Spitzensport. Training, Ethik, Trainerbildung
In kürzlich vorgelegten Studien der Universität Tübingen zum Berufsbild Trainer sowie zu deren Informationsverhalten konnte und musste ein sehr facettenreiches Bild gezeichnet werden. Trainer in der heutigen Zeit, und dabei insbesondere im nationalen und internationalen Spitzensport, müssen neben ihrem eigentlichen Arbeitsschwerpunkt - dem Training und damit verbunden dem Wettkampf - in einer zunehmenden Zahl von Feldern aktiv sein, sich Wissen und Fähigkeiten aneignen und diese in die praktische Trainingsarbeit sowie in die Begleitung des sportlichen Wettkampfs einbringen: Sie sind nicht selten Manager interdisziplinär zusammengesetzter Expertenteams aus der Sportwissenschaft, müssen aber auch zunehmend mehr organisatorische Umfeldaufgabenübernehmen, sind Medienberater und Psychologe, Reiseveranstalter und Fahrer. Sie spüren ebenso eine Verantwortung, ihren Schützlingen in der Planung der sportlichen, schulischen, akademischen und beruflichen Karriere zur Seite zu stehen, müssen das persönliche Umfeld ihrer Sportlerinnen und Sportler kennen und in die Planung und Umsetzung sportlicher Aufgaben bzw. Ziele einbeziehen. Um dieser Multifunktionalität des Berufsstands gerecht werden zu können, müssen Trainerinnen und Trainer über einen weit gefächerten Vorrat an Informationen, Erfahrungen, Wissen, Netzwerken und Fähigkeiten verfügen. Im Ergebnis entwickeln sie ihr Bild eines effektiven, erfolgreichen Trainingsprozesses, es entstehen aber auch übergreifende ethische und moralische Auffassungen, Lebensmaximen und Handlungsorientierungen, die für sie selbst gelten, die sie aber ebenso an ihre Sportlerinnen und Sportler weitergeben. Dies alles läuft als kontinuierlicher, eigentlich nie endender Prozess ab, da sich ihr Handlungsumfeld, der internationale Leistungssport, ständig weiterentwickelt - und ein Stillstand ist auch zukünftig nicht zu erwarten.
Im vorliegenden Sammelband, der die Beiträge umfasst, die anlässlich des 65. Geburtstags eines der renommiertesten Trainerausbilders, Arturo Hotz, während eines Ehrenkolloquiums an der Trainerakademie Köln des DOSB vorgetragen wurden, wird diese Breite des aktuellen Trainerhandelns in den drei Themenschwerpunkten
- Training,
- Ethik und
- Trainerausbildung
umfassend thematisiert. Dies erfolgt zwar in einer disziplinären Betrachtung, sehr schnell wird aber die enge Verknüpfung von Trainingswissenschaft und Sozialwissenschaften wie der Sportphilosophie oder Sportpsychologie deutlich. Trainer im modernen Leistungssport suchen natürlich immer nach neuen Trainingsmethoden, die ihren Sportlerinnen und Sportlern zur Leistungsverbesserung und zum sportlichen Erfolg verhelfen. Dies beginnt aber nicht erst im Hochleistungsbereich, der Beitrag von Klaus Oltmanns zum vielseitigen und zielgerichteten Nachwuchstraining zeigt das sehr anschaulich. Bei der Auseinandersetzung mit trainingsmethodischen und damit verbundenen sportmedizinischen Fragen müssen Trainerinnen und Trainer eine klare Position zu den Problemen des modernen Leistungssports wie dem Doping entwickeln. Sie sind die entscheidenden Personen, wenn es darum geht, Dopingmissbrauch in Training und Wettkampf konsequent abzulehnen. Was ansonsten passiert, wird in dem Beitrag von Ralf Meutgens zum Straßenradsport deutlich, wobei der Autor nicht bei der Fundamentalkritik stehen bleibt, sondern im Konzept der Selbstkontrolle eine (wenn auch nicht einfache) Perspektive dieser Sportart sieht. Trainer müssen ebenso ein klares Bild davon haben, wie sie die Sportler in ihrer Persönlichkeitsentwicklung unterstützen wollen, wie sie sie "formen" und wie sie ihnen nachhaltige Werte und Orientierungen weit über den Sport hinaus mit auf den Weg geben wollen. Ihnen muss auch bewusst sein, dass sie diesen vielfältigen Aufgaben nicht allein gegenüberstehen, dass weitere "Player" im Spitzensport an ihrer Seite sind, die gleiche oder sehr ähnliche Orientierungen und Interessen vertreten. Die Beiträge zum aktuellen Stand der nationalen Ausbildungskonzepte an der Trainerakademie in Köln sowie in Irland machen das deutlich. Hier werden die Ansprüche aus institutioneller Sicht an Inhalte, an Wissen und Fähigkeiten formuliert, kommt mit Frank Wieneke auch ein Olympiasieger und Olympiasiegertrainer zu Wort, der seine Erfahrungen und sein Wissen inzwischen an der Trainerakademie an die nächsten Trainergenerationen weitergibt.
