Statistik in der Psychologie. Vom Einführungskurs bis zur Dissertation
Auch wenn Studierende im Fach Psychologie als primäre Leser- bzw. Zielgruppe dieses Lehrbuchs benannt sind, geht der Nutzen dieser Publikation über diesen begrenzten Kreis hinaus, umfasst u. a. auch Studierende anderer Disziplinen, darunter die in der Sportwissenschaft. Und natürlich sollte das Buch auch von denen in die Hand genommen werden, die sich entweder beruflich (zum Beispiel in der Lehre und/oder Forschung) mit psychologischen Themen befassen und dabei wissenschaftliche Aufgaben in der psychologischen Diagnostik zu lösen haben oder die in der psychologischen Praxis arbeiten und dort erhobene Befunde statistisch "absichern" möchten.
Diesen unterschiedlichen Aspekten und Zielen der Lektüre unter psychologischen Aspekten für Studium, Lehre und Praxis entsprechend wurde das Buch so inhaltlich strukturiert (und im Design gestaltet), dass es sowohl auf der Grundlage kurzer, kompakter Einführungen in ausgewählte psychologisch-diagnostische Themen praktische Nutzungskonzepte für statistische Verfahren mithilfe von Standard-Computerprogrammen vorstellt und an Beispielen vorexerziert, andererseits aber auch die fachliche Vertiefung in psychologische Probleme und deren statistischer Bearbeitung ermöglicht.
Die inhaltliche Gliederung erfolgte in den sechs Komplexen
- Einführung
- beschreibende Statistik
- schließende Statistik für ein Merkmal
- beschreibende und schließende Statistik für zwei Merkmale
- schließende Statistik für mehr als zwei Merkmale
- Modellbildung und theoriebildende Verfahren.
Die Autoren entschieden sich für empirische Untersuchungen typisches, klassisches Vorgehen mit einer Trennung von Planung, Datengewinnung und Auswertung, ohne aber den Blick für die Möglichkeiten (und auch Vorteile) sequentiellen Arbeitens gänzlich aus dem Blick zu verlieren. Vorgestellt und empfohlen werden dabei statistische Methoden, für die die Arbeit mit einem Computer nahezu zwingend vorausgesetzt wird (was aber heutzutage kein Problem darstellen sollte). Im Lehrbuch wird jeweils ein kostenloses, frei zugängliches (und in der Funktionalität frei erweiterbares) Programmpaket mit einer Standardleistung (in diesem Fall R für die Untersuchungsplanung, statistische Datenanalyse und grafische Ergebnisdarstellung) und ein kommerziell vertriebenes Produkt (in diesem Fall IBM SPSS Statistics, was vielen Studierenden von ihren Universitäten im Rahmen von Campuslizenzen angeboten wird) genutzt, um die Beispiele zu bearbeiten. Sehr hilfreich ist für die Einarbeitung in die Programme insgesamt wie auch in die im Buch vorgestellten Beispiele, dass alle Datensätze auf der Webseite des Hogrefe Verlags zum "Nachrechnen" zur Verfügung gestellt werden.
Dieser zusätzliche Service von Autoren und Verlag ist sehr willkommen, ist die Beschäftigung mit statistischen Methoden doch erfahrungsgemäß für viele Studierende anspruchsvoll und "spröde". Deshalb sind alle Hilfen, um die verschiedenen Teilschritte statistischer Methoden besser verstehen bzw. nachvollziehen zu können, sehr wichtig.
Die genannten Inhalte, die für die Bearbeitung psychologischer Fragestellungen mit statistischen Methoden wichtig sind, wurden von den Autoren sehr umfangreich aufgearbeitet. Das beginnt mit der Vorstellung der unterschiedlichen Messverfahren in der psychologischen Diagnostik wie psychologischen Tests, Persönlichkeitsfragebogen, der Beobachtung von Verhalten oder inhaltlichen Analyse von Texten. Diese werden im folgenden Schritt in den mehrgliedrigen Prozess des Erkenntnisgewinns im Rahmen empirischer Forschungen eingeführt.
