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Sportanthropologische Untersuchungen zur Konstitutionstypologie von Kampfkünstlern der Sportart Karate (Elitekarateka)

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der sportanthropologischen Fragestellung, in wie weit es einen Kata-Konstitutionstypus gibt und was eventuell die relevanten konstitutionellen Voraussetzungen für eine Kumite-Karriere sind. Es erscheint wichtig, die Fragestellung dahingehend zu erweitern, ob sexualdimorphe Unterschiede innerhalb der Wettkampfklassen existieren. Markante Unterschiede der Elitesportler beider Disziplinen sollen dann in die Talentsichtung einfließen. Das Ziel dieser Arbeit war, Unterschiede bezüglich der Körperbautypen an Elitekarateka zu eruieren. Hierzu wurden die Konstitutionstypologien nach Conrad, Knußmann, Parnell sowie Heath und Carter, Proportionsfiguren, und das Phantom stratagem verwendet, ebenso wie die Hautfettfalten-Dickenmessungen, die Bioelektrische-Impedanz-Analyse, der AKS- und der Body-Mass-Index. Unter der Annahme Großmeisters Funakoshis, dass es durch ständiges Karatetraining zu körperbaulichen Konstitutionstypusänderungen kommt, wurde diese sportanthropologische Studie durchgeführt. Es sollte geklärt werden, ob innerhalb der Karatewettkampfdisziplinen Kata und Kumite unterschiedliche Körperbautypen, unter Einbeziehung des Sexualdimorphismus, zu finden sind. Die 80 untersuchten männlichen und weiblichen Elitekarateka aus den Disziplinen Kata und Kumite (Landes- und Bundeskader) zeigten ein mittleres Alter von 20,4 Jahren (s = 4,7 Jahre). Im Vergleich dazu wurden 62 Freizeitsportler im mittleren Alter von 25,7 Jahren (s = 8,1 Jahre) und 66 Breitensportkarateka im mittleren Alter von 25,4 Jahre alt (s = 6,7 Jahre) als Kontrollgruppe gegenübergestellt. Das Vergleichskollektiv wurde aus zwei Fitnessstudios rekrutiert, in denen die Probanden 2 - 4 mal pro Woche trainierten. Die Messungen wurden unter standardisierten Bedingungen vom Verfasser dieser Arbeit (und einer Kollegin) durchgeführt. Die Ergebnisse wurden statistisch geprüft. Die Konstitutionstypognosen von Conrad, die durch die Betrachtungen der Somatocharts von Parnell bzw. Heath und Carter bestätigt wurden, zeigten Unterschiede der Leistungssportler gegenüber den Kontrollgruppen. Demnach ist der typische Kata- und Kumiteathlet kleiner und wiegt weniger als die Sportler des Vergleichskollektivs der Fitnessprobanden. Er ist athletischer gebaut und weist ein günstiges Verhältnis von aktiver und passiver Körpermasse auf. Des Weiteren sind innerhalb der Karatedisziplinen die Katasportler endomorpher als ihre Kollegen. Die Kumiteathleten nehmen mehr ektomorphe Positionen in den Somatocharts (Parnell, Heath und Carter) ein. Der männliche Elitekarateka weist einen um ~ 28,8 % geringeren durchschnittlichen Körperfettgehalt auf, als dies bei den Freizeitsportlern der Fall ist. Bei den weiblichen Hochleistungskarateka liegt das subcutane Fettgewebe im Mittel um ~ 12,4 % niedriger als bei den beiden Kontrollgruppen. Anhand der Ergebnisse lässt sich die ursprüngliche Vermutung Funakoshis nach differenzierten Konstitutionstypen sowohl für die beiden Untersuchungskollektive des Karate, als auch innerhalb der Kampfkunst für die Wettkampfdisziplinen Kata und Kumite bestätigen. Die vorliegende Studie lässt den Schluss zu, dass es sowohl den Kata- als auch den Kumite-Konstitutionstypus im Karate gibt. Jedoch werden sich immer Athleten finden, die nicht den gefundenen Konstitutionstypen entsprechen und dennoch Erfolg haben. Einen einzelnen limitierenden Faktor zur Bestimmung des Karatekonstitutionstypus, der signifikant mit einem Wettkampferfolg korreliert, konnte nicht nachgewiesen werden. Am ehesten ist jedoch die Linkshändigkeit und die Extremitätenlänge ein solches Talentsichtungskriterium. Weiterer Forschungsbedarf besteht hinsichtlich longitudinaler Datenerhebungen des Konstitutionswandels jugendlicher Karateka im Laufe ihrer Wettkampfkarriere. Die Karriere beeinflussende Faktoren wie Trainingshäufigkeit, "Trainingsalter" und Verletzungshäufigkeit, bezogen auf das Leistungsniveau, lassen Spielraum für weiterführende Untersuchungen. Dies gilt auch für eventuelle ethnische Körperbauunterschiede und das Leistungsniveau der Athleten. Schließlich lässt sich sagen, dass Athleten nach verschiedenen Merkmalen ausgesucht und nominiert werden können. Hierzu sollten neben Wettkampferfolgen, Motivation und Trainingsfleiß, auch solche der Leistungsdiagnostik und konstitutionstypologische Gesichtspunkte den Ausschlag für eine Nominierung geben.
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Bibliographische Detailangaben
Schlagworte:
Notationen:Kampfsportarten Biowissenschaften und Sportmedizin Nachwuchssport
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Frankfurt/Main Johann Wolfgang Goethe-Universität 2006
Online-Zugang:https://core.ac.uk/download/pdf/14502735.pdf
Seiten:280
Dokumentenarten:Dissertation
Level:hoch