Orientierung

Sich in seiner Umgebung zu orientieren gehört zu den lebenswichtigen Bedingungen und Aufgaben des Menschen während des gesamten Lebens. Im Rahmen von Bewegungshandlungen nimmt die Orientierung natürlich ebenso eine wesentliche Funktion ein, wenn koordinierte Bewegungen ausgeführt werden sollen. Hier sind die wesentlichen Ansatzpunkte der sport- und bewegungswissenschaftlichen Beschäftigung mit der Orientierungsfähigkeit, ihrer Entwicklung, Ausprägung und Perfektionierung zu sehen. Im Rahmen eines mehrstufigen Prozesses von Bewegungshandlungen, den Kunath und Pöhlmann mit - Orientierung/Erkenntnis, - Antrieb/Motivation, - Koordination/Kondition beschreiben, kommen verschiedene Verfahren und Klassen der Orientierung zum Einsatz (zum Beispiel die Verfahren des observativen und ideomotorischen Trainings sowie sensomotorische oder psychomotorische Orientierungsklassen). Im Sport kann davon ausgegangen werden, dass die Orientierung sowohl eine Fähigkeit, Fertigkeit als auch Kompetenz darstellt, die in dieser Mehrdimensionalität wirkt. Dabei geht es primär um die Fähigkeit, die Lage und die Bewegung des menschlichen Körpers im Raum zu bestimmen und sie nach entsprechenden Vorgaben zu verändern. Der Erwerb dieser Fähigkeit und die Nutzung der erworbenen Orientierungskompetenz vollziehen sich in den unterschiedlichen Lebensphasen des Menschen sehr differenziert. Geht es in den ersten Monaten und Jahren primär um die Entwicklung und um die Ausprägung der optisch-räumlichen Wahrnehmung, orientiert man sich im älteren Jugendalter auf ein hohes, weiter entwickeltes Niveau dieser Fähigkeit, das dann auch über viele Jahre (insbesondere hinsichtlich der Wahrnehmungsleistung) bewahrt werden kann. Es zeigt sich aber, dass die Entwicklung und auch die Erhaltung der Orientierungsfähigkeit differenziert betrachtet werden muss, wenn man zum Beispiel zwischen Wahrnehmung, Genauigkeitsleistung oder ganzkörperlicher Koordinationsleistung unterscheidet. Auch sind Unterschiede zwischen Mädchen und Jungen, Frauen und Männern in der Entwicklung und Erhaltung festzustellen. Um die Entwicklung der Orientierungsfähigkeit voranzutreiben, bedarf es geeigneter methodischer Konzepte, die sich untergliedern lassen in: - wahrnehmungsorientierte Förderung (vor allem zur Verbesserung der sensomotorischen Grundlagen, der taktilkinästhetischen, vestibularen, visuellen und auditiven Wahrnehmung), - fähigkeitsorientierte Förderung (zur Ausprägung und Vervollkommnung vor allem der räumlichen Orientierungsfähigkeit) und - fertigkeits- und kompetenzorientierte Förderung (zur Vervollkommnung der an sportliche Fertigkeiten und Kompetenzen sowie an altersadäquate Anforderungen des Alltags gebundenen Orientierung). Jedes dieser drei Konzepte verfolgt zwar Ziele im Rahmen der Entwicklung der Orientierungsfähigkeit, die sich aber partiell unterscheiden und deren Inhalte und Methoden entsprechend anders gestaltet sind. Die verschiedenen Konzepte werden im vorliegenden Buch vorgestellt und diskutiert und im anschließenden Kapitel auf verschiedene Lebensphasen (Kleinkind- und Vorschulalter) Praxisbeispiele (Schulsport, Schneesport, Erwachsenen- und Seniorensport) sowie medizinische Bedingungen (eingeschränkte optische Wahrnehmung und beeinträchtigte kognitive Leistungsfähigkeit) angewandt. Die vorgestellten Übungen sind gut erklärt und schnell nachvollziehbar. Wichtig im Zusammenhang mit der Fähigkeitsentwicklung ist natürlich auch eine geeignete Diagnostik, für die von den Autoren die einschlägigen und erprobten Labor- und Feldtests und Untersuchungsmethoden vorgestellt werden.
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Bibliographische Detailangaben
Schlagworte:
Notationen:Trainingswissenschaft
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Schorndorf Hofmann Verlag 2010
Ausgabe:Schorndorf: Hofmann, 2010.- 176 S.
Schriftenreihe:Praxisideen. Schriftenreihe für Bewegung, Spiel und Sport, 42
Seiten:176
Dokumentenarten:Buch
Level:mittel