheidungstraining im Sport zu gestalten? - Ausblick
9 Training von Schiedsrichterentscheidungen (G. Schweizer, H. Plessner, R. Brand)
Aufgaben von Kampf- und Schiedsrichtern - Entscheidungstraining für Kampf- und Schiedsrichter
10 Training bei aufgabenspezifischen Bewegungsstörungen im Sport (C. Marquardt, J. Hermsdörfer)
Aufgabenspezifische Bewegungsstörungen - Trainingsverfahren zur Behandlung der Funktionsstörungen
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| Schlagworte: | |
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| Notationen: | Trainingswissenschaft |
| Sprache: | Deutsch |
| Veröffentlicht: |
Göttingen
Hogrefe Verlag
2014
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| Seiten: | 261 |
| Dokumentenarten: | Buch |
| Level: | hoch |