Antizipation als Prädiktor für die Talentsichtung von Hockeytorhütern und ihre Entwicklung bis in die Adoleszenz

In Kooperation mit dem Deutschen Hockeybund (DHoB) werden im Rahmen dieses Projekts - auf der Basis aktueller Erkenntnisse der Expertiseforschung zur Antizipation im Sportspiel - zwei zentrale Fragestellungen untersucht: (1) die Konstruktion und externe Validierung eines Antizipationstests für verschiedene Altersstufen als Erhebungsinstrument für die Talentsichtung von Torhütern im Torschussspiel Hockey sowie (2) die querschnittliche Erfassung des Entwicklungsverlaufs perzeptueller Expertise bei jugendlichen Nationaltorhütern. Versuchsdurchführung: Der HAT wurde im Rahmen von mehreren Sichtungsmaßnahmen und am Rande von Lehrgängen des DHoB durchgeführt. Nach einer kurzen Aufwärmphase standen die Torhüter vor einer 2,40 x 3,20 m großen Videoleinwand und hatten die Aufgabe, auf die präsentierten Stimuli reale Abwehrbewegungen auszuführen. Die Abwehrbewegungen wurden per Video aufgezeichnet und später ausgewertet. Zusätzlich zum HAT wurden ein hockeyunspezifischer Vierfachwahlreaktionszeittest (CRT) mit 34 Szenen sowie ein Feldtest eingesetzt, bei dem 40 reale Siebenmeterschüsse einer Bundesligaspielerin abzuwehren waren. Merkmalsstichprobe: Als abhängige Merkmale wurden die Bewegungsinitiationszeit (Reaktionszeit vom Ausblenden des jeweils letzten Videobildes bis zur Einleitung der Abwehrreaktion), die Reaktionsqualität (Übereinstimmung des Orts der Abwehraktion mit der tatsächlichen Ballposition) und die reine Bewegungszeit (Zeit von der Einleitung bis zum Ende der Abwehrreaktion) erfasst. Die zentralen unabhängigen Merkmale resultierten aus Personenmerkmalen (Altersstufe, Spielniveau) und aus Merkmalen der Videostimuli (Alter des Schützen, Okklusionsbedingung). Untersuchungsteilnehmer: Im Rahmen der Sichtungsmaßnahmen des DHoB wurden 15 Torhüter des Jahrgangs 1990/91 untersucht. Um den Entwicklungsverlauf bis zur Adoleszenz abbilden zu können, wurden insgesamt 26 Torhüter von der U16 bis zu den Erwachsenenmannschaften getestet. Zwölf Torhüter sind Mitglieder der Nationalmannschaften (U16: 2; U18: 4; U21: 3; Männer: 3). Die anderen 14 spielen Hockey auf dem höchsten regionalen Niveau (U16: 3; U18: 4; U21: 3; Männer: 4). Im Rahmen des Projekts konnte eine erste Annäherung an einen Talentsichtungstest zur Antizipation von Torhütern erreicht werden. Für die Weiterentwicklung gilt es, die Aufgabenschwierigkeit zu erhöhen, da insbesondere bei komplexeren Situationen Unterschiede aufgezeigt werden konnten. Dies lässt sich einerseits durch eine frühere temporale Okklusion und andererseits durch ältere Schützen erreichen. Um die teilweise geringen Reliabilitäten zu erhöhen, sollten mehr Szenen pro Bedingung präsentiert werden. Damit einhergehend könnte - auch nach den verbalen Rückmeldungen der getesteten Torhüter - der HAT ohne großmotorische Bewegung, sondern mit einfacheren motorischen Reaktionen (z. B. Tastendruck) durchgeführt werden, um die interne Validität zu stärken. Dies erhöht gleichzeitig die Ökonomie des Tests und ermöglicht eine wesentlich zeitnähere Rückmeldung für die Trainer, da keine aufwändigen Bewegungsvideoauswertungen mehr durchgeführt werden müssen.
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Bibliographische Detailangaben
Schlagworte:
Notationen:Spielsportarten Nachwuchssport
Veröffentlicht in:BISp-Jahrbuch Forschungsförderung 2005/06
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Bonn 2005
Online-Zugang:http://www.bisp.de/SharedDocs/Downloads/Publikationen/Jahrbuch/Jb_200506_Artikel/Roth.pdf?__blob=publicationFile
Seiten:117-121
Dokumentenarten:Buch
Level:hoch