Psychische Anforderungen in den Individual-Rückschlagsportarten : qualitative und quantitative Analysen aus Expertensicht
(Psychological requirements in individual backstroke sports: qualitative and quantitative analyses from the perspective of experts)
Die Rückschlagsportarten Tischtennis, Badminton und Tennis zeichnen sich durch eine sehr hohe Handlungsdichte aus, die auf das Engste mit schnellen Aktionen und Reaktionen verbunden ist. In allen Sportarten muss einerseits durch kraftvolle, technisch perfekte und variable eigene Aktionen der Erfolg im Angriff angestrebt werden, andererseits müssen die Spielerinnen und Spieler stets auf gegnerische Handlungen reagieren, besser sogar, diese antizipieren und wiederum eigene und wenn möglichüberraschende Antwort parat haben. Dabei ist zu beachten, dass Ballwechsel in den Rückschlagsportarten wie im Hochleistungsbereich des Tischtennis im Schnitt nur drei bis fünf Sekunden dauern, im Badminton mit mehr als sechs Sekunden etwas länger dauern, aber stets durch schnelle und schnell wechselnde Aktionen verteilt auf das gesamte Spielfeld geprägt sind.
Aus dieser Sportartspezifik entstehen entsprechende sporttechnische, aber auch psychologische Anforderungen an Sportlerinnen und Sportler. Natürlich müssen sie über eine sehr gute Reaktionsschnelligkeit verfügen, müssen mit internem und externem Stress innerhalb der Ballwechsel wie auch in Vorbereitung des neuen und Auswertung des gerade beendeten Ballwechsels umgehen können. Sie müssen Strategien und Routinen entwickeln, um eine nicht gelungene Aktion positiv zu verarbeiten oder sie einfach "abzuhaken", müssen sich auf die nächste Aktion konzentrieren und für diese motivieren. Wie das in der Praxis im Leistungs- und Hochleistungssport tatsächlich abläuft, ist von Nadine Mewes durch Befragung von Spielerinnen und Spielern in diesen Rückschlagsportarten unterschiedlichen Leistungsniveaus bis hin zur Bundesliga untersucht worden. Dabei ging es ihr um verschiedene Aspekte wie die sportartspezifischen Unterschiede zwischen Badminton, Tischtennis und Tennis. Untersucht wurde ebenso, ob Frauen im Vergleich zu Männern andere sportliche Ziele im Training sowie in Vorbereitung auf und während eines Spiels haben oder abweichende Strategien verfolgen, um mit den Themen Stress, Konzentration, Zielformulierung oder Motivation in Training und Wettkampf umzugehen. Interessant waren unter anderem auch Erkenntnisse zu eingesetzten Spielstrategien im Verlauf eines "normalen" Spiels im Vergleich zu einem möglichen Strategiewechsel, um in der Verlängerung eines Spiels den sportlichen Erfolg zu sichern. Bedeutsam können auch die von Nadine Mewes zusammengetragenen Erkenntnisse zum Einfluss konditioneller Faktoren (die sich aus der Spezifik der Ballwechsel in den einzelnen Sportarten zum Beispiel hinsichtlich der Ausdauer ergeben) auf psychologische Zustände und Veränderungen sein, wenn es darum geht, diese in der Planung der nächsten Trainingsetappen zu berücksichtigen.
Die wissenschaftlichen Erkenntnisse sollen aber auch dazu dienen, Instrumente und Methoden zu entwickeln, die innerhalb der Talentdiagnostik Anwendung finden können, um psychische Leistungsvoraussetzungen objektiv erfassen und interpretieren zu können. Letztlich geht es im leistungsorientierten Sport stets darum, im Training der unterschiedlichen Altersklassen gezielt psychische Leistungsvoraussetzungen zu schaffen, die für den sportlichen Wettkampferfolg Relevanz besitzen. Dieses Themenspektrum wird in der Arbeit mit Blick auf die Spezifik der Individual-Rückschlagsportarten angesprochen und bearbeitet.
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| Subjects: | |
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| Notations: | social sciences sport games |
| Language: | German |
| Published: |
Köln
Sportverlag Strauß
2010
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| Edition: | Köln: Sportverlag Strauß, 2010. - 343 S. |
| Series: | Sportwissenschaftliche Arbeiten, 6 |
| Online Access: | http://d-nb.info/1010077457/04 |
| Pages: | 343 |
| Document types: | book |
| Level: | advanced |