Skateboarding und Leistungssport

Im Rahmen der Tagung "Skaten & Klugschei$en" der dvs-Kommission "Sport und Raum" im Jahr 2023 wurde von mir in meiner Funktion als Bundestrainerin Street eine Keynote zum Thema "Skateboarding und Leistungssport" im Interview-Format gehalten. Die Kernelemente dieses Vortrags mit seinen Themenfeldern sollen in diesem Beitrag zusammengefasst werden, um auch Personen, die nicht an der Tagung teilnehmen konnten, einen Einblick in den Bereich Leistungssport im Skateboarding zu ermöglichen. Dieser beinhaltet die Anforderungen von Skateboarding an Athlet*innen, einen Überblick über das Wettkampfwesen, Ausführungen zum Belastungsprofil, dem Trainingsumfeld, Trainingsparameter sowie zur generellen Rolle der Frau im Skateboarding und der Bedeutung von Vereinen und Verbänden, in denen Skateboarding momentan im leistungssportlichen Kontext stattfindet. Ergänzt wird der Beitrag um einen Exkurs zu den Rahmenbedingungen der Nachwuchsleistungsförderung im Skateboarding von Anna Crumbach und Kristina Flasch-Coura vom Institut für Angewandte Trainingswissenschaft (IAT), auf deren Arbeit ich mich in meinen Vortrag ebenfalls bezog. Der Anspruch der Keynote, und damit auch dieses Beitrags, soll nicht sein, wissenschaftlich fundierte Aspekte von Skateboarding im Bereich Training und Leistungssport zu erläutern, sondern vielmehr einen Einblick in den derzeitig Stand dieses Themas aus der persönlichen Erfahrung der Bundestrainerin und ihrem Team zu geben. Wenn es um das Themas Skateboarding als Leistungssport geht, kommen häufig Fragen auf, die sich um die Kompatibilität dieser beiden Themenfelder drehen. Es stellt sich generell die Frage, wie Skateboarding bewertet werden kann und wie das Training in einer Sportart, die bis vor einigen Jahren ausschließlich als informelle Jugendbewegung und Liefestyle verstanden wurde, aussieht. Bisland zeichnete sich Skateboarding als Sport vor allem durch seine scheinbare Ungebundenheit an Regeln und Normen aus. Es wird nach wie vor als frei bezeichnet bzw. der Reiz daran liegt in der Freiheit, die es den Skater*innen gibt: keine festen Zeiten, keine Coaches, keine Gegner*innen, ja nicht mal ein dafür ausgewiesener Platz ist dafür nötig. laut einer Umfrage von World Skate (2020) praktizieren derzeit etwa 85 Millionen Menschen weltweit Skateboarding, wobei rund 19.000 aktiv an Wettbewerben teilnehmen. Der Anteil an Skater*innen, die im Wettkampf (im Fachjargon Contest) den Leistungsvergleich suchen und sozusagen das Skateboaring als Leistungssport betreiben, ist also verhältnismäßig gering. Entsprechend der unterschiedlichen Ausrichtung wird häufig auch zwischen "Contest-Skater*innen", "Street-Skater*innen" - oder "Core-Skater*innen" - und "Freizeitsportler*innen" unterschieden. Das geringe Maß an leistungssportlicher Organisationsstruktur zeit sich auch anhand der zwar wachsenden, aber noch immer kleinen Anzahl von rund 80 gemeldeten Skateboard-Vereinen in Deutschland. Zur Einordnung ist ein Vergleich zum Fußball hilfreich, wo es 24.154 Vereine gibt (Deutscher Fußballbund, 2020). Diese Zahlen unterstreichen nochmals die Besonderheit von Skateboarding im Vergleich zu klassischen Sportarten, da es ohne feste Vereinsstruktur auskommt und das Betreiben und Erlernen des Sports oder die Teilnahme an Wettkämpfen nicht von Vereinsmitgliedschaften abhängt.
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Bibliographische Detailangaben
Schlagworte:
Notationen:technische Sportarten Sportgeschichte und Sportpolitik Nachwuchssport
Veröffentlicht in:Skate and Research: Skateboarding als bewegungskulturelle Praxis und interdisziplinäres Forschungsfeld
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Bielefeld transcript Verlag 2025
Seiten:279-291
Dokumentenarten:Artikel
Level:hoch