Die Kaderschmieden des "Sportwunderlandes": Strukturen, Lenkung und Erfolge der Kinder- und Jugendsportschulen der DDR (1950- 1990)
(Structures, control and success of the GDR's Childrens's and Youth' Sport Schools (1950-1990))
"Kaderschmieden des Leistungssports": Bei der Wiedergabe dieses eindeutig ideologisch konnotierten Begriffs schwang in westdeutscher Presse wie bei bundesdeutschen Sportfunktionären stets ein Ton der Bewunderung für die Kinder- und Jugendsportschulen der DDR mit. Eine Bewunderung, die in erster Linie auf deren leistungssportlichem Erfolg basierte. Jahrelang suchte man vergeblich, dem Geheimnis dieser abgeschotteten Einrichtungen auf die Spur zu kommen. Doch ließ sich die Erfolgsformel des "DDR-Sportwunderlandes" nicht vollständig entziffern. So steht für ein kleines Land von ca. 17 Millionen Einwohnern letztlich die unverrückbare Bilanz von 755 olympischen Medaillen, 768 Weltmeister- und 747 Europameistertiteln in vierzig Jahren Sportgeschichte in den Annalen festgeschrieben. Nach der Sowjetunion war die DDR seit den 1970er Jahren die zweitstärkste olympische Sportnation weltweit - noch vor den USA! In den 1980er Jahren bilanzierte das Ministerium für Volksbildung, dass fast jeder Olympiakader der DDR mittlerweile eine KJS-Biografie aufwies: Weit über 90% hatten eine Ausbildung an den Kinder- und Jugendsportschulen der DDR genossen. Die KJS waren somit ein Nukleus des DDR-Leistungssportsystems, der ganz offenkundig zu den Erfolgsgaranten des DDR-Sports zu zählen ist. Der DDR war es damit gelungen, ein Talentsichtungs- und Förderungssystem zu implementieren, das in seiner Effektivität in der Relation von Bevölkerungsgröße zum sportlichen Erfolg weltweit als einmalig anzusehen ist. Dass dieser Erfolg allerdings nicht nur aus einem hohen Maß an Innovation und Modernität resultierte, sondern sich auch aus einer Gemengelage gesellschaftspolitischer Faktoren und sportfachlicher Entscheidungen ergab, wollte diese Studie im Einzelnen aufzeigen. Das Wesen der KJS ist nur zu verstehen, wenn sie in ihren historischen Entstehungszusammenhang gebracht werden. Die über Jahrzehnte entwickelten Charakteristika dieses Schultyps, die ihn letztendlich zu einem sportlichen Erfolgsprodukt machten, sind erst mit Blick auf die Rahmenbedingungen innerhalb der SED-Diktatur nachvollziehbar.
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| Subjects: | |
|---|---|
| Notations: | management and organisation of sport sport history and sport politics |
| Language: | German |
| Published: |
Potsdam
2010
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| Edition: | Potsdam: Universität Potsdam (Hrsg.), |
| Online Access: | http://www.uni-potsdam.de/fileadmin/projects/humfak/abstracts/abstract-wiese.pdf |
| Pages: | 22 |
| Document types: | dissertation |
| Level: | advanced |