"Playing hurt": der Umgang jugendlicher Leistungssportler mit Gelenkschmerzen

(Playing hurt: dealing with joint pain in adolescent elite athletes)

Hintergrund: Bislang wurde die Untersuchung von Gelenkschmerz im Jugendalter, insbesondere im Nachwuchsleistungssport, vernachlässigt. Dies ist problematisch, da sich bei jugendlichen Athleten das muskuloskeletale System noch im Wachstum befindet. Die Ausübung von Leistungssport trotz Gelenkschmerz kann zu irreversiblen Schäden führen. Ziel der Arbeit: Um sich dem Thema Gelenkschmerz im Nachwuchsleistungssport zu nähern, wurde die Bereitschaft zur Teilnahme an Wettkämpfen bei Gelenkschmerz in Ruhe als Teil des Phänomens "playing hurt" untersucht. Ziel war es, herauszufinden, welche Athletinnen und Athleten eher bereit sind, trotz Gelenkschmerz an Wettkämpfen teilzunehmen, und welche individuellen und sportspezifischen Charakteristika damit verbunden sind. Material und Methoden: Als Datenbasis dient die bundesweite GOAL Study, welche Daten zu 1138 jugendlichen Leistungssportlerinnen und Leistungssportlern aus 51 olympischen Sportarten enthält (56,1 % männlich; 14-18 Jahre). Ergebnisse: Es zeigte sich, dass 43,8 % der deutschen Nachwuchsleistungssportlerinnen und -sportler bereit sind, trotz Gelenkschmerzen in Ruhe an Wettkämpfen teilzunehmen. Die Bereitschaft war größer unter weiblichen Athleten, Athleten/-innen mit einer höheren Anzahl an Wettkampftagen, Athleten/-innen, die im Internat leben, und unter Athleten/-innen in gewichtsabhängigen Sportarten. Diskussion: Dass mehr als vier von zehn jugendlichen Leistungssportlerinnen und -sportlern bereit sind, trotz Gelenkschmerz Wettkämpfe zu bestreiten, ist alarmierend, kann es doch zu gesundheitlichen Langzeitschäden und zu einer zunehmenden Verbissenheit bei gleichzeitiger Abnahme der Freude am Sport kommen. Es erscheint wichtig, dass Trainer, Betreuer und Ärzte den jungen Athletinnen und Athleten Hilfestellung beim Umgang mit Gelenkschmerzen anbieten und diese bestmöglich bei Therapie und Schmerzmanagement unterstützen. Ziel sollte es sein, irreversible Schäden sowie ein vorzeitiges Ende der Leistungssportkarriere zu verhindern.
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Bibliographic Details
Subjects:
Notations:junior sports biological and medical sciences social sciences
Published in:Der Schmerz
Language:German
Published: 2019
Online Access:https://doi.org/10.1007/s00482-017-0263-5
Volume:33
Pages:49-56
Document types:article
Level:advanced