Sportpsychologische Unterstützung der DHB-Nachwuchsspielerinnen und -spieler bei der Bewältigung der speziellen Herausforderungen beim Einstieg in den Spitzensport

Der Einstieg in den Spitzensport stellt für junge Leistungssportler bzw. -sportlerinnen zum Teil eine große Herausforderung dar, weil einerseits der Leistungsdruck deutlich anwächst, andererseits aber auch Entscheidungen in Bezug auf die sportliche Karriere getroffen werden müssen, denen sich die Sportlerinnen und Sportler teilweise noch nicht gewachsen fühlen. Das vorliegende Projekt hatte zum Ziel herauszufinden, inwiefern eine sportpsychologische Unterstützung den Athletinnen und Athleten beim Einstieg in den Spitzensport helfen kann, damit sie diese Phase nicht als Bedrohung, sondern eher als Herausforderung wahrnehmen und sich der Situation besser gewachsen fühlen. Insgesamt zeigte sich dabei, dass sich die beteiligten DHB-Spielerinnen und Spieler durchaus mehr Unterstützung durch Sportpsychologen bzw. -psychologinnen in beiden Themenbereichen wünschen, jedoch muss man die Ergebnisse auch differenziert betrachten. Hinsichtlich der Turnierunterstützung ist zusätzlich zu beachten, dass hier nur der weibliche U18-Kader als Stichprobe diente und daher nicht ohne weiteres auf die Meinung der Jungen geschlossen werden kann. In diesem Bereich gab es von den aktuellen Spielerinnen den eindeutigen Wunsch nach einer sportpsychologischen Unterstützung, während die Meinung beim älteren Jahrgang sowie im Betreuerteam eher heterogen war. Einig waren sich jedoch alle Spielerinnen bzw. Spieler darin, dass mehr Sportpsychologie in vorbereitende Lehrgänge eingebaut werden sollte, um dort die Grundlagen für eine Verfügbarkeit von Strategien während des Turniers zu legen. Bezüglich des Turniers selbst lässt sich aus den Ergebnissen die Empfehlung ableiten, dass eine sportpsychologische Unterstützung während eines Turniers gut vorbereitet werden sollte, insbesondere sollte vorab die Rolle des Sportpsychologen bzw. der -psychologin genau definiert und auch an die Mannschaft kommuniziert werden. Alternativ wäre es eine Option, die sportpsychologischen Betreuungsanteile in der Vorbereitung auf das Turnier zu erhöhen, so dass die Spielerinnen und Spieler sich gut gerüstet fühlen, und während des Turniers über eine Telefonhotline sportpsychologischen Support anzubieten. Hierzu müsste jedoch vorab eine ausreichende Vertrauensbildung zwischen den Athletinnen bzw. Athleten und dem Sportpsychologen bzw. der -psychologin stattgefunden haben, damit eine solche Möglichkeit auch genutzt wird. Bezüglich der sportpsychologischen Unterstützung bei Karriereentscheidungen für den Leistungssport zeigten sich vergleichsweise eindeutige Ergebnisse, denn obwohl die Schwierigkeiten der Entscheidungsfindung bei den Spielerinnen und Spielern sehr heterogen waren und viele eine Unterstützung durch andere Personen enthielten, befürwortete die Mehrheit der Befragten einen zusätzlichen sportpsychologischen Support in diesem Bereich. Dieses Bild bestätigte sich auch nach der Erfahrung mit den durchgeführten Workshops zu dem Thema, die auch mehrheitlich positiv bewertet wurden. Aufgrund der Tatsache, dass die Beteiligten den Zeitpunkt des Workshops als genau richtig bis zu spät erachteten, könnte der DHB jedoch darüber nachdenken, solche Workshops oder eine individuelle Unterstützung in diesem Bereich für einzelne talentierte Spieler_innen bereits in einem jüngeren Alter auf der Ebene der Landesverbände zu etablieren, da erste Entscheidungen offensichtlich schon deutlich früher getroffen werden müssen als die Spielerinnen und Spieler in den Nationalkader berufen werden (können). Zusammenfassend lässt sich daher zu diesem Service-Forschungsprojekt festhalten, dass zwei wichtige Bereiche in der Entwicklung von jungen Leistungssportlerinnen bzw. -sportlern angesprochen wurden, die der DHB bislang in seiner sportpsychologischen Rahmenkonzeption nicht im Detail verankert hatte. Dennoch stehen die Projektergebnisse nicht konträr zur Rahmenkonzeption, denn dort werden Trainerinnen und Trainern bzw. Sportpsychologinnen und -psychologen bewusst Freiräume bei der Gestaltung eines Teils der zu besprechenden Themen eingeräumt, und auch die Möglichkeit, die vorgesehenen Tage sportpsychologischer Betreuung zum Teil in den Turnierbereich zu schieben, ist durchaus vorhanden. Mit den Projektergebnissen liegt daher eine fundierte Handlungsgrundlage für diesen Themenbereich vor, so dass Koordinatoren und Koordinatorinnen, Trainerinnen und Trainer sowie Sportpsychologinnen und -psychologen des jeweiligen Jahrgangs individuell entscheiden können, inwiefern die hier angestoßenen Themen zusätzlich behandelt werden, ob sie in die bestehende sportpsychologische Betreuung integriert werden sollten oder ob andere Themen eine höhere Priorität besitzen.
© Copyright 2018 BISp-Jahrbuch Forschungsförderung 2017/18. Veröffentlicht von Eigenverlag. Alle Rechte vorbehalten.

Bibliographische Detailangaben
Schlagworte:
Notationen:Trainingswissenschaft Nachwuchssport Spielsportarten Sozial- und Geisteswissenschaften
Tagging:U18
Veröffentlicht in:BISp-Jahrbuch Forschungsförderung 2017/18
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Bonn Eigenverlag 2018
Online-Zugang:https://my.page2flip.de/15646901/16713668/16713670/html5.html#/310
Seiten:309-314
Dokumentenarten:Artikel
Level:hoch