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Sensomotorisches System. Physiologisches Detailwissen für Physiotherapeuten

Aufgabe des sensomotorischen Systems ist die Abstimmung des Zusammenwirkens sensorischer und motorischer Leistungen des Menschen. Basierend auf Meldungen der menschlichen Sinnesorgane werden so Bewegungen gesteuert und kontrolliert. Kommt es zu Funktionsstörungen oder -einschränkungen des sensomotorischen Systems, kann das weitreichende Folgen haben. Deshalb gibt es sowohl präventive als auch therapeutische Konzepte für das sensomotorische System, um dessen Leistungsfähigkeit zu erhalten bzw. wiederherzustellen. Die Anwendungsbereiche dieser Konzepte, die auf einem breiten Fundament physiologischer und pathophysiologischer Erkenntnisse zum Bewegungssystem beruhen, sind weit gefächert: Sie reichen von der Prävention und Gesundheitsförderung über die Physio-, Sport- und Ergotherapie bis zur manuellen Medizin, der Sportmedizin, Orthopädie und inneren Medizin. Im vorliegenden Buch werden diese umfassenden Wissensbestände umfassend insbesondere (aber nicht ausschließlich) für Therapeuten und Präventions- und Rehabilitationsexperten aufgearbeitet und zusammenfassend dargestellt. Dabei geht es den Autoren darum, sowohl ätiopathogenetische Mechanismen als auch (patho)physiologische Aspekte der präventiven und therapeutischen Interventionen klar herauszuarbeiten. Dazu werden eingangs die Ziele klar formuliert, die mit den präventiven und therapeutischen Interventionen verfolgt werden: - Verbesserung der aktiven Belastbarkeit und Belastungsverträglichkeit, der koordinativen, Ausdauer- und Kraftleistungsfähigkeit sowie - die Gestaltung eines Therapieprozesses, der fachspezifisch und aktiv ist und mit dem die Trainingsziele gezielt unterstützt werden können. Davon ausgehend wendet sich das Buch dem sensomotorischen System zu, erklärt dessen biologische Grundlagen (der Reaktions- und Aktionsfähigkeit), erläutert seine Elemente und die unterschiedlichen Leistungen und stellt Grundprinzipien der Bewegungsprogrammierung und -regulation vor. Danach werden die aerobe Energieversorgung des Systems und die Möglichkeiten der Regulation über die Homöostase sowie die neurovegetativen und hormonellen Regulationssysteme präsentiert. Wichtig für die Entwicklung von Therapiekonzepten sind auch die physiologischen Prozesse, mit denen das sensomotorische System beim Vollzug von Bewegungen agiert und die fertigkeits- bzw. fähigkeitsspezifisch differenziert - wie bei koordinativen, schnellkräftigen, maximalkräftigen oder ausdauerorientierten Aufgaben. Gleichfalls bedeutsam für die Therapieentwicklung ist die Diagnostik des aktuellen Funktions- und Leistungszustands des sensomotorischen Systems mit geeigneten Verfahren (wie zum Beispiel mit EMG, Ergometrie, Blutdruck, Herzschlagfrequenz, Laktat, Sauerstoffaufnahme), deren Möglichkeiten im vorliegenden Kompendium für Physiotherapeuten ebenfalls vorgestellt werden. Gleiches gilt für das wichtige Thema Schmerz, dessen Komponenten und Arten sowie die Arten der Schmerzmessung. Aufbauend auf diesem Wissen wenden sich die Autoren in der Folge den praktischen Themen möglicher Interventionen bei Funktionsstörungen des sensomotorischen und nozizeptiven Systems zu. Dabei wird sehr ausführlich die manuelle Therapie mit den Formen der Manipulation und/oder Mobilisation beschrieben, wobei ein Schwerpunkt auf Funktionsstörungen der Wirbelsäule einschließlich der paraspinalen Muskulatur gelegt wird, da diese im Sport zu den häufigsten Problemen zählen. Genauso werden aber neurophysiologische Folgen, somatoneurovegetative Verknüpfungen und Wirkungen sowie somatonozizeptive und nozizeptive Afferenzen mit ihren Wirkungen thematisiert. Im anschließenden Kapitel steht das sensomotorische System im menschlichen Alterungsprozess im Mittelpunkt, werden degenerative Erkrankungen und altersbedingte Veränderungen der Strukturen des sensomotorischen Systems beschrieben. Aber es ist nicht nur der normale Alterungsprozess, der Probleme hervorrufen kann, auch Inaktivität und Immobilisation haben Auswirkungen auf die Skelettmuskulatur, das Nerven- und Herz-Kreislauf-System, auf die Muskeln, Knochen und Bindegewebe sowie auf das hormonelle System, weshalb diese Konsequenzen auch diskutiert werden. Verletzungen und degenerative Gelenkerkrankungen spielen ebenso unter den Funktionsstörungen eine wichtige Rolle wie Funktionsstörungen und Schmerzen im Lendenbereich (die sog. Low Back Pains). Das abschließende Kapitel widmet sich dann sehr ausführlich den Trainings- und Therapieinterventionen, ihren trainingsmethodischen und biowissenschaftlichen Prinzipien im Zyklus Belastung - Beanspruchung - Ermüdung - Erholung sowie deren Wechselbeziehungen aus sensomotorischer und neurovegetativer Sicht. Dabei wird das gezielte Training der sensomotorischen Hauptbeanspruchungsformen Koordination, Ausdauer und Kraft bewusst als Konzept der Prävention, Therapie und Rehabilitation entwickelt. Typisch auch hier, dass wie im gesamten Buch alle terminologischen und definitorischen Grundlagen gelegt werden, dass die Ziele der Interventionen genau und differenziert formuliert werden und dementsprechend Trainingsschwerpunkte ausgearbeitet werden.
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Bibliographische Detailangaben
Schlagworte:
Notationen:Biowissenschaften und Sportmedizin
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Stuttgart Thieme 2009
Ausgabe:Stuttgart: Thieme, 2009.- 692 S.
Seiten:692
Dokumentenarten:Buch
Level:hoch