Die definitorische Klärung grundlegender Termini wie Merkmal, Zufall, Versuch und Erhebung als quantitative und qualitative, stetige und diskrete Merkmale und Faktoren und die Präsentation von verschiedenen Skalierungen für die Darstellung von Relationen (Nominalskala, Ordinalskala, Intervallskala, Verhältnisskale) rundet die Vorbereitung des "Eintauchens" in die praktischen Anwendungsfälle ab.
Aber auch in den folgenden Kapiteln zur beschreibenden und schließenden Statistik geht es nicht ausschließlich um praktische Beispiele. Stets geht es den Autoren um die Entwicklung eines wissenschaftlich-theoretischen Verständnisses für den statistischen Anwendungsfall wie auch um den praktischen Nutzen, der sich aus der Nutzung bestimmter statistischer Verfahren ergeben kann. Dazu werden grundlegende Szenarien beschrieben, die sich in der diagnostischen Praxis immer wiederfinden (zum Beispiel: sind alle Probanden gleichzeitig oder nur einzeln zu beobachten, wie repräsentativ ist eine Stichprobe und wofür).
Die Datenaufbereitung (in Form von Tabellen, Grafiken oder der Berechnung von Kennzahlen) ist ein weiteres wichtiges Thema, um eine oftmals nicht oder nur begrenzt gegebene Übersichtlichkeit von gewonnenen Daten zu erzeugen, um Daten mit unterschiedlichen Methoden zu verdichten und Merkmalsausprägungen sichtbar zu machen. Wie das Untersuchungsdesign gestaltet wird, wenn statistische Verfahren eingesetzt werden (mit Zufallsauswahl oder Randomisierung), wie Konfidenzintervalle konstruiert werden, wie Hypothesen getestet werden, wie Tests aussehen um Parameter von zwei oder mehr Grundgesamtheiten zu vergleichen, aus denen jeweils eine Stichprobe gezogen wurde, steht im Mittelpunkt der folgenden Kapitel. Dabei spielen Varianten der Varianzanalyse und multiple Mittelwertvergleiche die entscheidende Rolle, die in ihren unterschiedlichen Varianten für entsprechende Anwendungsfälle präsentiert werden. Die Besonderheiten zwischen deterministischen Zusammenhängen und Abhängigkeiten und vom Zufall beeinflussten Zusammenhängen zwischen Merkmalen wird in der Folge diskutiert, wofür in die Nutzung der Regressionsfunktionen (mit einfacher und multipler Regression) zur Beschreibung von Zusammenhängen zweier Zufallsvariablen eingegangen wird. Auch die Korrelationskoeffizienten werden an dieser Stelle vorgestellt und diskutiert. Abschließend gehen die Autoren auf grundlegendes Wissen zur Modellbildung und zu theoriebildenden Verfahren wie Cluster- und Faktorenanalyse ein.
Inhaltsverzeichnis
I Einführung
Kapitel 1:
Konzept des Buches
Kapitel 2: Messen in der Psychologie
2.1 Arten von psychologischen Messungen
2.2 Messmethoden in der Psychologischen Diagnostik
2.2.1 Psychologische Tests
2.2.2 Persönlichkeitsfragebogen
2.2.3 Projektive Verfahren
2.2.4 Verhaltensbeobachtung
2.3 Gütekriterien der Psychologischen Testtheorie
2.4 Weitere psychologische Messmethoden
2.4.1 Soziogramm
2.4.2 Erhebungsfragebogen
2.4.3 Einschätzungen
2.4.4 Q-Sortierung
2.4.5 Polaritätsprofil
2.4.6 Paarvergleichsmethode
2.4.7 Inhaltsanalyse
2.5 Statistische Messmodelle psychologischen Ursprungs
Kapitel 3: Psychologie: Eine empirische Wissenschaft
3.1 Erkenntnisgewinnung in der Psychologie
3.2 Stufen der empirischen Forschungsarbeit
Kapitel 4: Begriffsklärung: Merkmal, Zufall, Versuch und Erhebung
4.1 Nominalskala
4.2 Ordinalskala
