Relative Alterseffekte im Handball - Mehr Selektion als Maturation

Einleitung Relative Alterseffekte im Sport werden primär durch zwei Hypothesen beschrieben (Wattie, Schorer & Baker, 2015). Die Selektionshypothese geht davon aus, dass die Überrepräsentation von Spieler*innen im ersten Quartal durch die Auswahl von Trainer*innen entsteht. Die Maturationshypothese postuliert hingegen, dass relativ ältere Spieler*innen durch ihren Entwicklungsvorsprung mehr Freude am Handball haben und daher mit höherer Wahrscheinlichkeit an der Sportart partizipieren. Ziel der Studie ist es, die Hypothesen zu testen. Methode Zur Prüfung der Maturationshypothese wurden 2018 die Geburtsdaten aller Vereinsspieler*innen in den Jahrgängen von 2000-2010 von den Landesverbänden Niedersachsen und Württemberg zur Verfügung gestellt. Für die Prüfung der Selektionshypothese wurden vom Deutschen Handballbund e.V. die Geburtsquartale der Teilnehmer*innen der nationalen Talentsichtungen der Jahre 2010-2023 zur Verfügung gestellt. Zur inferenzstatistischen Prüfung wurden Chi²-Tests inklusive Effektgrößen und Konfidenzintervalle genutzt. Ergebnisse Auf Vereinsebene waschen sich die marginalen relativen Alterseffekte mit zunehmendem Alter aus ( 0.05 <= w <= 0.06). Während in den jungen Jahrgängen hypothesenkonform geringfügige Maturationseffekte zu erkennen sind, kehren sich diese bei den älteren Jahrgängen tendenziell um. Demgegenüber sind durch die Selektion der Landestrainer*innen statistisch und praktisch bedeutsame Alterseffekte zu konstatieren (0.26 <= w <= 0.36). Vergleicht man die Geburtsquartale der Vereinsspieler*innen und der Talente aus demselben Jahrgang, so sind geschlechterübergreifend substanzielle Unterschiede in der Quartalsverteilung zu sehen (männlich = .37; weiblich = .40). Diskussion Der relative Entwicklungsvorsprung scheint für die Partizipation in den jungen Jahren eine untergeordnete Rolle zu spielen. Jedoch ist durch die Selektion von Spieler*innen ein bedeutsamer relativer Alterseffekt zu konstatieren. Insgesamt sprechen die Ergebnisse für eine größere Bedeutsamkeit der Selektion gegenüber der Maturation für die Entstehung des relativen Alterseffektes. Dementsprechend ist die Rolle der Trainer*innen bei der Selektion von besonderem Interesse, wenn man gemeinsam mit dem Verband mögliche Lösungsansätze entwickeln möchte.
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Bibliographische Detailangaben
Schlagworte:
Notationen:Spielsportarten Nachwuchssport
Veröffentlicht in:13. DVS-Sportspiel-Symposium - "Ludo, ergo sum - Vom Kinderspiel bis zum Leistungssport"
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Augsburg Universität Augsburg 2024
Online-Zugang:https://assets.uni-augsburg.de/media/filer_public/73/02/7302604c-76c2-4f50-9711-05b92298faa5/abstractband_zum_13_dvs-sportspielsymposium_2024_in_augsburg.pdf
Seiten:40
Dokumentenarten:Artikel
Level:hoch