Untersuchungen zur weiteren Vervollkommnung der Anschlagtechniken Liegend und Stehend im Biathlonschießen

Die Schießleistung als Teil der komplexen Biathlonleistung gewinnt durch wettkampfstrukturelle Veränderungen und einer Verdichtung der Weltspitzenleistungen zunehmend an Bedeutung. Die damit verbundene Zielstellung eines fehlerfreien Schießens in kurzer Schießzeit erfordert eine hohe Präzisionsleistung unter biathlonspezifischen Bedingungen. Als wesentliche Leistungsfaktoren werden dazu die leitbildhafte Ausführung der Schießtechnikelemente Anschlag, Atmung, Zielen und Abzug sowie deren optimaler Koordination gekennzeichnet (Nitzsche, 1998). Des Weiteren können mit der Anschlagsstabilität im Hinblick auf Systemschwankungen Sportler-Waffe (Sattlecker, Müller & Lindinger) sowie mit der Gestaltung der Anschlagsposition und -winkel (Sklortz, 2008) weitere leistungsbestimmende Faktoren der Schießleistung benannt werden. Bisherige Untersuchungen bezogen sich jedoch nur auf einzelne Leistungsfaktoren, eine komplexe Betrachtung war bisher nicht möglich. Im Rahmen dieses Forschungsprojektes wurde eine Vielzahl an leistungsbestimmenden Parametern der Schießtechnik sowie deren komplexes Beziehungsgefüge untersucht. Mit Blick auf die Vielzahl der ntersuchungsergebnisse, welche detaillierte Aussagen zu den einzelnen Parametern der Anschlagsstabilität und der Anschlagsgestaltung sowie deren gegenseitige Beeinflussung liefern, werden hier nur ausgewählte Hauptergebnisse der Evaluations- und Interventionsstudie beispielhaft dargestellt. Die Ergebnisdarstellung erfolgt dabei in Abhängigkeit der Anschlagsart. Die Untersuchungsergebnisse der Evaluationsstudie zeigen, dass die leistungsbestimmenden Parameter deutlich von anthropometrischen Merkmalen, der Art der Vorbelastung sowie der jeweiligen Etappe des langfristigen Leistungsaufbaus abhängig sind. Mit dieser weiteren Aufhellung der Schießleistungsstruktur können klare Angaben zur Gestaltung der beiden Anschlagsarten, Liegend und Stehend, sowie zu tolerierbaren Veränderungen der Leistungsfaktoren in den jeweiligen Schussphasen getroffen werden. Beispielsweise werden die Leistungsdiskrepanzen zwischen Ruhe- und Belastungsschießen offensichtlich. Diesbezügliche Leistungsreserven beim Schießen unter physiologischer Vorbelastung sollten über eine Anpassung von Trainingsinhalten und -umfängen erschlossen werden. Mit der durchgeführten Interventionsstudie, zur Überprüfung der Wirksamkeit eines norm- und richtwertgestützten Messplatztrainings, konnten u. a. positive Effekte im Hinblick auf eine Erhöhung der Laufmündungsstabilität und der Trefferleistung in beiden Anschlägen nachgewiesen werden. Für das Schießtechniktraining sind in diesem Zusammenhang die abgeleiteten Norm- und Richtwerte eminent und die Schießausbildung sollte an diesen ausgerichtet sein. Daher empfiehlt sich zum Zweck des Soll-Ist-Vergleichs ein regelmäßiger Einsatz des komplexen Schießmessplatzes im Verlauf aller Etappen des langfristigen Leistungsaufbaus.
© Copyright 2013 BISp-Jahrbuch Forschungsförderung 2012/13. Veröffentlicht von Bundesinstitut für Sportwissenschaft. Alle Rechte vorbehalten.

Bibliographische Detailangaben
Schlagworte:
Notationen:Trainingswissenschaft technische Sportarten Ausdauersportarten
Veröffentlicht in:BISp-Jahrbuch Forschungsförderung 2012/13
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Bonn Bundesinstitut für Sportwissenschaft 2013
Online-Zugang:http://www.bisp.de/SharedDocs/Downloads/Publikationen/Jahrbuch/Jb_201213_Artikel/Siebert_97_102.pdf?__blob=publicationFile&v=1
Seiten:97-102
Dokumentenarten:Buch
Level:hoch