4.3 Intervallskala
4.4 Verhältnisskala
4.5 Merkmale und Faktoren
II Beschreibende Statistik
Kapitel 5: Numerische und grafische Datenaufbereitung
5.1 Einführung in die Datenaufbereitung
5.2 Häufigkeiten und empirische Verteilungen
5.2.1 Nominalskalierte Merkmale
5.2.2 Rangskalierte Merkmale
5.2.3 Quantitative Merkmale
5.2.4 Grundsätze von Grafiken
5.2.5 Typische Anwendungsbeispiele von Tabellen und Grafiken
5.3 Statistische Kennzahlen
5.3.1 Mittelwert und Varianz
5.3.2 Andere Lage- und Streuungsmaße
5.3.3 Statistische Kennzahlen basierend auf höheren Momenten
5.4 Häufigkeitsverteilung für mehrere qualitative Merkmale
III Schließende Statistik für ein Merkmal
Kapitel 6: Voraussetzung: Wahrscheinlichkeit und Verteilung
6.1 Relative Häufigkeiten und Wahrscheinlichkeiten
6.2 Zufallsvariable und theoretische Verteilungen
6.2.1 Binomialverteilung
6.2.2 Normalverteilung
6.3 Quantile von theoretischen Verteilungsfunktionen
6.4 Mittelwert und Varianz von theoretischen Verteilungen
6.5 Schätzung unbekannter Parameter
Kapitel 7: Voraussetzung: Zufallsauswahl und Randomisierung
7.1 Einfache Zufallsauswahl bei Erhebungen
7.2 Grundsätze von Zufallsauswahl und Randomisierung
7.2.1 Stichprobenverfahren
7.2.2 Versuchsanlagen
Kapitel 8: Eine Stichprobe aus einer Grundgesamtheit - ein Merkmal
8.1 Einführung
8.2 Der Parameter eines als normalverteilt modellierten Merkmals
8.2.1 Schätzung des unbekannten Parameters
8.2.2 Konfidenzintervall für den unbekannten Parameter
8.2.3 Test einer Hypothese über den unbekannten Parameter
8.2.4 Test einer Hypothese über den unbekannten Parameter bei ursprünglich einander zugeordneten Beobachtungswerten
8.3 Untersuchungsplanung zur Hypothesentestung
8.4 Sequentielles Testen betreffs des unbekannten Parameters
8.5 Schätzung, Hypothesentestung, Untersuchungs planung und sequentielles Testen betreffs anderer Parameter
8.5.1 Der unbekannte Parameter 2
8.5.2 Der unbekannte Parameter p eines Alternativmerkmals
8.5.3 Der unbekannte Parameter p eines Alternativmerkmals bei ursprünglich einander zugeordneten Beobachtungswerten
8.5.4 Die unbekannten Parameter pj eines mehrkategoriellen nominal skalierten Merkmals
8.5.5 Test einer Hypothese betreffs des Medians eines quantitativen Merkmals
8.5.6 Test einer Hypothese betreffs des Medians eines quantitativen Merkmals bei ursprünglich einander zugeordneten Beobachtungswerten
Kapitel 9: Zwei Stichproben aus zwei Grundgesamtheiten - ein Merkmal
9.1 Hypothesentestung, Untersuchungsplanung und sequentielles Testen betreffs der unbekannten Parameter 1 und 2
9.2 Hypothesentestung, Untersuchungsplanung und sequentielles Testen bei anderen Parameter
9.2.1 Die unbekannten Lageparameter bei einem rangskalierten Merkmal
9.2.2 Die unbekannten Parameter 1 2 und 22
9.2.3 Die unbekannten Parameter p1 und p2 eines Alternativmerkmals
9.2.4 Die unbekannten Parameter pi eines mehrkategoriellen nominal skalierten Merkmals
9.3 Äquivalenztests
Kapitel 10: Stichproben aus mehr als zwei Grundgesamtheiten - ein Merkmal
10.1 Die verschiedenen Problemsituationen
10.2 Auswahlverfahren
10.3 Multiple Mittelwertvergleiche
10.4 Varianzanalyse
10.4.1 Einfache Varianzanalyse
10.4.1.1 Modell I
10.4.1.2 Post-hoc Tests
10.4.1.3 Modell II
10.4.2 Einfache Varianzanalyse für rangskalierte Merkmale
10.4.3 Vergleich von mehr als zwei Grundgesamtheiten bei einem nominalskalierten Merkmal
