Rekonstruktion subjektiver Konzepte erfolgreichen Nachwuchstrainings
Trotz der vorherrschenden Einigkeit über die grundlegende Notwendigkeit eines effektiv wirksamen und zugleich belastungsverträglichen, langfristigen Trainingsprozesses stehen den Trainerinnen bzw. Trainern als Grundlage zur Trainingsplanung im Nachwuchstraining vorwiegend sehr abstrakte Basismodelle oder Rahmentrainingskonzeptionen zur Verfügung, welche jedoch als "teilweise fehlerhaft und im Allgemeinen nicht als datenbasiert formuliert und evaluiert" (Ferrauti et al., 2008, S. 24-25) anzusehen sind. Auf der anderen Seite belegen die ausgezeichneten und regelmäßigen Erfolge bestimmter Sportarten bzw. Fachverbände (z. B. Rudern und Kanu, Skilanglauf und Biathlon, Hockey und Handball), aber auch bestimmter Spitzensportvereine und Bundesstützpunkte, dass in der Trainingspraxis des Nachwuchsleistungssports durchaus das notwendige "Know-How" zu Leistungs- und Trainingsstrukturen, zu effektiven Trainingsinhalten, -methoden und -mitteln, sowie zu adäquaten Kaderstrukturen und Trainingsorganisationsformen vorhanden sein muss.Die Zielsetzung lag dementsprechend in der Erlangung eines Verständnisses über den Gegenstand des Nachwuchstrainings und für die Komplexität der Problembezüge aus der Sicht der Trainerinnen und Trainer. Anders ausgedrückt: Im Mittelpunkt der Untersuchung stand weniger die Perspektive des Forschenden, sondern vielmehr die Perspektive der Beforschten. Gerade im Verhältnis zu quantitativen Verfahren repräsentieren die Ergebnisse des KerN-Projektes durch ihren explorativen, (re-)konstruktiven und theoriegenerierenden Charakter die Besonderheiten qualitativer Forschung. Mit Blick auf die spezifischen Akteurslagen der Trainerinnen bzw. Trainer zeigt sich, dass das Training in einem sozialen und strukturellen Spannungsfeld stattfindet, in welchem sich die Athletinnen bzw. Athleten (darunter auch Trainingsgruppen), Trainerinnen bzw. Trainer, Eltern oder aber auch Institutionen wie Schulen, Fördereinrichtungen, die Bundeswehr usw. in einer Beziehung zueinander befinden. Für die Trainerinnen und Trainer leitet sich diesbezüglich die Aufgabe ab, diese Zusammenhänge zu erkennen und in ihren Planungen des Trainingsalltags zu berücksichtigen. Die rekonstruierten Relevanzen und Deutungen der Spitzentrainerinnen bzw. -trainer im Nachwuchsbereich sind dabei nicht primär aktuell determiniert, sondern vielmehr konsequent perspektivisch angelegt. Handlungsleitendes und entscheidungsrelevantes Kriterium stellt dabei grundsätzlich die Orientierung an einem zukünftigen spitzensportlichen Erfolg im Erwachsenenalter dar. Unter dem Dach der Erfolgsorientierung entspricht der Grundsatz der Langfristigkeit ebenso, wie eine frühe Talentsichtung und ein ganzheitlicher und nachhaltiger Ausbildungsanspruch, der den gesamten Verlauf des Nachwuchstrainings prägt. Ganzheitlichkeit der Ausbildung des sportlichen Nachwuchses im Sinne einer allseitigen Persönlichkeitsentwicklung hin zur selbstständigen Spitzensportlerin bzw. zum selbstständigen Spitzensportler stellt in diesem Zusammenhang ein zentrales Motiv dar. Damit eng verwoben ist der Grundsatz der Nachhaltigkeit, der die Verantwortung der Trainerin bzw. des Trainers für die bestmögliche Entfaltung sowohl der frühen Begabungspotenziale, als auch der langfristigen Leistungsreserven begründet. Insgesamt folgt daraus, dass die interviewten Trainerinnen bzw. Trainer eine komplexe Perspektive
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| Notationen: | Trainingswissenschaft Nachwuchssport |
| Veröffentlicht in: | BISp-Jahrbuch Forschungsförderung 2011/12 |
| Sprache: | Deutsch |
| Veröffentlicht: |
Bonn
Bundesinstitut für Sportwissenschaft
2012
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| Online-Zugang: | http://www.bisp.de/SharedDocs/Downloads/Publikationen/Jahrbuch/Jb_201112_Artikel/Hohmann_23_29.pdf?__blob=publicationFile&v=2 |
| Seiten: | 23-29 |
| Dokumentenarten: | Buch |
| Level: | hoch |