Inhalt
P. Dewald & H. Lange: Herausforderungen des Spitzensports im Spannungsfeld zwischen Training, Ethik und Trainerbildung
Training
A. Hotz: Optimales Timen als Modell ganzheitlichen Trainierens
H. Lange: Zugänge zur qualitativen Trainingslehre im Spiegel des Methodenthemas
S. Brand: Empirische Explorationen von Trainingsqualität im Leistungssport - aufgezeigt am Beispiel von Ausdauersportarten
F.-D. Hörner: Die pädagogische Dimension der Kampfkünste
H.-D. Hermann & T. Leber: Leistungsoptimierung im Kopf - Sportpsychologische Trainingstechniken zur Verbesserung leistungsrelevanter kognitiver Fertigkeiten
A. Neumaier: Vom Anforderungsprofil zum Koordinationstraining
K. Oltmanns: Konzepte für ein vielseitiges und zielgerichtetes Nachwuchstraining
L. Pöhlitz: Warum Afrikaner auf den Mittel- und Langstrecken die Weltspitze bestimmen
Ethik
E. Meinberg: Fairness - eine zentrale moralische Dimension sportlichen Leistungshandelns
C. Giersch: Erfolg um jeden Preis? Anthropologische Anfragen an die Realität des Spitzensports
R. Meutgens: Vom Betrug zum Selbstbetrug - von der Kontrolle zur Selbstkontrolle. Die Schizophrenie der Parallelwelt Doping am Beispiel Radsport
P. Dewald: Doping als gesellschaftliches Problem
A. Hotz im Interview mit Herbert Fischer-Solms und Ralf Meutgens: Streng genommen vermittelt der Sport keine Werte
S. Scharenberg: Kurt Krötzsch - ein früher Profi unter den deutschen Meisterturnern?
Trainerbildung
L. Nordmann: Bildung und Sport - Aktuelle Überlegungen zur Trainerausbildung im Leistungssport
S. Bertz: Zum gegenwärtigen Stand der Aus- und Fortbildung von Trainern in Irland
G. Blumhoff: Soziale Kompetenzen von Fußballtrainern
M. Finck: Handlungsfeld Trainerausbildung
F. Wieneke: Der Weg vom Athleten zum Trainer. Ein Erfahrungsbericht
H. Lange & Z. Siric-Bernhard: Sportpädagogik und Bewegungslehre hautnah erleben - Wie Golfspieler Lehrer werden (…) und ihren Pädagogikprofessor als Lernenden verstehen lernen
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| Subjects: | |
|---|---|
| Notations: | training science theory and social foundations academic training and research |
| Language: | German |
| Published: |
Göttingen
Cuvillier
2010
|
| Edition: | Göttingen: Cuvillier, 2010.- 306 S. |
| Series: | Interdisziplinäre Beiträge zur Trainingspädagogik, 3 |
| Pages: | 306 |
| Document types: | book |
| Level: | advanced |