10.4.4 Zweifache Varianzanalyse
10.4.4.1 Modell I
10.4.4.2 Modell II
10.4.4.3 Gemischtes Modell
10.4.4.4 Hierarchische Klassifikation
10.4.5 Zweifache Varianzanalyse für rangskalierte Merkmale
10.4.6 Zweidimensionaler Vergleich zweier nominalskalierter Faktoren
10.4.7 Dreifache Varianzanalyse
IV Beschreibende und Schließende Statistik für zwei Merkmale
Kapitel 11: Regression und Korrelation
11.1 Einführung
11.2 Regressionsmodell
11.3 Korrelationskoeffizienten und Assoziationsmaße
11.3.1 Linearer Zusammenhang bei quantitativen Merkmalen
11.3.2 Monotoner Zusammenhang bei quantitativen Merkmalen und Zusammenhang zwischen rangskalierten Merkmalen
11.3.3 Zusammenhang eines quantitativen oder rangskalierten Merkmals mit einem Alternativmerkmal
11.3.4 Zusammenhang eines quantitativen Merkmals mit einem mehrkategoriellen nominalskalierten Merkmal
11.3.5 Zusammenhang von zwei nominalskalierten Merkmalen
11.3.6 Nicht linearer Zusammenhang bei quantitativen Merkmalen
11.4 Hypothesentestung und Untersuchungsplanung betreff Korrelationskoeffizienten
11.5 Korrelationsanalyse bei zwei Stichproben
V Schließende Statistik für mehr als zwei Merkmale
Kapitel 12: Eine Stichprobe aus einer Grundgesamtheit - mehr als zwei Merkmale
12.1 Zusammenhänge von drei oder mehr Merkmalen
12.1.1 Partieller Korrelationskoeffizient
12.1.2 Vergleich des Zusammenhangs eines Merkmals mit je einem von zwei anderen
12.1.3 Mehrfache lineare Regression
12.1.4 Interkorrelationen
12.1.5 Kanonischer Korrelationskoeffizient
12.1.6 Log-lineare Modelle
12.2 Hypothesentestung betreffs eines Mittelwertsvektors ?
12.3 Mittelwertsvergleiche und "homologe" Verfahren bei einander zugeordneten Beobachtungswerten
12.3.1 Hypothesentestung betreffs Mittelwerte
12.3.2 Hypothesentestung betreffs Lage von rangskalierten Merkmalen
Kapitel 13: Stichproben aus mehr als einer Grundgesamtheit - mehr als zwei Merkmale
13.1 Allgemeines lineares Modell
13.2 Kovarianzanalyse
13.3 Mehrdimensionale Varianzanalyse
13.4 Diskriminanzanalyse
VI Modellbildung und theoriebildende Verfahren
Kapitel 14: Modellbildung
14.1 Theoretische Grundlagen der Modellbildung
14.1.1 Verallgemeinertes lineares Modell
14.1.2 Modell mit latenten Variablen
14.2 Methoden der Bestimmung der Modellgüte
14.2.1 Anpassungstests
14.2.2 Koeffizienten der Anpassungsgüte
14.2.3 Kreuzvalidierung
14.4 Simulation: Nicht analytische Lösung statistischer Probleme
Kapitel 15: Theoriebildende Verfahren
15.1 Verfahren der Beschreibenden Statistik
15.1.1 Clusteranalyse
15.1.2 Faktorenanalyse
15.1.3 Pfadanalyse
15.2 Verfahren der Schließenden Statistik
15.2.1 Weitere Typenanalyseverfahren
15.2.1.1 Konfi gurationsfrequenzanalyse
15.2.1.2 Latente-Klassen-Analyse
15.2.2 Konfirmatorische Faktorenanalyse
15.2.3 Modelle der Item-Response-Theorie
15.2.3.1 Rasch-Modell
15.2.3.2 Verallgemeinerungen des Rasch-Modells
Literatur
Anhang
Anhang A
Anhang B - Tabellen
Stichwortregister
© Copyright 2011 Veröffentlicht von Hogrefe Verlag. Alle Rechte vorbehalten.
| Schlagworte: | |
|---|---|
| Notationen: | Naturwissenschaften und Technik |
| Sprache: | Deutsch |
| Veröffentlicht: |
Göttingen
Hogrefe Verlag
2011
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| Ausgabe: | Göttingen: Hogrefe, 2011.- 596 S. |
| Seiten: | 596 |
| Dokumentenarten: | Buch |
| Level: | hoch |