Geschlechtsspezifische Prävalenz von Gelenkschmerzen im Nachwuchsleistungsgolf
Zusammenfassung
Hintergrund
Schmerzen sind ein Frühwarnsignal für Überlastungen. Mehr als 80% der Verletzungen im Golf entstehen durch strukturelle Überbeanspruchungen. Gerade für Nachwuchsgolfer, die sich häufig noch im Wachstum befinden, besteht so durch systematisches Training ein erhöhtes Verletzungsrisiko. Eine gelenkorientierte Erfassung atraumatischer Schmerzprävalenzen während einer Saison für dieses Alterskollektiv gibt es bisher nicht.
Material und Methoden
Retrospektive, systematische Erfassung durch standardisierten Fragebogen zur Prävalenz von Schmerzen an Gelenken und Funktionsabschnitten des Achsskeletts, der oberen und unteren Extremität bei weiblichen und männlichen Nachwuchsleistungsgolfern im Ausbildungszentrum eines deutschen Bundesligisten.
Erfasst wurden Schmerzprävalenzen, die einerseits im Saisonverlauf wiederkehrend und andererseits kurzfristig zum Untersuchungszeitpunkt am Saisonende 2019 auftraten. Zusätzlich Evaluation der intensivsten Schmerzintensität unter Spitzenbelastungen bei Saisonhöhepunkten.
Ergebnisse
Über 90% spielen während der Saison mit wiederkehrenden Schmerzen an durchschnittlich mehr als 4 Gelenken. Am häufigsten sind die Brust- und Lendenwirbelsäule sowie das Knie- und Sprunggelenk betroffen. Zum Saisonende mit akkumulierter Spiel- und Trainingsbelastung zeigt sich kein geändertes Verteilungsmuster der Schmerzprävalenzen, auch nicht geschlechtsspezifisch. Bei Spitzenbelastungen zu Saisonhöhepunkten wird die Schmerzintensität mit 4,8 (Jungen) bzw. 5,2 (Mädchen) von 10 auf der VAS angegeben. Eine Belastungspause erfolgt bei diesen Intensitäten dennoch nicht. Ein relevanter geschlechtsspezifischer Unterschied konnte ebenfalls nicht belegt werden.
Schlussfolgerung
Nachwuchsleistungsgolfer haben geschlechtsunabhängig im gesamten Saisonverlauf ein erhöhtes Risiko, auch ohne strukturelle Verletzung für spielbeeinträchtigende Schmerzen, betont im unteren Rücken und den Knie- und Sprunggelenken. Es treten, vor allem bei Spitzenbelastungen während Saisonhöhepunkten, hohe Schmerzintensitäten auf. Analog anderer Nachwuchsleistungssportarten existiert offenbar ein Verdrängungsmechanismus mit "willingness to play hurt", also der Bereitschaft zum Spielen trotz hoher Schmerzintensitäten.
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| Schlagworte: | |
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| Notationen: | Spielsportarten Biowissenschaften und Sportmedizin Nachwuchssport |
| Veröffentlicht in: | Sport-Orthopädie - Sport-Traumatologie |
| Sprache: | Deutsch |
| Veröffentlicht: |
2022
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| Online-Zugang: | https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0949328X2200182X |
| Jahrgang: | 38 |
| Heft: | 3 |
| Seiten: | 259-266 |
| Dokumentenarten: | Artikel |
| Level: | hoch |