Nahrungsergänzungsmittel im Sport. Ein experimenteller Zugang zur Erklärung, Vorhersage und Prävention des Konsums von kritischen Substanzen im Nachwuchsleistungssport mit Hilfe der Theorie der Zielsysteme
Der Gebrauch von Nahrungsergänzungsmitteln (NEM) zur Steigerung und Aufrechterhaltung der sportlichen Leistungsfähigkeit ist unter Athletinnen und Athleten im Spitzen- und Nachwuchsleistungssport weit verbreitet und wird dort offenbar als Normalität wahrgenommen (z. B. Diehl et al., 2012; Knapik et al., 2016). Dabei verdeutlichen wissenschaftliche Arbeiten zum Thema, dass die Risiken den vermeintlichen Nutzen von NEM deutlich übersteigen (Eichner & Tygart, 2015). Nationale und internationale Sport- und Gesundheitsorganisationen warnen konsequent vor der Verwendung von NEM (z. B. Deutscher Olympischer Sportbund, 2014; International Olympic Committee, 2010). Trotz dieser speziell auch im Nachwuchssport offenkundigen Haltung fehlen bis dato evidenzbasierte und effektive Interventionsmaßnahmen. Möglicherweise besteht ein Grund für die bisher wenig effektiven Präventionsbemühungen darin, dass die zugrundeliegende Theorien von suboptimalem Wert für die Erklärung und Herstellung von Interventionserfolgen sind. Viele der in der psychologischen Forschung zum Gebrauch leistungssteigernder Substanzen im Sport schon etablierten Verhaltensmodelle basieren auf Theorien, in denen soziale und kognitive Variablen individuelles Verhalten determinieren (Ntoumanis et al., 2014). Daneben wird postuliert, dass die Motivation, leistungssteigernde Substanzen zu konsumieren vor allem rationalen Informationsverarbeitungsprozessen entspränge. Demgegenüber verweist neuere psychologische Forschung auf die Bedeutung automatischer Verhaltensanteile, deren Einfluss auf den Substanzkonsum von Sporttreibenden in der Vergangenheit wahrscheinlich unterschätzt wurde (vgl. Brand et al., 2016). Das Forschungsprojekt diente dazu, die Theorie der Zielsysteme (TDZ; Kruglanski et al., 2002) als mögliche Alternative zu konventionellen Theorieansätzen empirisch zu untersuchen. Außerdem sollten aus der Theorie abgeleitete Interventionsansätze für eine effektivere NEM Prävention überprüft werden. Erarbeitet wird operatives psychologisches Hintergrundwissen zur Frage, wie dem übermäßigen Konsum von NEM im Nachwuchsleistungssport wirkungsvoll entgegengewirkt werden könnte.
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| Notationen: | Trainingswissenschaft Nachwuchssport Biowissenschaften und Sportmedizin |
| Tagging: | Nahrungsergänzungsmittel |
| Veröffentlicht in: | BISp-Jahrbuch Forschungsförderung 2017/18 |
| Sprache: | Deutsch |
| Veröffentlicht: |
Bonn
BISp
2018
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| Online-Zugang: | https://my.page2flip.de/15646901/16713668/16713670/html5.html#/50 |
| Seiten: | 49-53 |
| Dokumentenarten: | Artikel |
| Level: | hoch |