Sportpsychologische Talentmerkmale im Nachwuchsleistungsfußball: Zusammenhang mit beobachteter Spielleistung und ganzheitlichem Trainerurteil
Einleitung
Perzeptuell-kognitive, psycho-motorische und persönlichkeitsbezogene Aspekte gelten als potenziell relevante sportpsychologische Talentmerkmale im Nachwuchsleistungsfußball (Höner et al., 2020). Entsprechend existiert eine Vielzahl an Instrumenten, die zur Diagnostik solcher Talentmerkmale eingesetzt werden können. Ziel dieser Studie war es, verschiedene in der Praxis eingesetzte Diagnostiken hinsichtlich (i) ihres Zusammenhangs mit beobachteter Spielleistung in Kleinfeldspielen und (ii) ihrer Prognoserelevanz zu untersuchen.
Methode
Zu Beginn der Saison 2022/2023 wurden bei N = 57 Spielern der Altersklassen U11 bis U15 eines Leistungszentrums klassische Merkmale der Talentauswahl erfasst. Dabei wurden zwei kognitive (NeurOlympics, 360° Video-Entscheidungstest) und eine psychomotorische Diagnostik sowie Selbstauskunftsfragebögen zu persönlichkeitsbezogenen Talentmerkmalen eingesetzt (Höner et al., 2020). Als Kriterien dienten (i) die im selben Zeitraum erfasste Spielleistung in Kleinfeldspielen mit dem Game Performance Evaluation Tool (GPET; García López et al., 2013) sowie (ii) eine zum Ende der Saison erfasste subjektive ganzheitliche Potenzial- und Leistungsbeurteilung durch ihre Trainer. Der Einfluss der alterskorrigierten Prädiktorvariablen auf die Kriterien wurde mittels univariater (i) Regressionsanalysen und (ii) Receiver-Operator-Characteristic-Analysen untersucht. Das Signifikanzniveau wurde mittels Benjamini-Hochberg-Methode auf (i) alpha = .003 und (ii) alpha = .013 korrigiert.
Ergebnisse
(i) Kognitive (alle p >= .003), psycho-motorische (alle p >= .097) und persönlichkeitsbezogene (alle p >= .004) Talentmerkmale verfehlten das jeweilige Signifikanzniveau in Bezug auf den Zusammenhang mit der Spielleistung. (ii) Weder kognitive (alle p >= .552) noch motorische (p = .049) Talentmerkmale waren prognoserelevant. Von den persönlichkeitsbezogenen Aspekten waren Zielorientierung, Hoffnung auf Erfolg, Wettkampforientierung, Selbstoptimierung, und Selbstwirksamkeit (AUC: .74-.70; alle p ante Prädiktoren.
Diskussion
Der fehlende Zusammenhang von sportpsychologischen Talentmerkmalen mit der Leistung in Kleinfeldspielen könnte in der Schwierigkeit der Operationalisierung von Spielleistung begründet sein. Die Prognoserelevanz persönlichkeitsbezogener Talentmerkmale deutet darauf hin, dass Experten diese Aspekte stärker berücksichtigen. In künftigen Studien sollten größere Prognosezeiträume untersucht, tatsächliche Leistungsdaten innerhalb einer Saison berücksichtigt und die Merkmalsentwicklung längsschnittlich analysiert werden.
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| Schlagworte: | |
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| Notationen: | Spielsportarten Nachwuchssport Sozial- und Geisteswissenschaften |
| Tagging: | Psychomotorik |
| Veröffentlicht in: | 13. DVS-Sportspiel-Symposium - "Ludo, ergo sum - Vom Kinderspiel bis zum Leistungssport" |
| Sprache: | Deutsch |
| Veröffentlicht: |
Augsburg
Universität Augsburg
2024
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| Online-Zugang: | https://assets.uni-augsburg.de/media/filer_public/73/02/7302604c-76c2-4f50-9711-05b92298faa5/abstractband_zum_13_dvs-sportspielsymposium_2024_in_augsburg.pdf |
| Seiten: | 41-42 |
| Dokumentenarten: | Artikel |
| Level: | hoch |